Episomal-Persistierende DNA in Krebs- und chronischen Erkrankungen

Abteilung Episomal-Persistierende DNA in Krebs- und chronischen Erkrankungen

Prof. Dr. Harald zur Hausen

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Die Abteilung Episomal-Persistierende DNA in Krebs- und Chronischen Erkrankungen befasst sich mit der Identifizierung und Charakterisierung krankheitsassoziierter zirkulär-persistierender DNA Genome von Tieren und Menschen. Aktuelle Studien deuten auf eine Beteiligung solcher Agentien unter anderem bei der Entstehung chronischer neurodegenerativer Erkrankungen hin (Manuelidis, J. Neurovirol. (2011; 17:131–145). Zu den zentralen Fragestellungen der Abteilung gehören neben der Isolierung solcher DNAs, ob und wie solche DNA-Sequenzen und deren Genprodukte zur Krankheitsentstehung beitragen und unter welchen Bedingungen dies geschieht. Der Nachweis einer direkten Verbindung zwischen einer Infektion mit derartigen Agentien und einer bestimmten Erkrankung könnte präventive Möglichkeiten wie zum Beispiel Impfungen, die Erfassung von Risikopatienten und neue Therapieformen zur Bekämpfung dieser Krankheit eröffnen.

Aus Kuhmilch, Rinderseren und verschiedenen humanpathologen Proben wurde eine Vielzahl neuartiger, episomaler DNA-Sequenzen mit hohem Verwandtschaftsgrad zu einzelsträngigen, zirkulären DNA-Viren isoliert (Funk et al., Genome Announc. (2014; 2[4]), Gunst et al., Genome Announc. (2014; 2[4]), Lamberto et al., Genome Announc. (2014; 2[4]), Whitley et al., Genome Announc. (2014; 2[4]). Der hohe Grad an Homologie zwischen Isolaten aus Kuhmilch, Rinderseren und humanem Gewebe oder Serum deutet auf den Konsum von Rindfleisch- oder Milchprodukten als möglichen Übertragungsweg hin. Die globale Epidemiologie einiger häufiger menschlicher Krebsformen (z.B. Dickdarm- und Brustkrebs) könnte auf eine Übertragung und Beteiligung von spezifischen Infektionen von Tieren auf den Menschen zurückgeführt werden (zur Hausen und de Villiers, 2015).

Unsere Abteilung wendet molekularbiologische, zellbiologische, immunologische sowie Hochdurchsatzmethoden (RNA Seq, mass spec, serum scans, protein interaction screening) an, um diese neuartigen Genome zu charakterisieren und ihre Interaktionen mit der Wirtszelle zu untersuchen. Außerdem werden seroepidemiologische Studien herangezogen, um Informationen über Interaktionen des humanen Immunsystems mit diesen Agentien zu gewinnen. Da die Beteiligung potentiell pathogener DNAs an der Ätiologie einer Erkrankung auf einer Vielzahl von Interaktionen unterschiedlichster Art basieren kann, umfassen diese Analysen sowohl die Ebene der DNA (Genomanalyse), der RNA (Analyse des Transkriptoms) als auch die potentiell codierter Proteine (Analyse des Proteoms).

Kontakt

Prof. Dr. Harald zur Hausen
Episomal-Persistierende DNA in Krebs- und chronischen Erkrankungen (F200)
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg

Tel: +49 6221 42 3850
Kontaktformular

Ausgewählte Publikationen

  • zur Hausen, H. and de Villiers, E.M. Dairy cattle serum and milk factors contributing to the risk of colon and breast cancers. Int J Cancer: doi 10.1002/ijc.29466, 2015
  • zur Hausen, H. and de Villiers,E.M. Cancer „causation“ by infections – individual contributions and synergistic networks. Seminars Oncology 41(6): 860-875, 2014
  • zur Hausen H., de Villiers, E.-M.: Prenatal Infections with Subsequent Immune Tolerance Could Explain the Epidemiology of Common Childhood Cancers. World Cancer Report, IARC Lyon: 261-265, 2014
  • zur Hausen, H.: What do breast and CRC cancers and MS have in common? Nature Rev. Clinical Oncology, 12(10), 569-70, 2015
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