Nr. 32

ERC-Advanced Grants für Dieter Saur und Aurelio Teleman

Zwei Männer in professioneller Kleidung. Der linke Mann trägt einen weißen Kittel und steht mit verschränkten Armen in einem hellen Labor. Der rechte Mann trägt ein blaues Hemd und lächelt. Der Hintergrund zeigt moderne, helle Räume.

Der Europäische Forschungsrat ERC fördert mit seinen „Advanced Grants“ visionäre Projekte der grundlagenorientierten Forschung. In diesem Jahr zeichnete der Rat den Krebsforscher und Arzt Dieter Saur vom DKTK-Standort München* aus, der untersucht, warum Immuntherapien gegen das Pankreaskarzinom heute oft nichts ausrichten können und Wege entwickelt, sie schlagkräftiger zu machen. Aurelio Teleman, Stoffwechsel-Experte am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) geht mit seinem ERC-Projekt einer der grundlegenden Fragen der Entwicklungsbiologie auf den Grund: Wie kontrollieren Tiere ihr Wachstum und ihre Größe?

Der Europäische Forschungsrat fördert die grundlagenorientierte Forschung, um besonders zukunftsweisende Projekte voranzutreiben und neue interdisziplinäre Wissensgebiete zu erschließen. Für herausragende, bereits etablierte Forscher in Europa schreibt der Rat jährlich die „ERC Advanced Grants“ aus, über deren Vergabe in einem hoch kompetitiven Verfahren entschieden wird.

Ein Wissenschaftler in einem weißen Laborkittel steht lächelnd mit verschränkten Armen vor einem hellen, modernen Hintergrund. Hinter ihm sind Regale und eine glänzende Oberfläche zu sehen.
Prof. Dr. Dieter Saur; Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II; Klinikum rechts der Isar der TU München Foto: Andreas Heddergott / Verwendung frei fuer die Berichterstattung ueber die TU Muenchen unter Nennung des Copyrights

Immuntherapien gelten als große Hoffnung im Kampf gegen Krebs, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ihr Erfolg jedoch begrenzt. Diese Tumore unterdrücken gezielt die Abwehrreaktionen des Körpers in ihrer unmittelbaren Umgebung. Hier setzt das Projekt Evoke‑PDAC von Dieter Saur an. Das Ziel ist zunächst, besser zu verstehen, wie unterschiedliche Tumorvarianten diese „Schutzräume“ aufbauen und nutzen.

Dafür entwickelt das Team um Saur innovative Modelle und Methoden, mit denen sich erstmals räumlich und zeitlich präzise verfolgen lässt, wie Immunzellen im Tumor arbeiten oder blockiert werden. In einem nächsten Schritt will Saur neue Ansätze entwickeln, die dafür sorgen, dass Immunzellen den Tumor attackieren und langfristig aktiv bleiben. Die Ergebnisse könnten die Basis für innovative Therapien schaffen, die die Überlebenschancen von Patientinnen und Patienten mit dieser besonders aggressiven Krebsart verbessern.

Dieter Saur ist DKTK-Professor für Translationale Tumorforschung an der Technischen Universität München (TUM). Seine Forschung wurde bereits mit einem ERC Consolidator Grant gefördert.

Ein Mann mit braunem Haar und einer Brille trägt ein hellblaues Hemd. Er steht vor einer Fensterfront mit unscharfem Hintergrund und lächelt leicht.
Dr. rer. nat. Aurelio Teleman

Aurelio Telemann, Abteilungsleiter im DKFZ, geht mit seinem ERC-Projekt einer der grundlegenden Fragen der Entwicklungsbiologie auf den Grund: Wie kontrollieren Tiere ihr Wachstum und ihre Größe? 

Bekannt ist, dass ein bestimmter wachstumsfördernder Signalweg in Abhängigkeit von der Nährstoffverfügbarkeit das Wachstum von Organismen anregt. Teleman und sein Team haben am Modell der Taufliege Drosophila entdeckt, dass das kleine körpereigene Molekül Adenosin der Aktivität dieses Signalwegs entgegenwirkt und damit das Wachstum der Fliegen hemmt. 

Unter Nahrungsmangel steigt die Konzentration von Adenosin. Teleman will die molekularen Wege verstehen, über die Adenosin die Wirkung von Umweltsignalen auf das Wachstum und den Stoffwechsel vermittelt: Wie genau wird der Adenosinspiegel reguliert und welche Gewebe sind beteiligt? Mit dieser Forschung will er das Verständnis dafür erweitern, wie Tiere als Reaktion auf Umweltsignale ein Gleichgewicht zwischen wachstumsfördernden und wachstumshemmenden Signalen herstellen. Er geht davon aus, dass diese Mechanismen bei Insekten, der mit Abstand größten Tiergruppe, konserviert sind. Denkbar ist sogar, dass Adenosin auch bei Säugetieren an der Regulation des Wachstums beteiligt ist. Telemans ERC-Projekt soll die Grundlage dafür schaffen, diese Frage in Zukunft klären zu können.

Aurelio Teleman wurde vom ERC bereits mit einem Starting Grant sowie einem Consolidator Grant gefördert.

* Das DKTK ist eines der acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung und verbindet das DKFZ mit universitären Partnerstandorten in ganz Deutschland.

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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