Das Besondere an den „Proof of Concept“-Grants des ERC: Diese Fördermittel kann nur beantragen, wer bereits eine ERC-Förderung erhält. Der Forschungsrat will den Wissenschaftlern damit ermöglichen, eventuelle Anwendungsbereiche ihrer in einem ERC-Förderprojekt erzielten Forschungsergebnisse zu prüfen und zu erschließen.
Doppelter ERC-Erfolg für DKFZ-Forscher
Mit seinen „Proof of Concept“ (PoC)-Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) Wissenschaftler dabei, das wirtschaftliche Potential ihrer Forschungsergebnisse weiterzuentwickeln. Auch 2026 wurden wieder zwei Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) für die prestigereiche Förderung ausgewählt: Moritz Mall entwickelt eine Gentherapie, die gefährliche Hirntumorzellen empfindlich gegenüber Chemo- und Strahlentherapie machen sollen. Chong Sun kann erstmals live mitverfolgen, mit welchen zellulären Proteinen Wirkstoffe interagieren – und will damit die Arzneimittelforschung voranbringen.
Das Glioblastom gilt als der tödlichste Hirntumor. Die allermeisten Therapien, die gegen diesen Tumor entwickelt wurden, scheitern in klinischen Studien. Ein Grund dafür: Die „Plastizität“ der Tumorzellen, die zwischen verschiedenen Zuständen wechseln und damit der Therapie entgehen können.
Mit dem Projekt SafeCure möchte Moritz Mall, Abteilungsleiter im DKFZ, die Grundlagen für eine völlig neuartige Form der Gentherapie legen: Er will Glioblastomzellen mit dem neuronalen Transkriptionsfaktor MYT1L ausstatten. Dieser Faktor wirkt wie ein Wächter der Zellidentität und hält die Glioblastomzellen in einem stabilen Zustand mit geringer Plastizität, indem er alternative Genprogramme unterdrückt. Dadurch sollen die Krebszellen dauerhaft empfindlich gegenüber Chemo- und Strahlentherapie werden. Mall spricht von einer „Lock-and-Kill“-Strategie: MYT1L sperrt die Zellen in einem verwundbaren Zustand ein, Chemo- und Strahlentherapie töten sie ab.
Damit das per Gentherapie verabreichte MYTL1 ausschließlich in Krebszellen wirkt, haben sich Mall und Kollegen eine weitere Innovation ausgedacht: Per KI konnten sie genetische Verstärkerelemente identifizieren, die nur in den Krebszellen wirken. Das Ziel ist, mit diesen Verstärkern gezielt in Glioblastomzellen die Aktivität von MYTL1 zu steigern.
Die Technologie hinter SaveCure ist durch Patente geschützt. Am Ende des Projekts soll ein investorenreifes präklinisches Paket stehen, das es pharmazeutischen Unternehmen ermöglicht, SaveCure in frühen klinischen Studien an Glioblastompatienten zu erproben.