Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Hohe wissenschaftliche Auszeichnung für Hannah Monyer

Nr. 39 | 28.06.2018 | von Koh

Der mit 50.000 Euro dotierte Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für herausragende wissenschaftliche Leistungen geht in diesem Jahr an die Neurowissenschaftlerin Hannah Monyer vom Deutschen Krebsforschungszentrum und von der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Hannah Monyer hat mit ihrer Forschung wichtige molekulare Grundlagen des Lernens und Erinnerns aufgeklärt. Dies würdigt die Akademie mit der hohen Auszeichnung.

Hannah Monyer
© Universitätsklinikum Heidelberg

Wie funktioniert unser Gedächtnis und wie lernen wir? Das sind die großen Fragen, die Hannah Monyers Forschung antreiben. Die Neurobiologin konzentriert sich auf die molekularen Mechanismen, die zu synchronen neuronalen Netzwerkaktivitäten führen und diese beeinflussen. Dabei beginnen zahlreiche Nervenzellen gleichzeitig zu „feuern" und ermöglichen damit unter anderem kognitive Prozesse wie Lernen und Erinnern.

Hannah Monyer leitet die Abteilung Klinische Neurobiologie, die sowohl am Deutschen Krebsforschungszentrum als auch am Universitätsklinikum Heidelberg angesiedelt ist. Ihr Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die Zellen und Moleküle zu finden, die bei diesen Prozessen Schlüsselrollen einnehmen. So erhoffen sich die Wissenschaftler auch neue Einblicke in die Vorgänge bei psychischen und neurologischen Krankheiten, die mit einem Verfall kognitiver Fähigkeiten einhergehen.

Eine besondere Rolle für das Lernen und das Gedächtnis spielen die so genannten inhibitorischen Interneurone, die den Neurotransmitter GABA produzieren. Monyer konnte zeigen, wie diese Interneurone mit anderen Nervenzellen verschaltet sind und diese im Millisekundenbereich synchronisieren. Die synchrone Aktivität von Nervenschaltkreisen liegt den kognitiven Funktionen zugrunde.

Derzeit konzentriert sich die Neurowissenschaftlerin auf die Plastizität des Gehirns, also seine Anpassungsfähigkeit, die auf der Integration neu geborener Nervenzellen in bestehende Netzwerke beruht. Dazu untersucht sie Gene, die an Zellgeburt, Zellwanderung und Zelldifferenzierung beteiligt sind.

Die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen Hannah Monyers beruhen darauf, dass sie zentrale Fragen der Hirnforschung stets mit einem Repertoire von fortgeschrittensten experimentellen Methoden u.a. aus der Gentechnik, der Optogenetik und der Elektrophysiologie angeht.

Hannah Monyers Forschungen wurden bereits mit zahlreichen Preisen und Ehrungen gewürdigt: 2004 erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2005 wurde ihr der deutsch-französische Gay-Lussac-Humboldt-Preis zugesprochen, und 2006 folgte der Forschungspreis der Philip Morris Stiftung. Hannah Monyer ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (2005), der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (2007) und der Academia Europaea (2016). Im Jahr 2017 erhielt sie den Tsungming Tu Award, die höchste akademische Ehre für Ausländer in Taiwan.

Hannah Monyer wurde 1957 in Großlasseln (Rumänien) geboren. 1975 emigrierte sie nach Deutschland und studierte Medizin in Heidelberg. Nach der Promotion in Humanmedizin arbeitete sie in der Heidelberger Neuropädiatrie und der Kinderpsychologie. Nach einem Forschungsaufenthalt in Stanford kehrte sie nach Heidelberg zurück und habilitierte sich 1993 und erhielt die Venia legendi für Biochemie. 1999 wurde sie auf eine Hermann und Lilly-Schilling-Stiftungsprofessur berufen, so dass sie eine unabhängige Arbeitsgruppe aufbauen konnte. 2002 wurde sie zur Ärztlichen Direktorin der Klinik für Neurobiologie in Heidelberg berufen.

Mit dem Akademiepreis werden seit 1996 herausragende wissenschaftliche Leistungen aller Fachgebiete gewürdigt. Der Preis wird am 30. Juni 2018 in Berlin bei der Festsitzung zum Leibniztag überreicht.

Ein Foto von Hannah Monyer steht zur Verfügung unter:
https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Monyer_Hannah.jpg

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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