Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Beijerick Virology Preis für Ralf Bartenschlager

Nr. 03c2 | 29.01.2021

Die Königlich niederländische Akademie der Künste und Wissenschaft ehrt den Heidelberger Virologen für seine wegweisende Forschung zu Hepatitis C

Ralf Bartenschlager
© DKFZ/Schwerdt

Ralf Bartenschlager, Virologe am Universitätsklinikum Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum, hat für seine bahnbrechende Forschung am Hepatitis C-Virus erneut eine hohe internationale Auszeichnung erhalten: Die Königlich niederländische Akademie der Künste und Wissenschaften verleiht dem Heidelberger Wissenschaftler den „M.W. Beijerinck Virology Preis" für seinen Beitrag im Kampf gegen die weitverbreitete Infektionserkrankung. Den mit 35.000 Euro dotierten Preis nebst Medaille wird er am 5. März 2021 beim niederländischen Annual Virology Symposium, das als digitales Forum veranstaltet wird, entgegennehmen. Die Akademie verleiht den Preis, der nach Martinus Willem Beijerinck, einem niederländischen Naturwissenschaftler und Pionier der Mikrobiologie benannt ist, alle zwei Jahre an international führende Köpfe der Virologie.

Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten gegen Hepatitis C

Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie, Universitätsklinikum Heidelberg, und Sprecher des Schwerpunkts „Infektionen, Entzündungen und Krebs", Deutsches Krebsforschungszentrum, schuf mit seiner Arbeit die Basis für die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Hepatitis C: Es gelang ihm erstmals, Hepatitis-C-Viren in Zellkulturen reproduzierbar zu vermehren. Seitdem verwenden Wissenschaftler weltweit das von ihm entwickelte Vermehrungssystem zur weiteren Erforschung des Erregers und für Wirkstofftests. Das Vermehrungssystem, zusammen mit seinen Entdeckungen zu den molekularen Eigenschaften und zum Vermehrungszyklus des Hepatitis C-Virus, hat die erfolgreiche Behandlung der chronischen Leberinfektion überhaupt erst ermöglicht. Das erste Medikament gegen Hepatitis C wurde 2014 zugelassen, inzwischen führt die Therapie bei 95 Prozent der Patienten zu einer vollständigen Heilung der Infektion.

Neben Hepatitis-Viren erforscht Bartenschlager mit seinem Team mit modernsten Bildgebungstechniken die Vermehrung weiterer Erreger wie der Coronaviren, die Wechselwirkung zwischen Viren und der körpereigenen Abwehr, die Wirkmechanismen antiviraler Therapien sowie die Entstehung von Therapieresistenzen.

Über die wissenschaftliche Leistung hinaus lobte die Jury den renommierten Virologen „als eine Quelle der Inspiration" für Nachwuchswissenschaftler. Er berät und betreut Studierende unter anderem in den von ihm ins Leben gerufenen und koordinierten Studienprogrammen.

Ohne Impfung noch nicht am Ziel

Am Ziel sieht sich der Virologe dennoch nicht: „Die chronische Hepatitis C ist eine schleichende, häufig unbemerkte Krankheit, die unbehandelt zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann. Es wird daher dringend noch ein Impfstoff zum Schutz vor der Infektion benötigt, wenn man das Ziel der globalen Ausrottung des Virus erreichen will", sagt Bartenschlager. Weltweit sind etwa 75 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert.

Ralf Bartenschlager begann seine wissenschaftlichen Arbeiten am Hepatitis C-Virus 1993 bei Hoffmann-La Roche in Basel, Schweiz. Seit 2002 leitet er am Universitätsklinikum Heidelberg die Abteilung für Molekulare Virologie, seit 2014 parallel dazu die Abteilung „Virus-assoziierte Karzinogenese" am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und ist Sprecher des dortigen Forschungsschwerpunkts „Infektion, Entzündung und Krebs". Für seine Hepatitis-Forschung hat er bereits mehrere hochrangige Auszeichnungen erhalten, darunter den Lautenschläger-Forschungspreis, den Robert-Koch-Preis, den Lasker~DeBakey Clinical Medical Research Award sowie den thailändischen Prince Mahidol Award. Er ist außerdem Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereiches (SFB/Transregio 179) „Determinanten und Dynamik der Elimination versus Persistenz bei Hepatitis-Virus-Infektionen" und Präsident der Gesellschaft für Virologie.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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