Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Bedeutung genetischer und äußerer Einflüsse auf das Krebsrisiko

Nr. 48 | 14.06.2006 | von (IW/And)

In seiner neuen Ausgabe informiert das "International Journal of Cancer" (IJC), Band 118(12) unter anderem darüber wie der Verpackungszustand der Chromosomen das Darmkrebsrisiko beeinflusst. Zudem berichtet die Fachzeitschrift über die Bedeutung von Infektionen für das Auftreten von Krebsneuerkrankungen und den Zusammenhang von Allergien und Tumorentstehung. Die Druckversion des IJC erscheint am 15. Juni 2006.

Guoren Deng und Kollegen von der Universität Kalifornien, San Francisco, haben die genetischen Ursachen von Darmkrebs anhand von Krebszelllinien und Gewebeproben aus Tumoren genauer untersucht. Bislang war bekannt, dass es bei dieser Krebsform zu so genannten Über- und Unter-Methylierungen kommt – chemischen Veränderungen der DNS, die die räumliche Struktur der Chromosomen und damit die Genaktivität beeinflussen. Die Forscher fanden heraus, dass der Verpackungszustand der DNS im Zusammenhang mit zwei bestimmten Erscheinungsbildern steht. Die so genannte Mikrosatelliteninstabilität (MSI) steht mit verstärkten, lokal begrenzten Methylierungen in Verbindung, wodurch die Chromosomen dichter verpackt und die Genaktivität in diesem Erbgutabschnitt niedriger ist. Bei der chromosomalen Instabilität ist es umgekehrt: Aufgrund verminderter Methylierungen bleiben Erbgutabschnitte aktiv, die normalerweise still gelegt sind. Dies kann fatale Folgen haben, wenn beispielsweise Tumorsupressorgene inaktiviert und krebsverursachende Gene aktiviert werden.

Die Wissenschaftler erhielten durch ihre Untersuchungen auch Hinweise auf die Funktionsweise von Chemotherapeutika: Im Falle von MSI hemmen diese die Methylierung der DNS. Dadurch normalisiert sich der Verpackungszustand des Chromatins und somit die Genaktivität.

In einer anderen Studie hat Donald Maxwell Parkin, Universität Oxford, Großbritannien, eine große Zahl an Veröffentlichungen aus dem Jahre 2002 über weltweite Daten zu Krebsneuerkrankungen analysiert und festgestellt, in welchem Ausmaß Infektionen zu Krebs beitragen. Fast 20 Prozent der 1,9 Millionen jährlichen Neuerkrankungen werden durch verschiedenste Krankheitserreger ausgelöst. Zu den Hauptverantwortlichen zählen das Bakterium Heliobacter pylori, die Hepatitis-Viren B und C sowie Humane Papillomviren. Auch wenn die Forscher von gewissen Annahmen ausgehen und nicht näher auf andere Risikofaktoren verweisen, macht das Ergebnis, dass etwa 80 Prozent der Krebsneuerkrankungen in den Dritte-Welt-Ländern auftreten, deutlich, wie wichtig es ist solche krankheitsverursachenden Keime zu beseitigen.

Ebenfalls mit einer Meta-Analyse epidemiologischer Studien – insgesamt 148 aus den Jahren von 1966 bis 2005 – untersuchten Michelle C. Turner und Kollegen von der Universität Ottawa, Kanada, den Zusammenhang von Allergien und Krebs. So haben Asthmatiker ein leicht erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Auch bei bestimmten Hirntumoren, den Gliomen, scheinen allergische Reaktionen eine Rolle zu spielen. Demgegenüber steht das Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken in keinem Zusammenhang mit Allergien, ebenso wenig hängt das Risiko einer Darmkrebserkrankung von einer Asthmaerkrankung oder Heuschnupfen ab. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Allergien offenbar nicht mit Krebs in Verbindung stehen, lediglich bestimmte Krebserkrankungen seien betroffen. Es sei daher schwierig, alle Einflussgrößen in ausreichendem Maße zu berücksichtigen. Sie empfehlen daher, mittels weitergehender Untersuchungen die Zusammenhänge und auch die biologischen Grundlagen genauer aufzuklären.

Die Artikel sind über folgende DOI abrufbar (www.doi.org):

Deng et al.: „Regional hypermethylation and global hypomethylation are associated with altered chromatin conformation and histone acetylation in colorectal cancer.” Published Online: 19 Jan 2006.
DOI: 10.1002/ijc.21740
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112276119/ABSTRACT

Parkin et al.: „The global health burden of infection-associated cancers in the year 2002.” Published Online: 19 Jan 2006.
DOI: 10.1002/ijc.21731
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112226580/ABSTRACT

Turner et al.: „An overview of the association between allergy and cancer.” Published Online: 19 Jan 2006.
DOI: 10.1002/ijc.21752’
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112224623/ABSTRACT

Weitere Artikel sind verfügbar unter:
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/jabout/29331

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Managing Editor
International Journal of Cancer
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E-Mail: intjcanc@dkfz.de

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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