Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Zweite Pandemiewelle trifft Krebspatienten hart

Krebsinstitutionen richten dringenden Appell an die Bevölkerung

Nr. 79 | 14.12.2020

Die Covid-19-Pandemie bringt die Kliniken in Deutschland an die Belastungsgrenze. Die Versorgung von Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs ist dadurch deutlich beeinträchtigt. Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren. Die Corona Task Force von Deutscher Krebshilfe, dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) warnt davor, dass ein weiteres Ansteigen der Corona-Neuinfektionen zu bedrohlichen Situationen für Krebspatienten führen kann und richtet einen Appell an die Bevölkerung: Wer sich vor Infektionen schützt, schützt auch Krebspatienten und Menschen mit anderen schweren Erkrankungen.
Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft

© Adobe Stock

Bereits mit dem Beginn der Corona-Pandemie hatten die Deutsche Krebshilfe, das DKFZ und die DKG eine Task Force eingerichtet, um die Versorgungssituation von Krebspatienten zu beobachten und zu analysieren.

Aktuelle Erhebungen der Task Force sowie zahlreiche Meldungen deutscher Kliniken zeichnen ein äußerst besorgniserregendes Bild. Professor Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, fasst zusammen: „Die Situation an den Kliniken wird täglich enger: Wir haben anhaltend hohe Infektionszahlen, aber nur eine begrenzte Zahl an Intensivbetten. Quarantänemaßnahmen dünnen die ohnehin knappe Personaldecke weiter aus. Bei einer weiteren Verschärfung kann eine Versorgung aller schwerkranken Menschen nicht mehr gewährleistet werden – dazu zählen insbesondere die 1400 Patienten, die Tag für Tag neu an Krebs erkranken."

Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, hält die aktuelle Lage für dramatisch. Die Situation an den Kliniken sei wesentlich angespannter als während der ersten akuten Phase der Pandemie. „Es geht jetzt darum, dass alle kranken Menschen gut versorgt werden. Hierfür derzeit zusätzliche Versorgungsressourcen zu schaffen, ist jedoch unrealistisch." Für Nettekoven bleibt nur der Appell an die Bevölkerung, die von der Politik festgelegten Corona-Schutzmaßnahmen unbedingt ernst zu nehmen und einzuhalten, damit sich möglichst wenige Menschen mit dem Virus infizieren und sich die Zahl der Neuinfektionen schnell verringert. „Das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren, ist jetzt nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch unserer Gesellschaft – nicht zuletzt im Sinne der vielen Krebspatienten in unserem Land, die alle gut versorgt werden müssen", so Nettekoven.

Der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Professor Dr. Thomas Seufferlein, ist ebenfalls besorgt. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass durch die hohe Auslastung vieler Kliniken nicht nur die Versorgung von Menschen mit einer Corona-Infektion gefährdet ist, sondern auch die Versorgung vieler anderer schwerwiegender Erkrankungen. Angesichts der 510.000 Menschen, die in Deutschland jährlich neu an Krebs erkranken, befürworten wir die strengeren Kontaktbeschränkungen, die gestern von der Politik beschlossen wurden."

Die Analyse der Task Force erfolgte auf der Grundlage regelmäßiger systematischer Befragungen von 18 großen deutschen universitären Krebszentren, aber auch von einigen nicht-universitären Krebskliniken. Darüber hinaus gingen Patientenrückmeldungen über die Krebsinformationsdienste des DKFZ (KID) und der Deutschen Krebshilfe (INFONETZ KREBS) in die Auswertung ein. Ziel der Task Force: Versorgungsengpässe und -einschränkungen frühzeitig zu erkennen und den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern zu suchen. Die Task Force stellte bereits im Frühjahr ein angespanntes Versorgungssystem fest. Die Ergebnisse der Befragungen über die ersten fünf Monate der Pandemie wurden kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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