Engineering von Zellidentitäten und Krankheitsmodellen
Was macht eine Zelle zu dem, was sie ist – und wie bewahrt sie ihre Identität? Wir erforschen, wie Zellidentität entsteht und stabil bleibt und wie ihr Verlust zu Krebs, neurologischen Entwicklungsstörungen und Alterung beiträgt. Wir entschlüsseln die Faktoren der Zellidentität und nutzen sie, um menschliche Zellen gezielt umzuprogrammieren – etwa Blutzellen zu Nervenzellen und Gehirn-Organoiden. So entstehen neue Einblicke und Therapieansätze.
Unsere Forschung
Jede Zelle unseres Körpers trägt dasselbe Erbgut – und doch unterscheiden sich eine Nervenzelle, eine Muskelzelle und eine Leberzelle grundlegend. Die Identität einer Zelle wird von Transkriptionsfaktoren gesteuert. Diese molekularen Hauptschalter aktivieren die richtigen Gene und halten die falschen Gene stumm. Dennoch können Zellen zwischen verschiedenen Zuständen wechseln, eine Eigenschaft, die man zelluläre Plastizität nennt. Sie ist für Entwicklung und Regeneration unverzichtbar. Gerät sie außer Kontrolle, trägt sie jedoch zur Entstehung von Krankheiten bei.
Indem wir untersucht haben, wie sich ein Zelltyp in einen anderen umwandeln lässt, haben wir ein neues Prinzip entdeckt und das Konzept der „Wächter-Repressoren“ eingeführt: Faktoren, die die Genprogramme anderer Zelltypen fortlaufend unterdrücken und so die Identität einer Zelle schützen. In Nervenzellen übernimmt MYT1L diese Rolle: Es blockiert zahlreiche alternative Identitäten, mit Ausnahme der neuronalen. Wir untersuchen, was geschieht, wenn solche Schutzmechanismen versagen: bei Krebs, bei neurologischen Entwicklungsstörungen und im Alter.
“Unsere Mission ist es, die Mechanismen zu verstehen, die die Zellidentität bestimmen und bewahren, um Krankheiten zu modellieren und zu behandeln, die auf unkontrollierter zellulärer Plastizität beruhen.”
Dr. Moritz Mall | Abteilungsleiter
Zelluläre Plastizität im Krebs
Die Herausforderung
Entfesselte zelluläre Plastizität gilt als Kennzeichen des Krebses. Tumorzellen verlieren ihre ursprüngliche Identität, nehmen stammzellähnliche Eigenschaften an und wechseln zwischen verschiedenen Zuständen. Diese Plastizität hilft ihnen zu wachsen und sich der Behandlung zu entziehen. Das Glioblastom, der aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen, und Leberkrebs, eine der weltweit häufigsten Krebstodesursachen, sind dafür Paradebeispiele.
Unser Ansatz
Wir entschlüsseln, wie Wächter-Repressoren Zellen in Schach halten und wie Tumoren sich ihnen entziehen. Wir konnten zeigen, dass die Wiederherstellung solcher Schutzfaktoren das Wachstum und die Wandlungsfähigkeit von Tumoren bremsen kann. Darauf aufbauend verfolgen wir eine „Lock-and-Kill“-Strategie: Krebszellen werden zunächst in einem stabilen, verwundbaren Zustand fixiert und anschließend mit etablierten Therapien wie Chemo- und Strahlentherapie ausgeschaltet.
Ausgewähnte Publikationen
Manu Saraswat, Laura Rueda-Gensini, Elisa Heinzelmann, Tannia Gracia, Fani Memi, Grant de Jong, Jannes Straub, Cedar Schloo, Dirk C. Hoffmann, Erik Jung, Tim Kindinger, Bettina Weigel, Bryce Lim, Sophie Weil, Oliver Gould, Richard Mair, Katharina Mikulik, Martin Rohbeck, Wolfgang Wick, Frank Winkler, Omer Ali Bayraktar, Oliver Stegle, Moritz Mall
Bryce Lim, Aryan Kamal, Borja Gomez Ramos, Juan M. Adrian Segarra, Ignacio L. Ibarra, Lennart Dignas, Tim Kindinger, Kai Volz, Mohammad Rahbari, Nuh Rahbari, Eric Poisel, Kanela Kafetzopoulou, Lio Böse, Marco Breinig, Danijela Heide, Suchira Gallage, Jose E. Barragan Avila, Hendrik Wiethoff, Ivan Berest, Sarah Schnabellehner, Martin Schneider, Jonas Becker, Dominic Helm, Dirk Grimm, Taija Mäkinen, Darjus F. Tschaharganeh, Mathias Heikenwalder, Judith B. Zaugg, and Moritz Mall
Modellierung neurologischer Entwicklungsstörungen
Die Herausforderung
Neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus oder geistige Behinderung betreffen Millionen Menschen und haben sehr vielfältige genetische Ursachen. Lebende Gehirnzellen von Betroffenen sind praktisch unzugänglich, und gezielte Therapien fehlen weitgehend.
