Nr. 17c2

Zweimal Deutscher Krebspreis für Heidelberger Forschende

Ein junger Mann mit blonden Haaren lächelt freundlich in die Kamera. Im Hintergrund sind Mikroskope sichtbar, was auf eine wissenschaftliche oder medizinische Umgebung hinweist.
Felix Sahm

Jessica Hassel, Leiterin des Hauttumorzentrums am Universitätsklinikum Heidelberg und am Nationalem Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg wird mit dem Deutschen Krebspreis in der Kategorie „Klinische Forschung“ ausgezeichnet. Felix Sahm, Abteilung Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum, erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Translationale Forschung“ gemeinsam mit David Capper von der Charité Berlin und vom DKTK-Standort Berlin*. Das hat die Deutsche Krebsgesellschaft heute bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 19. Juni 2026 in Berlin statt.

Neue Therapieoptionen bei Schwarzem Hautkrebs und die präzise Klassifizierung bestimmter Hirntumoren mit dem „molekularen Fingerabdruck“: Das sind die beiden Forschungsbereiche, für die 2026 gleich zwei Heidelberger Forschende mit dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet werden.

Die Dermatologin Jessica Hassel, Leiterin des Hauttumorzentrums an Universitätsklinikum und Nationalem Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, die seit einigen Jahren zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zählt, erhält den Deutschen Krebspreis in der Kategorie „Klinische Forschung“. Mit ihrem Team führte sie international beachtete Studien zu Immun- und Kombinationstherapien bei fortgeschrittenem Melanom durch und bereitete neuen Therapien den Weg in die Anwendung.

In der klinischen Praxis angekommen sind inzwischen auch die Forschungsergebnisse des Neuropathologen Felix Sahm, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD). Das von ihm und seinem Team erarbeitete Klassifizierungssystem für Meningeome beruht auf molekularen Markern am Genom der Tumorzellen, den sogenannten Methylierungen, und wird mittlerweile in den internationalen Diagnostikleitlinien empfohlen. Er teilt sich den Preis in der Kategorie „Translationale Forschung“ mit David Capper von der Charité und vom DKTK Berlin.

Eine lächelnde Frau in einem weißen Laborkittel steht in einem modernen Krankenhausumfeld. Im Hintergrund sind verschwommene architektonische Elemente zu sehen.
Jessica Hassel

Neuartige Immuntherapien und patientenzentrierte Forschung bei Hautkrebs

Jessica Hassel engagiert sich erfolgreich in der Entwicklung neuer Therapieansätze für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs sowie für eine patientenzentrierte Versorgung in der Dermatoonkologie. Ihre Schwerpunkte sind klinische Studien zum Einsatz innovativer Immuntherapien. So hat Hassel unter anderem dazu beitragen, Therapien mit „Krebsimpfstoffen“, die das Immunsystem im Kampf gegen den Hautkrebs unterstützen, oder mit dem bispezifischen Wirkstoff Tebentafusp zu entwickeln und zu prüfen. Tebentafusp kommt in der Behandlung bei Melanomen im Auge zum Einsatz. Es koppelt Tumorzellen mit bestimmten Immunzellen, die daraufhin die Krebszellen zerstören. Die Dermatologin etablierte zudem neue „Liquid Biopsy“-Methoden, bei denen bestimmte Krebsmarker im Blut gemessen werden, um den Therapieverlauf zu kontrollieren Ein besonderes Anliegen von Jessica Hassel ist es, Patientinnen und Patienten bei schwierigen medizinischen Entscheidungen mit entsprechend aufgearbeiteten Informationen zu unterstützen. Dazu entwickelte und prüfte sie Online-Entscheidungshilfen für Menschen mit fortgeschrittenem Hautkrebs. Das Angebot steht allen Betroffenen kostenfrei im Internet zur Verfügung.

Molekulare Klassifizierung von Hirntumoren verbessert Diagnostik und Therapie

Sowohl Felix Sahm als auch David Capper, ehemals Teamkollegen in der Abteilung Neuropathologie des UKHD und des DKFZ, wurden für ihre wegweisenden Beiträge zur molekularen Diagnostik von Hirntumoren ausgezeichnet. Ihre Arbeiten haben die Klassifizierung und Risikoabschätzung dieser Krebserkrankungen grundlegend verändert und bilden heute die Basis für moderne, zielgerichtete Therapiekonzepte. Während sich David Capper mit molekularen Analysen bei Gliomen und weiteren Tumoren des Zentralen Nervensystems befasst, ist Felix Sahm auf Meningeome, Tumoren der Hirnhaut, spezialisiert. Mithilfe neuer molekularer Analysemethoden in Kombination mit Maschinellem Lernen identifizierte er zahlreiche neue Untergruppen der Meningeome. Damit ist eine präzisere Einteilung als allein anhand der histologischen Gewebebeurteilung möglich – die Voraussetzung für angepasste Therapieansätze. Die Erkenntnisse haben Eingang in internationale Leitlinien gefunden.

Felix Sahm entwickelte zudem eine kombinierte Analyse molekularer Marker von Tumor- und Immunzellen für eine präzisere Risikoabschätzung. In Vorarbeiten zeigte er mit seinem Team, dass nicht nur die molekularen Eigenschaften der Tumorzellen, sondern auch der Immunzellen, die in das Tumorgewebe eingewandert sind, maßgeblich das molekulare Tumorprofil prägen – und Aufschluss über die Prognose geben. Die von ihm entwickelten Methoden der beschleunigten Datenerhebung eröffnen zudem Wege für eine intra-operative Klassifikation. 

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg

* Im Deutschen Zentrum für translationale Krebsforschung (DKTK) verbindet sich das DKFZ in Heidelberg als Kernzentrum langfristig mit onkologisch besonders ausgewiesenen universitären Partnerstandorten in Deutschland.

Kontaktieren Sie uns

Mitarbeiterbild

Pressekontakt

Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Formular

Formulardaten werden geladen ...