Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Maßgeschneiderte Viren für eine bessere Krebstherapie

Nr. 23 | 02.05.2017 | von Koh

Eine Krebs-Virustherapie der zweiten Generation wollen die Wissenschaftler der neuen binationalen Forschungseinheit entwickeln, die am 2. Mai in Luxemburg offiziell eingeweiht wird. Die beiden Partner sind das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg und das Luxembourg Institute of Health. Die Forscher planen ein Verfahren, das die Vorteile tumorabtötender Viren mit denen der Gentherapie kombiniert. So sollen unter anderem bösartige Hirntumoren wirksamer behandelt werden.

Computergenerierte Darstellung eines Parvovirus
© Antonio Marchini, DKFZ

Mit Viren gegen Krebs haben Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) jahrzehntelange Erfahrung: DKFZ-Forscher erkannten erstmals das krebsabtötende Potential von Parvoviren, die eigentlich Nagetiere befallen und beim Menschen keinerlei Krankheitssymptome auslösen. Eine im DKFZ entwickelte Parvovirus-Therapie wurde bereits in einer klinischen Studie zur Behandlung des fortgeschrittenen Glioblastoms, einem sehr aggressiven Hirntumor, geprüft – mit vielversprechenden Resultaten. In der neu gegründeten binationalen Forschungseinheit „Laboratory of Oncolytic Virus Immuno-Therapeutics", kurz LOVIT, soll dieses Therapiekonzept nun weiterentwickelt und ausgeweitet werden.

„Als erstes müssen wir den therapeutischen Effekt der Viren noch weiter verbessern, vor allem, um zu verhindern, dass der Krebs nach zunächst erfolgreicher Behandlung zurückkehrt. Die Strategie, die wir dafür entwickelt haben, ist die Fusion von zwei verschiedenen Viren, die jeweils unterschiedliche Vorteile mitbringen: „Die Adenoviren mit ihrem großen Erbgut sind dazu geeignet, therapeutische Gene zu transportieren, die beispielsweise die Immunantwort gegen den Krebs ankurbeln. Die Parvoviren infizieren Krebszellen und töten sie ab", sagt Antonio Marchini vom DKFZ, Leiter von LOVIT. „Damit planen wir eine Krebs-Virustherapie der zweiten Generation, die Gen- und Immuntherapie mit einschließt."

„Mit unseren Partnern vom Luxembourg Institute of Health werden wir uns stark dafür engagieren, die neuen Therapiekonzepte so schnell wie möglich in klinischen Studien zu erproben. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, den medizinischen Fortschritt voranzubringen", sagt Michael Baumann, der Vorstandvorsitzende des DKFZ. „Kooperationen über Landesgrenzen gelten gerade in der Krebsforschung als ideale Möglichkeit, um aussagekräftigen Studien auf den Weg zu bringen."

Mit ersten Arbeiten haben die DKFZ-Virologen bereits belegt, dass die Chimären aus Adeno- und Parvoviren Krebszellen infizieren und abtöten können. Nun soll das therapeutische Potential der Virus-Chimären weiter erforscht werden. Die Luxemburger Partner unter der Leitung von Simone Niclou bringen dazu ihre umfangreiche Erfahrung mit der präklinischen Erprobung von Hirntumor-Therapien mit ein. Neben Glioblastomen wollen die Wissenschaftler auch den ebenfalls aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs ins Visier nehmen.

LOVIT wird sowohl in Luxemburg als auch in Heidelberg Labore unterhalten und zunächst mit acht Mitarbeitern an den Start gehen. Die Forschungseinheit wird finanziert vom Luxembourg Institute of Health, vom DKFZ sowie von der Luxemburger Krebsstiftung „Fondation Cancer".

Ein Bild zur Pressemitteilung steht zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Parvovirus.jpg

BU: Computergenerierte Darstellung eines Parvovirus

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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