Klinische Kooperationseinheit Virotherapie

Prof. Dr. Dr. Guy Ungerechts

Die KKE Virotherapie entwickelt onkolytische Viren, die therapeutische Gene tragen („Arming), gezielt Tumorzellen infizieren („Targeting“), gegen vorzeitigen Abbau geschützt sind („Stealthing“) und eine gezielte Immunmodulation im Tumor bewirken. Die wirksamsten Therapieansätze mit onkolytischen Viren werden in die klinische Anwendung übertragen.
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Eine einzigartige Immuntherapie gegen Krebs
Klinische Fallberichte über komplette Tumor-Remissionen nach Virusinfektionen begründeten das Feld der onkolytischen Virotherapie. Bestimmte sogenannte onkolytische Viren vermehren sich bevorzugt in Krebszellen und führen zur Tumor-Lyse. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Behandlung mit onkolytischen Viren v.a. durch Tumorvakzinierungseffekte als Immuntherapie gegen Krebs wirkt. Im Jahr 2015 wurde ein erstes onkolytisches Virus in den USA und Europa zur Therapie des fortgeschrittenen malignen Melanoms zugelassen. Einige andere onkolytische Viren werden derzeit in klinischen Studien untersucht. Die KKE Virotherapie fokussiert ihre präklinischen Forschungsaktivitäten auf eine Masernimpfstamm-Virusplattform; weitere Projekte erforschen onkolytische Parvo- und Adenoviren. Unsere klinische Forschung umfasst Phase I-III Studien mit diversen onkolytischen Viren.

Entwicklung sicherer onkolytischer Viren mit maximaler Wirksamkeit
Mittels reverser Genetik-Systeme können onkolytische Viren für spezifische therapeutische Zwecke hergestellt werden. Mit der vielseitigen Masernimpfstamm-Plattform entwickeln wir Viren, die

  • ein zusätzliches therapeutisches Transgen tragen („Arming“). Wir untersuchen verschiedene Strategien, um das Abtöten von Tumorzellen oder die Antitumor-Immunantwort zu verstärken („Immunovirotherapie“)
  • über Tumor-spezifische Oberflächenmoleküle selektiv Tumorzellen infizieren (“entry targeting”)
  • durch microRNA-Zielsequenzen nicht in gesunden Zellen replizieren (“post-entry targeting”)
  • aufgrund von Modifikationen der Virusoberfläche nicht vorzeitig durch antivirale Antikörper neutralisiert werden (“Stealthing”)
  • sich für effektive Kombinationstherapien eignen (z.B. “Radiovirotherapie”)
Entschlüsseln der Wirkungsweise der onkolytischen Immuntherapie
Innerhalb der KKE Virotherapie untersucht die Research Group „Mechanisms of Oncolytic Immunotherapy“ unter der Leitung von Dr. Dr. Christine Engeland, welche Faktoren die Wirksamkeit der onkolytischen Immuntherapie beeinflussen. In präklinischen Modellen und anhand von klinischen Proben erforschen wir, welche Eigenschaften von Tumorzellen und Tumormikromilieu Therapieansprechen oder Resistenzen vermitteln. Unser Ziel ist es, Strategien zur Verbesserung der Wirksamkeit und Biomarker für die klinische Translation der onkolytischen Immuntherapie zu entwickeln.

Klinische Anwendung onkolytischer Viren
Die KKE Virotherapie hat zum Ziel, die wirksamsten onkolytischen Immuntherapien in die klinische Anwendung zu bringen. Basierend auf unserer präklinischen Forschung ist derzeit eine klinische Phase I/II-Studie in Vorbereitung. Diese Studie untersucht onkolytische Masernviren zur Immunovirotherapie von fortgeschrittenen gastrointestinalen Tumoren. In weiteren abgeschlossenen, laufenden und zukünftigen (Phase I-III) Studien werden unter anderem onkolytische Parvoviren, Herpesviren und Vakziniaviren geprüft. Von uns initiierte Studien werden von translationalen Begleitforschungsprogrammen flankiert, um Wirkmechanismen und Biomarkersignaturen erfolgreicher onkolytischer Immuntherapie zu bestimmen.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Guy Ungerechts
Virotherapie (F230)
Deutsches Krebsforschungszentrum
und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg

Ausgewählte Publikationen

  • Speck T, Heidbuechel JPW, Veinalde R, Jaeger D, von Kalle C, Ball CR, Ungerechts G, Engeland CE. Targeted BiTE expression by an oncolytic vector augments therapeutic efficacy against solid tumors. Clinical Cancer Research, 2018.
  • Veinalde R, Grossardt C, Hartmann L, Bourgeois-Daigneault MC, Bell JC, Jäger D, von Kalle C, Ungerechts G, Engeland CE. Oncolytic measles virus encoding interleukin-12 mediates potent antitumor effects through T cell activation. OncoImmunology, 2017.
  • Hajda J, Lehmann M, Krebs O, Kieser M, Geletneky K, Jäger D, Dahm M, Huber B, Schöning T, Sedlaczek O, Stenzinger A, Halama N, Daniel V, Leuchs B, Angelova A, Rommelaere J, Engeland CE, Springfeld C, Ungerechts G. A non-controlled, single arm, open label, phase II study of intravenous and intratumoral administration of ParvOryx in patients with metastatic, inoperable pancreatic cancer: ParvOryx02 protocol. BMC Cancer, 2017.
  • Engeland CE, Grossardt C, Veinalde R, Bossow S, Lutz D, Kaufmann JK, Shevchenko I, Umansky V, Nettelbeck DM, Weichert W, Jäger D, von Kalle C, Ungerechts G. CTLA-4 and PD-L1 checkpoint blockade enhances oncolytic measles virus therapy. Mol Ther, 2014.
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