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ERC-Advanced Grants für Hellmut Augustin und Christof Niehrs

Nr. 25c3 | 19.04.2018 | von Koh

Der Europäische Forschungsrat ERC fördert mit seinen „Advanced Grants" visionäre Projekte der grundlagenorientierten Forschung. In diesem Jahr zeichnete der ERC Hellmut Augustin (Universität Heidelberg und DKFZ) und Christof Niehrs (Universität Mainz und DKFZ) mit der begehrten Millionenförderung aus.

Hellmut Augustin
© DKFZ

Der 2007 eingerichtete Europäische Forschungsrat fördert die grundlagenorientierte Forschung, um visionäre Projekte voranzutreiben und neue interdisziplinäre Wissensgebiete zu erschließen. Für herausragende, bereits etablierte Forscher schreibt der Rat jährlich die „ERC Advanced Grants" aus, über deren Vergabe in einem hoch kompetitiven Verfahren entschieden wird.

Einer der diesjährigen Grants geht an Hellmut Augustin, der die Abteilung Vaskuläre Onkologie und Metastasierung leitet, die an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und zugleich am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) angesiedelt ist.

Im Fokus von Augustins ERC-Projekt „AngioMature" stehen Endothelzellen, die das Innere sämtlicher Blutgefäße auskleiden. Beim Übergang ins Erwachsenenalter treten Endothelzellen in ein Ruhestadium ein, können aber reversibel in einen aktivierten Zustand wechseln. Für die Gesundheit ist es entscheidend, eine ruhende und organtypisch differenzierte Schicht von Endothelzellen in den Gefäßen aufrechtzuerhalten. Überschießende oder fehlgesteuerte Aktivierung der Endothelzellen kann zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen – von der Sepsis über Atherosklerose bis hin zum Krebs.

Ziel des ERC-geförderten Projekts ist es nun, die genauen Mechanismen der Gefäßausreifung und der organspezifischen Differenzierung der Endothelzellen in verschiedenen Entwicklungsstadien des Organismus zu erforschen: während der Gefäßentwicklung, bei der Aufrechterhaltung des stabilen Ruhezustands beim Erwachsenen und während des Alterungsprozesses. Die Forscher erwarten von diesen Untersuchungen neue Einsichten in lebenswichtige biologische Prozesse, die für die Gesundheit und für ein gesundes Altern wichtig sind.

Christof Niehrs
© DKFZ

Bereits zum zweiten Mal erhält Christof Niehrs die begehrte ERC-Förderung: Der Entwicklungsbiologe ist Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare Biologie der Universität Mainz und leitet zugleich im DKFZ die Abteilung Molekulare Embryologie.

Alle Zellen stellen mit so genannten epigenetischen Mechanismen sicher, dass zur richtigen Zeit die richtigen Gene aktiv sind. Einer der wichtigsten epigenetischen Steuermechanismen besteht darin, dass die Zelle ihr Erbgut an bestimmten Stellen chemisch markiert – mit kleinen Methylgruppen – und damit das betreffende Gen stilllegt. Um es zu reaktivieren, muss die Markierung durch DNA-Methylasen wieder entfernt werden. Wie dieser Vorgang gesteuert wird, ist noch wenig verstanden.

Mithilfe des ERC-Grants wollen Niehrs und Kollegen nun prüfen, ob die so genannten „langen nichtkodierenden RNAs" (lncRNA) bei diesem Vorgang eine wichtige Rolle spielen. Diese RNA-Moleküle, die keine Information für den Bau von Proteinen kodieren, könnten wie eine Postleitzahl die DNA-Methylasen an die entsprechende Positionen im Erbgut dirigieren, so die Vermutung. Christof Niehrs Ziel ist es, besser zu verstehen, wie diese epigenetische Regulation funktioniert und wichtige Schritte der Entwicklung steuert, etwa die Differenzierung von Stammzellen. Außerdem will er erforschen, ob durch eine lncRNA-gesteuerte Demethylierung gezielt Gene reaktiviert und damit auch Krankheiten behandelt werden können.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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