Unser Ansatz
Wir erzeugen menschliche Nervenzellen und Gehirn-Organoide aus Stammzellen, darunter von Patientinnen und Patienten stammende sowie gezielt genetisch veränderte Zelllinien, und kombinieren diese mit genetischen Mausmodellen, um zu entschlüsseln, wie Risikogene die Identität und Funktion von Nervenzellen stören. Am Beispiel des MYT1L-Syndroms konnten wir zeigen, dass der Verlust eines neuronalen Wächters zu Nervenzellen mit „verwirrter“ Identität und veränderter Aktivität führt. Einige dieser Veränderungen ließen sich mit einem zugelassenen Medikament umkehren, sogar nach Abschluss der Hirnentwicklung. Ob dies Patientinnen und Patienten hilft, muss noch in klinischen Studien geprüft werden. Diesen Ansatz übertragen wir nun auf weitere Risikogene und Therapiestrategien.
Ausgewählte Publikationen
Bettina Weigel, Jana F. Tegethoff, Sarah D. Grieder, Bryce Lim, Bhuvaneswari Nagarajan, Yu-Chao Liu, Jule Truberg, Dimitris Papageorgiou, Juan M. Adrian-Segarra, Laura K. Schmidt, Janina Kaspar, Eric Poisel, Elisa Heinzelmann, Manu Saraswat, Marleen Christ, Christian Arnold, Ignacio L. Ibarra, Joaquin Campos, Jeroen Krijgsveld, Hannah Monyer, Judith B. Zaugg, Claudio Acuna, and Moritz Mall
Markus Wöhr, Wendy M. Fong, Justyna A. Janas, Moritz Mall, Christian Thome, Madhuri Vangipuram, Lingjun Meng, Thomas C. Südhof, and Marius Wernig
Zelluläre Plastizität und Altern
Die Herausforderung
Die meisten Nervenzellen entstehen vor der Geburt und müssen ihre Identität ein Leben lang bewahren. Mit zunehmendem Alter lassen die Mechanismen nach, die diese Identität schützen, und Zellen können in weniger funktionsfähige Zustände abgleiten. Ein solcher Identitätsverlust wird zunehmend mit dem Altern und mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung gebracht. Ob er Ursache oder Folge des Alterns ist, ist jedoch unbekannt.
Unser Ansatz
Wir untersuchen, ob neuronale Wächter wie MYT1L im Alter schwächer werden und ob der daraus resultierende Identitätsverlust die Nervenzellalterung vorantreibt. Außerdem erforschen wir, ob sich alternde Nervenzellen durch eine Stärkung ihrer Zellidentität gesund erhalten lassen – als Alternative zu Verjüngungsstrategien, die die Zellidentität vorübergehend lockern.
Ausgewählte Publikationen
Moritz Mall, Michael S. Kareta, Soham Chanda, Henrik Ahlenius, Nicholas Perotti, Bo Zhou, Sarah D. Grieder, Xuecai Ge, Sienna Drake, Cheen Euong Ang, Brandon M. Walker, Thomas Vierbuchen, Daniel R. Fuentes, Philip Brennecke, Kazuhiro R. Nitta, Arttu Jolma, Lars M. Steinmetz, Jussi Taipale, Thomas C. Südhof, and Marius Wernig
Unser Team
Wir sind ein internationales Team, das Stammzellbiologie, molekulare Neurobiologie, Cancer Neuroscience und computergestützte Biologie verbindet. Gute Wissenschaft entsteht für uns im Austausch: Wir arbeiten eng mit interdisziplinären Partnern am DKFZ, in Heidelberg und darüber hinaus zusammen und teilen unsere Methoden und Protokolle offen.
Zu unseren Methoden zählen zelluläre Reprogrammierung, aus Stammzellen gewonnene menschliche Nervenzellen und Gehirn-Organoide, konditionale Mausmodelle, Chromatin-Analysen, Einzelzell Multi-omics und Messungen elektrischer Netzwerkaktivität.
