Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Corona-Pandemie: ein guter Grund mehr für einen Rauchstopp

Nr. 22 | 07.04.2020 | von Mon

Ein Rauchstopp lohnt sich immer, selbst im hohen Alter. Die aktuelle COVID-19-Epidemie könnte eine zusätzliche Motivation sein, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn aktuellen Daten aus China zufolge leiden Patienten, die mit schwerem COVID-19-Krankheitsverlauf ins Krankenhaus kommen, oftmals an Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD), Krebs – alle diese Erkrankungen sind oftmals eine Folge des Rauchens.

© DKFZ

Eine Übersichtsarbeit, die die Beobachtungen aus fünf Studien aus China zusammenführt, kommt zu dem Schluss, dass das Rauchen bei den dort einbezogenen Patienten wahrscheinlich mit einem schwereren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung und mit einem erhöhten Risiko, infolge der Erkrankung zu sterben, in Zusammenhang steht.

Doch noch ist die Datenlage begrenzt und eine verlässliche Aussage schwierig. „Ein solcher Zusammenhang ist aber plausibel, denn auch bei Infektionen mit dem Grippevirus haben Studien gezeigt, dass Raucher anfälliger für schwerere Krankheitsverläufe sind. Auch ist das Rauchen ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, COPD und Krebs, die wiederum mit einem schweren COVID-19-Krankheitsverlauf in Zusammenhang stehen", so Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Die gute Nachricht ist, dass ein Rauchstopp umgekehrt die Risiken für die negativen gesundheitlichen Folgen des Rauchens wieder deutlich reduziert. Insbesondere das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert sich sehr schnell, dies betont ein aktueller Bericht der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde zu den gesundheitlichen Vorteilen eines Rauchstopps. Mit dem Rauchen aufzuhören senkt demnach nicht nur das Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken, sondern ist auch die wirksamste Maßnahme, um den Verlauf einer COPD zu verlangsamen.

Insbesondere Raucher, die bereits an einer tabakbedingten Folgeerkrankung wie Krebs, Bluthockdruck, einer Herz- oder Atemwegserkrankung leiden, sollten daher die aktuell große Gefahr, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, zum Anlass nehmen, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch wenn schnelle, gesundheitlich positive Effekte in erster Linie hinsichtlich des Herz-Kreislaufsystems zu erwarten sind, lohnt sich der Rauchstopp in jedem Fall, weil sich dadurch auch der allgemeine Gesundheitszustand und die körperliche Fitness verbessern.

Dabei sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass es in der aktuellen Lage schwieriger ist, sich beim Rauchstopp professionell unterstützen zu lassen. „Da in der derzeitigen Situation persönliche Beratungen von Angesicht zu Angesicht oder Gruppenkurse zur Rauchentwöhnung nicht in Frage kommen, können Raucher und Raucherinnen momentan auf telefonische und Online-Angebote zurückgreifen", so Ute Mons. Professionelle Unterstützung bietet zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit ihrem Online-Angebot (www.rauchfrei-info.de) und ihrem Beratungstelefon zur Rauchentwöhnung. Auch viele Krankenkassen geben Hinweise hinsichtlich qualitätsgesicherten Online-Programmen zum Rauchstopp.

Verwendete Studien:
BMJ. 2020 Mar 26;368:m1198. doi: 10.1136/bmj.m1198.
Covid-19: risk factors for severe disease and death.
Jordan RE1, Adab P2, Cheng KK2.

Arch Acad Emerg Med. 2020 Mar 24;8(1):e35. eCollection 2020.
Prevalence of Underlying Diseases in Hospitalized Patients with COVID-19: a Systematic Review and Meta-Analysis.
Emami A1, Javanmardi F1, Pirbonyeh N1, Akbari A2.

Eur Respir J. 2020 Mar 26. pii: 2000547. doi: 10.1183/13993003.00547-2020. [Epub ahead of print]
Comorbidity and its impact on 1590 patients with Covid-19 in China: A Nationwide Analysis.
Guan WJ1,2, Liang WH3,2, Zhao Y3,2, Liang HR3,2, Chen ZS3,4,2, Li YM5, Liu XQ5, Chen RC1, Tang CL1, Wang T1, Ou CQ6, Li L6, Chen PY6, Sang L5, Wang W3, Li JF3, Li CC3, Ou LM3, Cheng B3, Xiong S3, Ni ZY7, Xiang J7, Hu Y8, Liu L9,10, Shan H11, Lei CL12, Peng YX13, Wei L14, Liu Y15, Hu YH16, Peng P17, Wang JM18, Liu JY19, Chen Z20, Li G21, Zheng ZJ22, Qiu SQ23, Luo J24, Ye CJ25, Zhu SY26, Cheng LL1, Ye F1, Li SY1, Zheng JP1, Zhang NF1, Zhong NS1, He JX3; China Medical Treatment Expert Group for Covid-19.

Tob Induc Dis. 2020 Mar 20;18:20. doi: 10.18332/tid/119324. eCollection 2020.
COVID-19 and smoking: A systematic review of the evidence.
Vardavas CI1,2, Nikitara K2

U.S. Department of Health and Human Services. Smoking Cessation. A Report of the Surgeon General. Atlanta, GA: U.S. Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion, Office on Smoking and Health, 2020.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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