Lockdown im DKTK

Die Covid-19-Pandemie wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus – so auch bei uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im DKTK. Mittlerweile sind bereits etwa drei Monate vergangen, seit im DKFZ der erweiterte Minimalbetrieb ausgerufen wurde, und die Abstands- und Hygieneregeln unseren Alltag mitbestimmen. Alle DKTK-Standorte haben sich der neuen Situation erfolgreich angepasst und flexible Lösungen gefunden, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen und gleichzeitig ihre Arbeit, soweit möglich, fortzuführen.

• Digitale Kommunikation: Videokonferenzen, E-Mails und Telefonate wurden vermehrt genutzt, um den engen Austausch beizubehalten. Die Erfahrung zeigt, dass virtuelle Lab-Meetings ebenso erfolgreich und produktiv sein können. Auch Vorstellungsgespräche, Vorträge und ganztägige Colloquien fanden virtuell statt.
• Arbeit im Homeoffice: Alle Tätigkeiten, die vorübergehend auch von zu Hause aus erledigt werden können, wurden dorthin verlegt. Mithilfe der DKTK-IT ist der Zugriff auf das Netzwerk auch im Homeoffice gewährleistet.
• Social Distancing: Soweit möglich, wurde die Besetzung der Räume reduziert. Mit etwas mehr Planung und Absprache zwischen Schreib- und Laborarbeit ist der Mindestabstand umsetzbar.
• Labor-Pläne: Es wurde weiter geforscht – oft mithilfe rotierender „Schichtpläne" in den Laboren. So können trotz Minimalbetrieb wichtige Experimente noch immer fortgeführt, Zellen und Mäuse weiter versorgt werden.
• Zeit zum Schreiben: Der Leerlauf wurde genutzt, um Liegengelassenes aufzuarbeiten oder neue Ideen auszuformulieren, zum Beispiel Anträge, Publikationen und neue Forschungskonzepte oder um sogar die ersten Seiten der Dissertation zu schreiben.
• Online-Weiterbildung: Wer seiner üblichen Arbeit nicht nachkommen konnte, hatte die Möglichkeit sich online weiterzubilden, beispielswiese in wissenschaftlichen Webinaren zu Biostatistik, Molekularbiologie und Histopathologie oder zu allgemeinen Themen wie Arbeitsschutz und Laborsicherheit.
• Neue Projekte: Die jeweiligen Expertisen mündeten weiterhin in neuen Kooperationen auf nationaler und internationaler Ebene, darunter auch Forschungsprojekte zu SARS-CoV-2. Alternativ wurde die Zeit dazu genutzt, das elektronische Laborbuch in der Abteilung einzuführen oder die Datenstruktur zu reorganisieren.

Ein Blick nach Frankfurt zeigt, dass hier – wie auch an anderen Standorten – beispielsweise viel Energie investiert wurde, um die Tumorboards per Videokonferenz aufrecht zu erhalten. Denn es ist wichtig, die Behandlungsoptionen der Patienten weiterhin eingehend diskutieren und Therapieempfehlungen aussprechen zu können. Innerhalb kürzester Zeit hat deshalb eine abteilungsübergreifende Task Force die Tumorkonferenzen im UCT Frankfurt flächendeckend auf Video-Tumorkonferenzen umgestellt. Hierbei galt es, verschiedene Systeme miteinander zu verbinden, sodass weiterhin jeder Patient mit seiner Krankheitsgeschichte sowie Bildgebung und Pathologiebefunden vorgestellt werden kann. Verschiedene virtuelle Konferenzräume ermöglichen parallele Tumorkonferenzen. Ein Zugriff mit allen Endgeräten – egal, ob mit Bildschirm per PC, Laptop und Smartphone oder ohne per Telefon – ist möglich.

Ein Beispiel für den angepassten Laborbetrieb zeigt die AG Timmers in Freiburg: Die Wissenschaftler arbeiten im Labor in festen kleinen Gruppen von 3 bis 4 Mitarbeitern. Die Gruppen rotieren im 6-Stunden-Rhythmus zwischen 8 und 20 Uhr, um die familienfreundlichen Arbeitszeiten beizubehalten. Dieses System ermöglicht trotz der Einschränkungen einen Projektfortschritt, da jede Gruppe auch ausreichend Zeit für länger andauernde Experimente einplanen kann. Die „Schichten" sind gleichmäßig verteilt – in den aktuell geplanten 9 Wochen hat jede Gruppe aller 3 Wochen weniger Laborzeit, um die Ergebnisse zu analysieren und falls nötig die Experimente neu zu planen. Dieser Laborbetrieb lässt sich auch darüber hinaus weiter fortführen, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Beschäftigten nach ausreichend Schutzvorkehrungen und ohne die Forschungstätigkeit maßgeblich einzuschränken.

Der Großteil der Dresdner DKTK-Mitarbeiter konnte ihre Arbeit im Home-Office fortführen und nutzte zur Abstimmung mit den Vorgesetzten und Kollegen digitale Kommunikationswege. Bisher physische Arbeitsgruppenbesprechungen fanden nun virtuell statt. Die Zeit im Home-Office wurde intensiv für das Verfassen von Publikationen, die Supervision von Doktoranden, Master- und Bachelorstudenten, die Auswertung von Forschungsdaten und die Konzipierung von neuen Projekten und Drittmittelanträgen genutzt. Mitarbeiter, wie Technische Assistenten, bei denen sich die Umstellung etwas schwieriger gestaltete, nutzten die Arbeitszeit zur Digitalisierung von Studien-daten und zur intensiven Weiterbildung, zum Beispiel bei wissenschaftlichen Webinaren zu Biostatistik, Molekularbiologie und Histopathologie oder zu allgemeinen Themen wie Arbeitsschutz und Laborsicherheit.

Anfang Mai fand in München trotz Covid-19-Pandemie das „DKTK Munich Cancer Colloquium" statt – zum ersten Mal per Videokonferenz. Dabei war die Teilnahme interessierter Wissenschaftler des Standortes München sogar höher als bei vorherigen Colloquien im Hörsaal. In Vorträgen mit dem Fokus Radiologie wurde die biologische und klonale Heterogenität am Beispiel der funktionellen Bildgebung und Radiomics gezeigt. Die lebhafte Diskussion der Teilnehmer kann sich beim „7th Munich Cancer Retreat" am 30. Juni 2020 per Live-Stream fortsetzen, unter anderem bei den Key Note-Lectures von Prof. Rückert (künstliche Intelligenz/London) und Prof. Jimenez (Proteomics/Amsterdam).

Unser Fazit: Trotz der Maßnahmen war es allen Beteiligten während der gesamten Zeit wichtig, die DKTK-Aktivitäten fortzuführen – was uns im Rückblick gut gelungen ist. Seit ein paar Wochen, je nach Standort etwas früher oder später, hat die stufenweise Ausweitung des Forschungsbetriebs wieder begonnen. Das Homeoffice wird weiterhin genutzt, um die Personendichte vor Ort minimal zu halten und somit auch das Infektionsrisiko weiterhin zu reduzieren. Spannend bleibt es zu beobachten, welche Konzepte und Verhaltensweisen aus der Zeit des erweiterten Minimalbetriebes uns auch zukünftig erhalten bleiben.

 

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