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Erwin-Schrödinger-Preis 2018: Prostatakrebs besser erkennen und behandeln

Nr. 49a | 12.09.2018

Der Erwin-Schrödinger-Preis geht in diesem Jahr an ein interdisziplinäres Forscherteam aus Heidelberg. Die Wissenschaftler Matthias Eder, Michael Eisenhut, Uwe Haberkorn und Klaus Kopka haben gemeinsam eine Methode entwickelt, mit der sich Prostatakrebs nicht nur zuverlässiger diagnostizieren, sondern auch gezielt bekämpfen lässt.

Verleihung des Erwin-Schrödinger-Preises 2018 auf der Helmholtz-Jahrestagung. Auf der Bühne (v. l. n. r.): Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft; Dirk Heinz (Wissenschaftlicher Geschäftsführer HZI), Matthias Eder (Universitätsklinikum Freiburg, DKTK und DKFZ), Michael Eisenhut (DKFZ, emeritiert), Uwe Haberkorn (Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ) und Klaus Kopka (DKFZ) sowie Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung.
© Helmholtz / Boris Kramarić

Der mit 50.000 Euro dotierte Erwin-Schrödinger-Preis wurde am 11. September bei der Helmholtz-Jahrestagung an die diesjährigen Preisträger Matthias Eder (Biotechnologe, Universitätsklinikum Freiburg, Deutsches Krebskonsortium und Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ), Michael Eisenhut (Chemiker, DKFZ, emeritiert), Uwe Haberkorn (Nuklearmediziner, Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ) und Klaus Kopka (Radiopharmazeutischer Chemiker, DKFZ) überreicht. Die Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für die Entwicklung eines Moleküls, das spezifisch Prostatakrebszellen aufspüren und sowohl die Diagnostik als auch die Therapie verbessern kann.

„Die vier Preisträger haben eindrucksvoll gezeigt, wie Translation gelingen kann: Nur in der engen und gut eingespielten Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern verschiedener Disziplinen mit Klinikern lassen sich Entwicklungen aus dem Labor so schnell in die klinische Anwendung bringen. Die PSMA-Wirkstoffe können in Zukunft weltweit Patienten mit Prostatakrebs helfen – diese herausragende Gemeinschaftsleistung hat den Schrödinger-Preis hoch verdient", sagt Michael Baumann, Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums.

„Ich gratuliere den Preisträgern von ganzem Herzen. Sie haben mit ihrer Methode nicht nur die Bildgebung von Prostatakrebszellen revolutioniert, sondern auch einen Durchbruch in der Tumortherapie erzielt", sagt Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler. „Ich bin mir sicher, dass dadurch in Zukunft vielen Prostatakrebspatienten geholfen werden kann. Dies zeigt eindrucksvoll, was die Wissenschaft bewegen kann, wenn sie über Disziplingrenzen hinaus zusammenarbeitet."

Der Erwin-Schrödinger-Preis würdigt jedes Jahr innovative Leistungen, die in den Grenzgebieten verschiedener Fächer der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften entstehen. Er wird abwechselnd vom Stifterverband und Helmholtz vergeben.

Ausgangspunkt für die Entdeckung der preisgekrönten Wissenschaftler ist das Prostata-spezifische Membran-Antigen – kurz PSMA. Es ist auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen vorhanden, vermehrt allerdings auf Prostatakrebszellen. Im restlichen Körper kommt PSMA kaum vor. Die Wissenschaftler haben ein kleines Molekül namens PSMA-11 entwickelt, das an diesen Antigenen andocken kann und sich mit verschiedenen radioaktiven Substanzen – so genannten Radionukliden – markieren lässt. Dank dieser Markierungen können Ärzte bei Patienten selbst kleinste Ansammlungen von Prostatakrebszellen bei einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) erkennen. Das war mit bisherigen Untersuchungsmethoden in dieser Genauigkeit nicht möglich. Die Methode ist mittlerweile weltweit bei Patienten im Einsatz, um Prostatakrebszellen ausfindig zu machen.

Darauf aufbauend entwickelten die Forscher einen ähnlichen Wirkstoff namens PSMA-617. Er wird mit einem stärker strahlenden Radionuklid markiert, so dass eine therapeutisch wirksame Substanz entsteht. Diese zerstört die Prostatakrebszellen, sobald sich das Molekül an sie angedockt hat. Die ersten Ergebnisse waren so erfolgreich, dass die Wissenschaftler ihre Entdeckung an ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen lizensiert haben. Derzeit wird eine klinische Studie durchgeführt, an der weltweit mehr als 80 Krebszentren in neun Ländern teilnehmen. In einigen Jahren, so ist die Hoffnung der Wissenschaftler, soll die Behandlung nach allen Testläufen von den Gesundheitsbehörden zugelassen sein.

Von den ersten Arbeiten zum Thema im Jahr 2011 könnten dann nur rund zehn Jahre vergangen sein. „Die Kombination unterschiedlicher Fachrichtungen hat unsere Arbeit erst möglich gemacht – und den Durchbruch in dieser kurzen Zeit", urteilen die beteiligten Forscher.

Ein Video und ein Porträt zu den Gewinnern und ihrer Forschung gibt es unter:
https://www.helmholtz.de/schroedinger2018/ 

Mehr Informationen zum Erwin-Schrödinger-Preis gibt es unter: www.helmholtz.de/ueber_uns/forschungspreise/erwin_schroedinger_preis/ 

Ein Bild steht zum Download zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Preisverleihung-Schroedinger-Preis.jpg 
BU: Verleihung des Erwin-Schrödinger-Preises 2018 auf der Helmholtz-Jahrestagung. Auf der Bühne (v. l. n. r.): Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft; Dirk Heinz (Wissenschaftlicher Geschäftsführer HZI), Matthias Eder (Universitätsklinikum Freiburg, DKTK und DKFZ), Michael Eisenhut (DKFZ, emeritiert), Uwe Haberkorn (Universitätsklinikum Heidelberg und DKFZ) und Klaus Kopka (DKFZ) sowie Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung.
Bild: Helmholtz / Boris Kramarić

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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