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Baden-Württemberg fördert Entwicklung innovativer Radiopharmaka

Nr. 43c | 05.08.2022

Die Abteilung Radiopharmakaentwicklung des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Partnerstandort Freiburg und das Freiburger Biotec-Unternehmen 4HF starten eine enge Zusammenarbeit im Bereich innovativer nuklearmedizinischer Therapiekonzepte. Das Förderprogramm Invest BW unter Federführung des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg unterstützt dieses Vorhaben mit Drittmitteln in Höhe von 1,6 Millionen Euro.
Im DKTK verbindet sich das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg als Kernzentrum langfristig mit onkologisch besonders ausgewiesenen universitären Partnerstandorten in Deutschland.

Innovative Radiopharmaka koppeln radioaktive Substanzen gezielt an spezifische Oberflächenmoleküle einer Krebszelle.
© Adobe Stock

In den kommenden Jahren wollen die Forscherinnen und Forscher der DKTK-Abteilung Radiopharmakaentwicklung unter der Leitung von Matthias Eder gemeinsam mit 4HF innovative neue Wirkstoffe für die nuklearmedizinische Behandlung von Lungen- und Prostatakarzinomen identifizieren. Die Präparate sollen dann über Infrastrukturen des DKTK und der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Freiburg bis hin zur klinischen Anwendung entwickelt werden.

Ziel der Zusammenarbeit sind neue nuklearmedizinische Behandlungskonzepte für die personalisierte onkologische Therapie verschiedener Tumorarten. Insbesondere konzentrieren sich die Forscher auf metastasierten Prostatakrebs und kleinzellige Lungenkarzinome, die nach initialem Ansprechen fast ausnahmslos eine Resistenz auf die Standardtherapie entwickeln. Für die betroffenen Patientinnen und Patienten gibt es danach nur wenige weitere Behandlungsoptionen - die häufig rasch ausgeschöpft sind.

Die in dem Verbundprojekt zusammengeschlossenen Forscher wollen Patienten eine relativ gut verträgliche, lebensverlängernde Therapie zur Verfügung stellen. Dass der Ansatz erfolgreich sein kann, wurde kürzlich erst durch den Radioliganden PSMA-617 gezeigt, der nach einer inzwischen abgeschlossenen klinischen Phase III Studie austherapierten Patienten mit PSMA-positivem Prostatakarzinom wieder eine sehr vielversprechende Behandlungsoption bietet.

Das Ziel der Freiburger ist es, hochspezifische tumorselektive Toxine bzw. Radioliganden zu entwickeln, die gezielt den Tumor, aber nicht das Normalgewebe angreifen und deshalb weniger Nebenwirkungen verursachen als die klassische Chemotherapie.

Dazu gilt es zunächst, neue tumorspezifische Zielstrukturen zu identifizieren. Im nächsten Schritt suchen die Forscher nach spezifischen Bindungspartnern (Liganden) für diese Zielstrukturen, die möglichst an keine anderen Proteine binden. Schließlich werden die Liganden entweder mit einem Toxin gekoppelt oder einem Molekül, dass die Bindung radioaktiver Isotope erlaubt.

Das Freiburger Biotec-Unternehmen 4HF ergänzt mit seiner innovativen Plattform zur Identifizierung neuer Tumorzielstrukturen hervorragend die translationale Entwicklungsschiene der Abteilung Radiopharmakaentwicklung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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