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Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Bessere Strahlentherapie für die Dritte Welt

Nr. 43 | 03.09.2012 | von Koh

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Precisis AG stellen gemeinsam den Prototyp einer mechanischen Strahlenblende vor, die erstmalig ermöglicht, mit den in der Dritten Welt verbreiteten Kobalt-Geräten Krebs präzise zu bestrahlen. Die Blende passt das Strahlenfeld exakt an die Tumorform an und sorgt so dafür, dass das umgebende gesunde Gewebe geschont wird.

© dkfz.de

In Deutschland wie in anderen entwickelten Industrieländern ist Strahlentherapie Hightech: Die Strahlen werden von einem Linearbeschleuniger erzeugt, der sich mit höchster Präzision um den Patienten bewegt. Spezielle Software sorgt für die richtige Strahlendosis und computergesteuerte Blendensysteme passen das Strahlenfeld automatisch der Tumorkontur an.

Die teuren Linearbeschleuniger benötigen jedoch zuverlässige Stromversorgung und tolerieren keine Spannungsschwankungen. Daher können sie in der Dritten Welt oft nicht betrieben werden. Stattdessen behandeln dort viele Kliniken Krebspatienten mit einer so genannten „Kobaltkanone“, wobei das radioaktive Element 60Kobalt die Strahlung abgibt. Diese Geräte generieren Strahlenfelder mit verhältnismäßig großem, unvariablem Querschnitt, der bislang nicht der Tumorform angepasst werden konnte.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Precisis AG stellten nun auf dem Medizinphysiker-Kongress AAPM in Charlotte, USA, den Prototyp einer mechanischen Strahlenblende vor, die erstmals ermöglicht, auch mit Kobalt-Geräten den Strahl präzise an die Tumorform anzupassen. CobRaLeaf*, so der Name der Blende, besteht aus vielen engstehenden, verschiebbaren Metalllamellen und kann an die vorhandenen Kobalt-Geräte angebracht werden. Die Lamellen formen ein Strahlenfenster, das exakt dem Zielgebiet angepasst ist. Das Ziel jeder Präzisionsbestrahlung von Krebs ist es, eine möglichst hohe Strahlendosis auf den Tumor zu lenken und das umgebende, gesunde Gewebe bestmöglich abzuschirmen.

„Bisher standen solche Strahlenblenden nur für Linearbeschleuniger zur Verfügung“, sagt Prof. Wolfgang Schlegel im Deutschen Krebsforschungszentrum. „Bei CobRaLeaf wird die Form der Lamellen von Hand eingestellt. Aber im Vergleich zu den rechteckigen Strahlenfeldern, mit denen vorher gearbeitet wurde, ist das ein sehr großer Fortschritt.“

„Fortschritt in der Medizin muss nicht zwangsläufig teuer sein. Im Gegenteil, der flächendeckende Einsatz von wirtschaftlich vernünftigen Therapiegeräten könnte mehr Leben retten als die lediglich punktuell verfügbaren High-End-Geräte“, sagt Dr. Angela Liedler, Vorstand der Precisis AG. Etwa 2000 Kliniken in der Dritten Welt arbeiten mit 60Kobalt-Geräten und könnten von CobRaLeaf profitieren. Die Blende soll von 2013 an in Serie gefertigt werden.

*CobRa steht für Cobalt und Radiation; Leaf steht für Lamelle

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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