Nr. 15k

Mehr Arzneimittelsicherheit bei oraler Krebstherapie

Zwei Personen sitzen in einem modernen Beratungsraum. Eine Frau in einem weißen Kittel bespricht Dokumente mit einem Mann. Im Hintergrund sind Bücherregale mit Informationsmaterialien zu sehen.

Immer mehr Krebsmedikamente sind in oraler Form, also als Tabletten oder Kapseln verfügbar und werden von Erkrankten zu Hause eingenommen. Nehmen sie viele verschiedene Medikamente gleichzeitig ein, kann es zu unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen kommen. Um Betroffenen mehr Sicherheit zu geben, sind umfassende Aufklärung, Beratung und engmaschige Begleitung erforderlich. Dafür plädieren der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) zum Tag der Pharmazie am 25. März 2026.

Im Gegensatz zu Infusionstherapien, die im Krankenhaus oder in der onkologischen Ambulanz verabreicht werden, nehmen Patienten orale Krebsmedikamente zu Hause ein. Dies erfordert von Erkrankten und Angehörigen ein hohes Maß an Selbstmanagement und Therapietreue. Besonders bei älteren Betroffenen, die wegen anderer chronischer Erkrankungen bereits behandelt werden, ist die Liste der Medikamente oft lang und kann Risiken bergen. 

Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes erläutert das Problem: „Orale Krebstherapeutika durchlaufen zahlreiche Stoffwechselschritte und unterliegen verschiedenen Einflussfaktoren, weshalb sie ein besonders hohes Potenzial für Wechselwirkungen aufweisen – zum einen mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten, zum anderen aber auch mit rezeptfreien Präparaten wie pflanzlichen Mitteln und Vitaminen. Hinzu kommen oft weitere Medikamente zur Behandlung von Nebenwirkungen der Antitumortherapie.“ Die Ärztinnen und Ärzte des Krebsinformationsdienstes bieten Unterstützung auch zum Thema Wechselwirkungen bei Antitumortherapie. Sie sind täglich von 8 bis 20 Uhr telefonisch unter 0800-420 30 40 oder per E-Mail unter krebsinformationsdienst(at)dkfz.de zu erreichen.

Für mehr Sicherheit – Zusammenarbeit aller Beteiligten 
„Um Krebserkrankte bestmöglich zu unterstützen, Einnahmefehler oder Wechselwirkungen zu minimieren und Therapiesicherheit zu gewährleisten, ist es wichtig, dass Hausärzte, Onkologen und Apotheker Hand in Hand arbeiten und Patientinnen und Patienten umfassend aufklären“, ist Dr. Tilman Schöning überzeugt. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP). Aber auch die Krebspatientinnen und ‑patienten tragen Verantwortung, indem sie alle eingenommenen Substanzen, einschließlich pflanzlicher oder rezeptfreier Mittel dem Behandlungsteam mitteilen. 

Hilfreiche Anlaufstelle: Apotheken 
Apotheken mit ihren komfortablen Öffnungszeiten und geschultem Fachpersonal spielen als Ansprechpartner für Krebserkrankte ebenfalls eine wichtige Rolle. Gut zu wissen: Bereits seit Mitte 2022 gibt es die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) „Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie (OAT)“ sowie „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“. Auf diese OAT haben Krebserkrankte mit Neuverordnung eines oralen Krebsmedikamentes einen gesetzlichen Anspruch. Im persönlichen Gespräch beraten qualifizierte Apothekerinnen und Apotheker. 

Was das heißt und wie das funktioniert zeigt ein Video, zu finden auf der Seite https://www.orale-krebstherapie.de/fuer-patienten/. Hier sind zudem viele weitere Informationen zu finden. Tilman Schöning dazu: „Dieses Angebot einer engmaschigen Betreuung steht zurzeit noch nicht flächendeckend zur Verfügung, wächst aber stetig. Betroffene können unter https://www.orale-krebstherapie.de/apotheken-karte/ schauen, ob eine Apotheke in ihrer Nähe über dieses qualifizierte Beratungsangebot verfügt. Zudem sollten Erkrankte die Beratung bei ihrer Apotheke aktiv einfordern, sollte diese den Service noch nicht anbieten“. 

AMBORA: Weiteres Online-Angebot für Menschen mit oraler Antitumortherapie 
Um die Therapietreue zu verbessern und Risiken zu erkennen, finden Erkrankte und Angehörige unter https://www.ambora.org/patienten-angehoerige/Tipps und Unterstützung rund um die Krebsbehandlung in Form von Tabletten und Kapseln. Die Inhalte der Informations- und Wissensplattform sind wissenschaftlich fundiert und basieren auf den Ergebnissen der AMBORA-Forschungsprojekte. Neben den frei zugänglichen Inhalten bietet die Website auch umfangreiche Materialien für medizinische Fachkreise, etwa Arzneimittelmerkblätter und weitere Arbeitshilfen. Sie unterstützen bei der Beratung von Menschen mit oraler Tumortherapie und tragen zu einer sicheren Anwendung dieser Medikamente bei. Alle Inhalte sind unabhängig und kostenfrei. Verantwortlich für die Informationen sind Apothekerinnen und Apotheker sowie Klinische Pharmakologinnen und Pharmakologen am Comprehensive Cancer Center (CCC) Erlangen-EMN.

Kontaktieren Sie uns

Mitarbeiterbild

Pressekontakt

Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Formular

Formulardaten werden geladen ...