Die Förderung junger Forschender steht für uns im Mittelpunkt. Interesse? Promovierende bewerben sich über das Internationale PhD-Programm des DKFZ, Postdocs über das Internationale Postdoc-Programm oder direkt bei Moritz Mall.
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Dr. Moritz Mall
Abteilungsleiter
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Dr. Tosca Dalessi
Postdoktorandin
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Lennart Dignas
Masterstudent
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Güniz Göze Eren
Postdoktorandin
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Tim Kindinger
Labormanager
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Dylan Knopf
Auszubildender
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Louis Masclef
Postdoktorand
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Laura Rueda Gensini
PhD-Studentin
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Nathan Trausch
PhD-Student
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Jule Truberg
PhD-Studentin
Ausgewählte Publikationen und Preprints
Manu Saraswat, Laura Rueda-Gensini, Elisa Heinzelmann, Tannia Gracia, Fani Memi, Grant de Jong, Jannes Straub, Cedar Schloo, Dirk C. Hoffmann, Erik Jung, Tim Kindinger, Bettina Weigel, Bryce Lim, Sophie Weil, Oliver Gould, Richard Mair, Katharina Mikulik, Martin Rohbeck, Wolfgang Wick, Frank Winkler, Omer Ali Bayraktar, Oliver Stegle, Moritz Mall
B. Lim*, A. Kamal*, B. Gomez Ramos, J.M. Adrian-Segarra, I.L. Ibarra, L. Dignas, T. Kindinger, K. Volz, M. Rahbari, N. Rahbari, E. Poisel, K. Kafetzopoulou, L. Böse, M. Breinig, D. Heide, S. Gallage, J.E. Avila, H. Wiethoff, I. Berest, S. Schnabellehner, M. Schneider, J. Becker, D. Helm, D. Grimm. T. Mäkinen, D. Tscharhaganeh, M. Heikenwälder, J.B. Zaugg✉, M. Mall✉
* equal contribution ✉ correspondence
B. Weigel*, J.F. Tegethoff*, S.D. Grieder, B. Lim, B. Nagarajan, Y.C. Liu, J. Truberg, D. Papageorgiou, J.M. Adrian-Segarra, L. Schmidt, J. Kaspar, E. Poisel, E. Heinzelmann, M. Saraswat, M. Christ, C. Arnold, I.L. Ibarra, J. Campos, J. Krijgsveld, H. Monyer, J.B. Zaugg, C. Acuna, M. Mall✉
* equal contribution ✉ correspondence
M. Mall, M.S. Kareta, S. Chanda, H. Ahlenius, N. Perotti, B. Zhou, S.D. Grieder, X. Ge, S. Drake, C.E. Ang, B.M. Walker, T. Vierbuchen, D.R. Fuentes, P. Brennecke, K.R. Nitta, A. Jolma, J. Taipale, L.M. Steinmetz, T.C. Südhof, M. Wernig
Aus der Abteilung Mall
Pressemitteilungen, Auszeichnungen und Berichterstattung über unsere Forschung.
Mehr erfahrenEine Auswahl wissenschaftlicher Vorträge, Interviews und Gastbeiträge unserer Abteilung.
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Seit unserer Gründung im Jahr 2018 als Nachwuchsgruppe haben zahlreiche Wissenschaftler:innen, Studierende und Mitarbeitende unser Team geprägt. Ihr Engagement hat maßgeblich zu den wissenschaftlichen Erfolgen unserer Gruppe und ihrer Weiterentwicklung zur Abteilung im Jahr 2026 beigetragen. Auf dieser Seite finden Sie alle ehemaligen Mitglieder unserer Arbeitsgruppe sowie ihre jeweilige Funktion während ihrer Zeit bei uns.
Offene Stellen
Unsere Arbeitsgruppe ist stets auf der Suche nach motivierten Wissenschaftler:innen und bietet Positionen auf verschiedenen Karrierestufen an.
Postdoktorand:innen: Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per E-Mail an Dr. Moritz Mall und fügen Sie ein Anschreiben, in dem Sie Ihr Forschungsinteresse darlegen, Ihren Lebenslauf mit einer vollständigen Publikationsliste sowie die Kontaktdaten von 3 Referenzen bei. Besuchen Sie ferner die Seite des International Postdoc Program at the DKFZ.
PhD-Student:innen: Bitte bewerben Sie sich über das Internationale Doktorandenprogramm des DKFZ und senden Sie Ihre Bewerbung auch direkt an Dr. Moritz Mall.
Masterstudent:innen: Bitte bewerben Sie sich direkt bei Dr. Moritz Mall.
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