Hintergrund

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Der Zigarettenkonsum stellt in den Industrieländern das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit dar. Sowohl die Krankheitsbelastung durch Zigarettenkonsum als auch dessen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit sind in ihrem Ausmaß historisch beispiellos. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich vier Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen des Zigarettenkonsums. Allein in Deutschland sterben pro Jahr 110.000 bis 140.000 Menschen an tabakbedingten Krankheiten. Um dem Problem der Tabakepidemie angemessen begegnen zu können, errichtete die WHO weltweit Kollaborationszentren für Tabakkontrolle. Das im Jahr 2002 gegründete Heidelberger Zentrum ist Teil eines WHO-Netzwerkes, das bisher zwölf WHO-Zentren umfasst und auf 25 ausgebaut werden soll. Das WHO-Kollaborationszentrum in Heidelberg ist neben dem in Bilthoven und Warschau das dritte in der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation.

Funktionen

  • Evaluationsfunktion: Überprüfung wissenschaftlicher Ergebnisse zur Tabakprävention und Tabakkontrolle auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich einer Verminderung des Tabakkonsums.
  • Bewertungsfunktion: Aufbereitung und Zusammenführung neuester Forschungsergebnisse in Publikationen und auf der eigenen regelmäßig aktualisierten Website.
  • Monitoringfunktion: Erfassung der Tabakkontrollmaßnahmen und ihrer Wirkung in Deutschland.
  • Informationsfunktion: Bereitstellung von wissenschaftlichen Ergebnissen und Erkenntnissen zu allen Bereichen der Tabakkontrolle.
  • Beratungsfunktion: Erarbeitung von Empfehlungen für politische Entscheidungsträger auf der Basis gebündelten Wissens und neuester Erkenntnisse.
  • Überzeugungsfunktion (Advocacy): Kommunikation mit Entscheidungsträgern und Multiplikatoren.
  • Ausbildungsfunktion: Durchführung regelmäßiger Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen in der Tabakprävention und Tabakkontrolle für Gesundheitsberufe, Journalisten und Politiker.
  • Netzwerkfunktion: Mitarbeit in nationalen und internationalen Arbeitsgruppen, um den Transfer von Wissen und Erfahrung sowohl im deutschsprachigen als auch im englischsprachigen Bereich schneller verfügbar zu machen.

Zielsetzung

Das Heidelberger WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle wurde gegründet mit der Zielsetzung, einen spürbaren Beitrag zu nationalen und internationalen Bemühungen um die Verringerung des Tabakkonsums zu leisten. Kernarbeitsgebiete sind die Bereitstellung von Wissen und Erkenntnissen über das Ausmaß des Tabakkonsums, Herausstellung tabakbedingter gesundheitlicher und ökonomischer Konsequenzen sowie die Erarbeitung wirksamkeitsüberprüfter Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums. Besonderer Wert wird auf die Kommunikation mit Entscheidungsträgern aus Politik, Medien und Gesundheitsberufen gelegt.

Arbeitsschwerpunkte 2002 bis 2017

  • Erarbeitung von Leitlinien, Empfehlungen und Fachmaterialien zur Umsetzung des Rahmenabkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (WHO Framework Convention on Tobacco Control, FCTC) und insbesondere die Entwicklung von Leitlinien zur Umsetzung von Artikel 12 WHO-FCTC (Aufklärung, Information, Schulung)
  • Unterstützung der Arbeit des WHO-Regionalbüros für Europa im Rahmen seiner bilateralen Kooperationsvereinbarungen mit den Ländern Mittel- und Osteuropa sowie der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten im Bereich der Eindämmung des Tabakgebrauchs
  • Unterstützung von Aktionen zum Weltnichtrauchertag
  • Unterstützung bei der Entwicklung eines Nationalen Tabakpräventionsprogramms für Deutschland in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der WHO und der WHO-FCTC
  • Bewertung von Konzepten zur Eindämmung des Tabakgebrauchs in Deutschland
  • Unterstützung der WHO bei der Entwicklung eines geschlechtergerechten Programms zur Eindämmung des Tabakgebrauchs
  • Unterstützung des European Network of Quitlines bei der Identifizierung vorhandener beispielhafter Praktiken für einen Rauchverzicht und den besten Angeboten und Telefondiensten in diesem Bereich
  • Analyse der erlaubten Zusatzstoffe und Erarbeitung von gesundheitlich ausgerichteten Empfehlungen für Produktvorschriften
  • Durchführung nationaler und internationaler Konferenzen
  • Unterstützung deutschsprachiger Länder bei der Eindämmung des Tabakgebrauchs durch die Webseite des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle

Struktur und Finanzierung

Das Heidelberger WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle ist im Deutschen Krebsforschungszentrum angesiedelt und eng mit der Stabsstelle Krebsprävention verbunden. Unter medizinischer Leitung arbeiten über zehn hauptamtliche und weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Finanzierung erfolgt durch das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Bundesministerium für Gesundheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, durch Drittmittel, Spenden und durch Fortbildungsveranstaltungen. Finanzielle Zuwendungen durch die Tabakindustrie werden abgelehnt, denn es besteht im Deutschen Krebsforschungszentrum für alle Abteilungen ein „Ethischer Kodex“ zur Ablehnung von Tabakindustriegeldern.

Deutsches Krebsforschungszentrum
Stabsstelle Krebsprävention
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle
Abteilungsleitung:
Dr. sc. hum. Ute Mons
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
Tel.: 06221-423008
Fax : 06221-423020
E-Mail: who-cc@dkfz.de

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