Im Gegensatz zu Infusionstherapien, die im Krankenhaus oder in der onkologischen Ambulanz verabreicht werden, nehmen Patienten orale Krebsmedikamente zu Hause ein. Dies erfordert von Erkrankten und Angehörigen ein hohes Maß an Selbstmanagement und Therapietreue. Besonders bei älteren Betroffenen, die wegen anderer chronischer Erkrankungen bereits behandelt werden, ist die Liste der Medikamente oft lang und kann Risiken bergen.
Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes erläutert das Problem: „Orale Krebstherapeutika durchlaufen zahlreiche Stoffwechselschritte und unterliegen verschiedenen Einflussfaktoren, weshalb sie ein besonders hohes Potenzial für Wechselwirkungen aufweisen – zum einen mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten, zum anderen aber auch mit rezeptfreien Präparaten wie pflanzlichen Mitteln und Vitaminen. Hinzu kommen oft weitere Medikamente zur Behandlung von Nebenwirkungen der Antitumortherapie.“ Die Ärztinnen und Ärzte des Krebsinformationsdienstes bieten Unterstützung auch zum Thema Wechselwirkungen bei Antitumortherapie. Sie sind täglich von 8 bis 20 Uhr telefonisch unter 0800-420 30 40 oder per E-Mail unter krebsinformationsdienst(at)dkfz.de zu erreichen.
Für mehr Sicherheit – Zusammenarbeit aller Beteiligten
„Um Krebserkrankte bestmöglich zu unterstützen, Einnahmefehler oder Wechselwirkungen zu minimieren und Therapiesicherheit zu gewährleisten, ist es wichtig, dass Hausärzte, Onkologen und Apotheker Hand in Hand arbeiten und Patientinnen und Patienten umfassend aufklären“, ist Dr. Tilman Schöning überzeugt. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP). Aber auch die Krebspatientinnen und ‑patienten tragen Verantwortung, indem sie alle eingenommenen Substanzen, einschließlich pflanzlicher oder rezeptfreier Mittel dem Behandlungsteam mitteilen.
Hilfreiche Anlaufstelle: Apotheken
Apotheken mit ihren komfortablen Öffnungszeiten und geschultem Fachpersonal spielen als Ansprechpartner für Krebserkrankte ebenfalls eine wichtige Rolle. Gut zu wissen: Bereits seit Mitte 2022 gibt es die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) „Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie (OAT)“ sowie „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“. Auf diese OAT haben Krebserkrankte mit Neuverordnung eines oralen Krebsmedikamentes einen gesetzlichen Anspruch. Im persönlichen Gespräch beraten qualifizierte Apothekerinnen und Apotheker.
Was das heißt und wie das funktioniert zeigt ein Video, zu finden auf der Seite https://www.orale-krebstherapie.de/fuer-patienten/. Hier sind zudem viele weitere Informationen zu finden. Tilman Schöning dazu: „Dieses Angebot einer engmaschigen Betreuung steht zurzeit noch nicht flächendeckend zur Verfügung, wächst aber stetig. Betroffene können unter https://www.orale-krebstherapie.de/apotheken-karte/ schauen, ob eine Apotheke in ihrer Nähe über dieses qualifizierte Beratungsangebot verfügt. Zudem sollten Erkrankte die Beratung bei ihrer Apotheke aktiv einfordern, sollte diese den Service noch nicht anbieten“.
AMBORA: Weiteres Online-Angebot für Menschen mit oraler Antitumortherapie
Um die Therapietreue zu verbessern und Risiken zu erkennen, finden Erkrankte und Angehörige unter https://www.ambora.org/patienten-angehoerige/Tipps und Unterstützung rund um die Krebsbehandlung in Form von Tabletten und Kapseln. Die Inhalte der Informations- und Wissensplattform sind wissenschaftlich fundiert und basieren auf den Ergebnissen der AMBORA-Forschungsprojekte. Neben den frei zugänglichen Inhalten bietet die Website auch umfangreiche Materialien für medizinische Fachkreise, etwa Arzneimittelmerkblätter und weitere Arbeitshilfen. Sie unterstützen bei der Beratung von Menschen mit oraler Tumortherapie und tragen zu einer sicheren Anwendung dieser Medikamente bei. Alle Inhalte sind unabhängig und kostenfrei. Verantwortlich für die Informationen sind Apothekerinnen und Apotheker sowie Klinische Pharmakologinnen und Pharmakologen am Comprehensive Cancer Center (CCC) Erlangen-EMN.