Krebsinformationsdienst

Klinische Studien – „Win-Win“ für Krebserkrankte und Forschung

Ein Diagramm zeigt die Balance zwischen möglichem Nutzen und möglichen Risiken klinischer Studien bei Krebs. Auf der linken Seite sind Vorteile wie bessere Wirksamkeit, weniger Nebenwirkungen und bessere Betreuung in orange dargestellt. Auf der rechten Seite stehen Risiken wie schlechtere Wirksamkeit, stärkere Nebenwirkungen und mehr Untersuchungen in Blau.

Für den medizinischen Fortschritt sind klinische Studien unverzichtbar. Sie verbinden Forschung und Patientenversorgung und eröffnen neue Perspektiven in der Behandlung von Krebs. Gleichzeitig bieten sie Krebserkrankten die Möglichkeit, Zugang zu neuen Therapien zu bekommen und einen Beitrag zu deren Entwicklung zu leisten. Wie laufen klinische Studien in der Onkologie ab, wer kann daran teilnehmen und welche Chancen und Risiken gibt es? Zum Tag der klinischen Forschung am 20.05. liefert der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Antworten.

In klinischen Studien prüfen Forschende, ob neue Verfahren oder Medikamente – sei es zur Diagnostik oder Behandlung einer Erkrankung – für Patientinnen und Patienten wirksam und verträglich sind. Klinische Studien sind ein Muss für jedes neue Medizinprodukt oder Medikament, welches eine Zulassung erhalten und in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen werden soll. 

Hoher Informationsbedarf – auch beim Krebsinformationsdienst
„Die meisten unserer Anfragenden versprechen sich von der Teilnahme eine zusätzliche Chance, gegen die Krebserkrankung vorzugehen und sind daher sehr interessiert“, so Dr. Beate Hammersen, Leiterin des Telefondienstes beim Krebsinformationsdienst. Aber es gibt auch viele Unsicherheiten – etwa zu Teilnahmevoraussetzungen, Studienablauf, Nebenwirkungen. Die Kostenfrage steht ebenfalls oft im Raum. Hammersen dazu: „Für Kosten, die im Rahmen einer klinischen Studie entstehen, kommt normalerweise der Anbieter auf – also die Klinik, beziehungsweise der Studiensponsor. Es kann aber auch sein, dass zum Beispiel Fahrtkosten von den Teilnehmenden selbst zu tragen sind. Krankenkassen übernehmen keine Kosten für Studienmedikamente oder zusätzliche Untersuchungen, denn die Wirksamkeit des Verfahrens oder des Medikaments ist ja noch nicht abschließend bewiesen.“ 

Jeder mit Fragen zu Krebs kann sich an die Ärztinnen und Ärzte des Krebsinformationsdienstes wenden. Telefonisch täglich von 8 bis 20 Uhr unter 0800-420 30 40 sowie per E-Mail an krebsinformationsdienst(at)dkfz.de oder über ein datensicheres Kontaktformular erhalten Anfragende verständliche und kostenlose Informationen auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Zum Thema „Klinische Studien“ gibt es ein kompaktes Informationsblatt zum Ausdrucken.

Was bringt die Teilnahme?
Wer an einer klinischen Studie teilnimmt, kann Zugang zu innovativen Therapien erhalten, die noch nicht allgemein verfügbar sind und wird medizinisch besonders intensiv betreut. Studienteilnehmende leisten mit ihrer Teilnahme einen wichtigen Beitrag zur Forschung und helfen aktiv dabei, die Behandlung von Krebskranken künftig zu verbessern. Allerdings ist zu bedenken, dass neue Therapien oft noch nicht vollständig erforscht sind, so dass eine bessere Wirksamkeit nicht sicher ist und bislang unbekannte Nebenwirkungen auftreten können. Auch der organisatorische Aufwand kann für Studienteilnehmende höher sein, zum Beispiel aufgrund zusätzlicher Besuche im Studienzentrum, mit weiteren Untersuchungen und möglicherweise längeren Anfahrtswegen. Gut zu wissen: Der Studienablauf sowie Chancen und Risiken der Teilnahme werden interessierten Krebskranken im Aufklärungsgespräch genau erläutert. Die Teilnahme ist freiwillig und kann ohne Angabe von Gründen jederzeit beendet werden. Weitere Informationen zu Voraussetzungen für die Teilnahme und Ablauf bietet die Internetseite des Krebsinformationsdienst

Passende Studien finden
Grundsätzlich gilt: Patientinnen und Patienten sollten die Suche nach einer passenden klinischen Studie immer gemeinsam mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten beginnen. Da diese die gesamte Krankengeschichte kennen, können sie am besten beurteilen, ob jemand für eine Studie geeignet ist. In öffentlichen Studienregistern können sie sehen, welche klinischen Studien aktuell in Deutschland laufen – zum Beispiel im europäischen Clinical Trials Information System (CTIS), das allerdings auf Studien zu Arzneimitteln beschränkt ist. Hier müssen alle Studien registriert sein, die in der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum seit 2023 aufgelegt wurden. Bereits zuvor genehmigte Studien müssen nachgepflegt werden. Weltweit, aber auch national sind zahlreiche weitere Studienregister verfügbar. Seit Kurzem gibt es den Studienfinder des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Es handelt sich hierbei um ein digitales Informationsangebot, das einen zentralen Überblick über klinische Studien bietet, die am NCT durchgeführt werden und erklärt sie für Patientinnen und Patienten. Der Studienfinder befindet sich noch im Aufbau und wird sukzessive ergänzt. Der Krebsinformationsdienst hat in Kooperation mit dem NCT jedes Studienangebot in gut verständlicher Sprache beschrieben und wie eine Art Steckbrief aufbereitet. Interessenten können sich so für am NCT laufende Studien einen Überblick verschaffen, zum Beispiel über die Krebsart der Studie, ihr Ziel, wo und wie sie durchgeführt wird sowie die Ein- und Ausschlusskriterien. Auch übergreifende Informationen rund um klinische Studien werden angeboten. Das Verbundprojekt ONCOnnect, gefördert von der Deutschen Krebshilfe, hat ebenfalls zum Ziel, den flächendeckenden Zugang für Krebserkrankte zu klinischen Studien zu verbessern und die Teilnahme an Studien für seltene Tumorerkrankungen zu fördern.  

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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