Kommunikation und Marketing

Johann-Georg-Zimmermann-Preis 2015/2016 an Aurelio Teleman

Nr. 05c | 03.02.2016

Die Deutsche Hypothekenbank AG fördert mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Preis seit über 40 Jahren herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Krebsforschung. Preisträger 2015/16 ist Aurelio Teleman vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Biochemiker erforscht molekulare Signalwege in Zellen, die den Stoffwechsel regulieren und deren Fehlfunktionen zu Krebs führen kann.

© dkfz.de

Aurelio Telemann untersucht Signalwege, die in Zellen das Wachstum und den Stoffwechsel kontrollieren. Das Zellwachstum verbraucht einen großen Anteil der vom Stoffwechsel bereitgestellten Energie. Daher müssen diese beiden Prozesse miteinander koordiniert ablaufen. Fehlerhaft funktionierende Signalketten können zu Krebs oder Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes führen. So ist beispielsweise die Aktivität des Insulin-Signalwegs in etwa 80 Prozent aller Krebserkrankungen signifikant erhöht.

Telemans Ziel ist es, Ansatzpunkte zu finden, über die sich sowohl Entgleisungen des Stoffwechsels als auch Krebs therapieren lassen. Im Zuge dieser Untersuchungen stießen er und Kollegen kürzlich auf einen fundamental neuen Stoffwechselweg. Sie entdeckten, dass eine Fettsäure (Stearinsäure), die bislang nur als einfaches Stoffwechselprodukt galt, auch Signalfunktionen ausübt. In ihrer im Fachmagazin Nature publizierten Arbeit demonstrieren die Forscher sowohl bei Fliegen als auch in Krebszellen, dass die Stearinsäure die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien steuert. Diese Organellen üben in der Zelle die Funktion von Kraftwerken aus.

Setzten die Forscher dem Fliegenfutter Stearinsäure zu, so verschmolzen die Mitochondrien der Tiere miteinander und waren leistungsfähig, hielten sie die Fettsäure knapp, zerfielen die Organellen. Die Forscher untersuchten daraufhin Fliegen, die aufgrund defekter Mitochondrien Parkinson-ähnliche Symptome zeigen und als anerkanntes Modell für diese neurodegenerative Krankheit dienen. Erhielten die kranken Tiere Stearinsäure im Futter, so verbesserten sich ihre motorischen Fähigkeiten sowie ihre Energiebilanz und sie lebten deutlich länger. Teleman erforscht nun, ob Stearinsäure auch beim Menschen die Mitochondrien-Funktion verbessern kann.

1998 schloss Aurelio Teleman, gebürtiger US-Amerikaner, sein Biochemiestudium an der Harvard Universität ab. Für seine Promotion wechselte er ans Imperial College, London, und ans Heidelberger EMBL, wo er nach Abschluss der Doktorarbeit 2004 ein weiteres Jahr forschte. Von 2007 an leitete Telemann eine Nachwuchsgruppe im DKFZ, seit 2012 eine Forschungsabteilung.

Die Deutsche Hypothekenbank AG fördert mit dem Johann-Georg-Zimmermann-Preis seit mehr als 40 Jahren herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Krebsforschung. In Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde seither eine Vielzahl deutscher und internationaler Forscher für besondere Verdienste in der Krebsbekämpfung geehrt.

Bei einer Festveranstaltung am 2. Februar in Hannover überreichten der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Hypothekenbank als Stifter und der Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover gemeinsam die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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