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Internationales Krebsgenomkonsortium für Medizin gegründet: Forscher verbinden Daten aus dem Krebserbgut mit Informationen zum Krankheitsverlauf

Nr. 17c2 | 20.04.2016 | von Sel

Während der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung gaben die Mitglieder des Internationalen Krebsgenomkonsortiums (ICGC) bekannt, dass das Konsortium nun in eine neue Phase treten wird: Bei ICGCmed werden die Krebsgenomdaten mit Informationen über den Krankheitsverlauf verbunden. Ziel ist es, die zusammengeführten Informationen für die Prävention, Früherkennung, Diagnose, Prognose und für eine maßgeschneiderte Therapie von Krebspatienten bestmöglich zu nutzen.

© US Department of Energy Human Genome Program Wikimedia Commons

Im Jahr 2008 gegründet, hat das internationale Krebsgenomkonsortium (ICGC) mittlerweile die Gendatensätze von rund 18.000 Krebspatienten mit rund 50 verschiedenen Krebsarten ermittelt. „Dabei haben wir eine riesige Anzahl von Genveränderungen bei verschiedenen Krebsarten gefunden“, sagt Fabien Calvo, wissenschaftlicher Leiter des europäischen Krebsverbundes Cancer Core Europe und Hauptautor des ICGCmed-Antrags. „Jetzt haben wir die klinischen Daten von einer großen Anzahl von Patienten ermittelt, die alle mit derselben Krebsart diagnostiziert wurden. Diese Daten haben wir kombiniert mit den Informationen über das Genom ihrer Krebszellen und dem Verlauf ihrer Krankheit. Wir hoffen, dass wir so herausfinden können, wie die genetischen Veränderungen das Ansprechen auf die Therapie und das Entstehen von Resistenzen beeinflussen. Im Endeffekt ist unser Ziel, dass jeder Patient die für seine individuelle Krankheit maßgeschneiderte Therapie erhält.“

„Die gute Zusammenarbeit zwischen den Institutionen weltweit und das Offenlegen der Daten für alle Wissenschaftler waren die beiden Säulen, auf denen der Erfolg des ICGC beruht“, sagt Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, eines der Gründungsmitglieder des ICGC. „Das ICGCmed wird diesen erfolgreichen Weg fortsetzen und nun die vielen gewonnenen Daten zum Nutzen des Patienten verwenden.“

„Die Informationen, die wir aus der Analyse der genetischen Veränderungen der Krebszellen gewinnen, haben der Präzisionsonkologie eine neue Tür geöffnet. In der täglichen Klinikroutine wäre es jedoch sehr nützlich, wenn wir wüssten, welches Medikament bei welcher genetischen Veränderung bei welcher Krebsart bereits erfolgreich war. Es ist das Ziel von ICGCmed, dieses Wissen weltweit zusammenzutragen und dadurch einen wichtigen Beitrag zu leisten, die Informationen aus dem Krebserbgut in klinische Behandlungsoptionen zu übersetzen“, erklärt Lichter.

Forscher, die die ICGC Daten nutzen wollen, müssen sich verpflichten, die strengen Richtlinien zum Datenschutz der Patienten einzuhalten. Das ursprüngliche ICGC-Projekt soll bis 2018 beendet sein. Dann sollen die Genomdaten von insgesamt 25 000 Krebspatienten mit 50 verschiedenen Krebsarten vorliegen.

Der deutsche Teil des ICGC wurde von der Deutschen Krebshilfe und dem BMBF großzügig gefördert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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