Was ist Krebs?

Was ist eigentlich Krebs?

Krebs bezeichnet in der Medizin eine bösartige Gewebeneubildung, eine sogenannte Neoplasie oder ein Malignom. Die Tumorzellen in einer Krebsgeschwulst vermehren sich unkontrolliert, sie wachsen in Nachbargewebe ein, zerstören gesundes Gewebe und bilden Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Sie reagieren nicht mehr auf Signale, die das Wachstum in gesunden Geweben steuern, und entziehen sich auch der Kontrolle durch das Immunsystem. Kein Tumor, keine Krebsform ist wie die andere. Allen Krebserkrankungen gemeinsam ist jedoch, dass sie ohne Behandlung bei den meisten Betroffenen fortschreiten und zum Tode führen kann. Eine Spontanheilung ist äußert selten.

Krebs ist eine Krankheit der Gene

© Krebsinformationsdienst, DKFZ

Um Zellen zu Krebszellen zu machen, sind mehrere Schritte nötig: Tumorsuppressor-Gene, also Gene, die normalerweise die Krebsentwicklung bremsen, werden stillgelegt. Proto-Onkogene, also Gene, die die Krebsentstehung fördern, werden angeschaltet. Diese Prozesse verändern die Erbinformation, die als „Bauanleitung" für alle im Körper benötigten Genprodukte dient. Die Folge sind fehlende, veränderte, im Übermaß oder zur Unzeit entstehende Strukturproteine, Enzyme, Hormone und weitere Botenstoffe oder wichtige Moleküle des Zellstoffwechsels. Heute wird zwischen genetischen und epigenetischen Veränderungen der Erbinformation unterschieden. Bei genetischen Veränderungen ändert sich die Bausteinabfolge der DNA – sei es durch Verlust, Hinzufügung oder Verschiebung einzelner Bausteine oder ganzer Abschnitte. Im Ergebnis wird von den entsprechenden Genprodukten zu viel oder zu wenig produziert, oder ihre Eigenschaften sind verändert.

Epigenetische Veränderungen wirken sich auf die „Verpackung“ der DNA aus. An die Erbinformation angehängte Moleküle sorgen dafür, dass Gene nicht abgelesen werden können. Auch dies kann einen Schritt in Richtung Krebsentstehung bedeuten. Epigenetische Veränderungen sind allerdings potenziell umkehrbar. Möglicherweise tragen Lebensstiländerungen dazu bei, zumindest manche krebsfördernde Veränderungen an der Erbinformation wieder rückgängig zu machen. Was sind die Auslöser für Veränderungen der Erbinformation? Äußere Einflüsse können sie direkt schädigen oder Entzündungsprozesse in Gang setzen, die sich letztlich ebenfalls auf die Erbinformation auswirken. Dazu zählen die bekannten Risikofaktoren wie etwa das Rauchen, Übergewicht und damit verbundene Stoffwechselveränderungen, UV-Strahlung und einiges mehr. Doch bei vielen Betroffenen entsteht Krebs spontan: Bei den Zellteilungen kommt es durch Zufall zu Fehlern – auch bei Menschen, die immer gesund gelebt haben. Körpereigene Reparaturmechanismen können zwar viele Fehler in der Erbsubstanz wieder beheben, jedoch nicht alle. Deshalb häufen sich im Lauf des Lebens immer mehr Veränderungen an. Das erklärt u. a., warum das Krebsrisiko mit zunehmendem Alter steigt. Hauptverantwortlich für das Tumorwachstum sind vermutlich sogenannte Tumorstammzellen. Bei jeder Zellteilung besteht das Risiko, dass sich ihre instabile Erbinformation weiter verändert. Auf diese Weise können zum Beispiel in einem Tumor Resistenzen gegen Arzneimittel entstehen. Zudem können Metastasen andere Eigenschaften aufweisen als der Ursprungstumor. Viele Vorgänge bei der Krebsentstehung sind schon bekannt, aber es ist dringend weitere intensive Forschung nötig, um die Krebsentstehung bis ins Detail zu verstehen. Denn je größer das Wissen um die komplexen Zusammenhänge ist, desto besser können Strategien entwickelt werden, die die Früherkennung, Diagnostik und Behandlung von Krebs verbessern.

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