Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutscher Immunologie-Preis an Hans-Reimer Rodewald

Nr. 40a | 28.09.2016 | von Koh

Für seine wegweisenden Arbeiten verleiht die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) den Deutschen Immunologie-Preis 2016 an Hans-Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Rodewalds Forschung dreht sich um die Frage, wie sich die verschiedenen Arten von Immunzellen aus Stammzellen entwickeln und zusammen ein funktionsfähiges Abwehrsystem bilden. Er nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis bei der Jahrestagung der DGfI in Hamburg entgegen.

Hans-Reimer Rodewald
© Jutta Jung/DKFZ

Mit seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen zählt Hans-Reimer Rodewald schon seit vielen Jahren zu den führenden Immunologen weltweit. Im Fokus seiner Forschung steht die Frage, wie sich verschiedene Immunzellen im Körper aus Stammzellen entwickeln, um ein funktionsfähiges Immunsystems zu bilden und zu erhalten. Die Herkunft der vielen verschiedenen Typen von Abwehrzellen bestimmt letztlich ihre Funktion. „Es fällt schwer, aus der Fülle der Pionierarbeiten von Hans-Reimer Rodewald einzelne Meilensteine hervorzuheben", so Jürgen Wienands, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Michael Boutros, der kommissarische Wissenschaftliche Vorstand des DKFZ, freut sich: „Wir gratulieren Hans-Reimar Rodewald sehr herzlich zu der herausragenden Auszeichnung, die er im höchsten Maße verdient. Wir sind seit langem schon beeindruckt von den in seinem Labor erzielten wegweisende Ergebnissen in der immunologischen Forschung."

Für besonderes Aufsehen in der Fachwelt sorgte die Entdeckung eines Zellstadiums, aus dem sich die sogenannten Mastzellen entwickeln, eine immer noch rätselhafte Art von Immunzellen, die an vielen allergischen Reaktionen beteiligt ist. Lange hatte die Wissenschaft die Vorläufer-Mastzelle vergeblich gesucht. Ebenso bedeutsam war die Entschlüsselung von Signalnetzwerken, die die Entwicklung von T-Lymphozyten im Thymus steuern. Diese bahnbrechenden Arbeiten führten nicht nur zu einem besseren Verständnis darüber, wie sich Blutzellen aus Stammzellen entwickeln (Hämatopoiese), sondern lieferten auch neue und unerwartete Erkenntnisse darüber, wie T-Zell-Leukämien entstehen. In seinen jüngsten Arbeiten ist es Rodewald sogar gelungen, die Entwicklung der Blutzellen durch den geschickten Einsatz von fluoreszierenden Farbstoffen sichtbar zu machen, die sich nach Bedarf „einschalten" lassen.

Nicht überraschend haben schon jetzt die Entdeckungen von Rodewald Eingang in die Lehrbücher der Immunologie gefunden. „Die bahnbrechenden Arbeiten aus dem Rodewald-Labor basieren auf wissenschaftlichem Scharfsinn und experimentell-methodischer Exzellenz, die wegweisend auch für andere Wissenschaftszweige ist", urteilt Jürgen Wienands, und fügt hinzu, dass „mit Hans-Reimer Rodewald ein Vorbild für den wissenschaftlichen Nachwuchs geehrt wird."

Im Anschluss an sein Studium der Veterinärmedizin in Hannover wurde Rodewald am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg promoviert. Danach forschte er als Postdoc am Massachusetts Institute of Technology und am Dana Farber Cancer Institute der Harvard Medical School. Von 1992 bis 1999 war Rodewald Mitglied des Basel Instituts für Immunologie und übernahm anschließend den Lehrstuhl für Immunologie der Universität Ulm. Seit 2010 leitet er die Abteilung Zelluläre Immunologie im Deutschen Krebsforschungszentrum. Rodewald ist stellvertretender Sprecher des Forschungsschwerpunkts Tumorimmunologie am DKFZ.

Hans-Reimer Rodewald hat seine Forschungsergebnisse in bislang rund hundert wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, viele darunter in besonders hochrangigen Fachzeitschriften. 2009 erhielt er einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ERC. Seit 2016 ist er EMBO-Mitglied.

Über den Deutschen Immunologie-Preis
Der Deutsche Immunologie-Preis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI). Er wird als der Nachfolgepreis des Avery-Landsteiner-Preises in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen und ist mit 10.000,- EUR dotiert.

Geehrt wird eine international angesehene Persönlichkeit, die mit herausragenden Forschungsleistungen zur Aufklärung immunologischer Grundprinzipien und/oder zur Translation der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung beigetragen hat. Der Deutsche Immunologie-Preis wird durch die Unterstützung der Celgene GmbH ermöglicht und im zweijährigen Turnus vergeben.

Ein Bild von Hans-Reimer Rodewald steht zum Download zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2016/bilder/Rodewald_Hans-Reimer.jpg

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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