Vareniclin

Ende September 2006 wurde Vareniclin von der European Medicines Agency (EMEA) zur Tabakentwöhnung zugelassen. Im März 2007 wurde Vareniclin auch in Deutschland zugelassen. Wie Bupropion ist auch Vareniclin apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig. Die Zulassung bezieht sich auf eine Anwendungsdauer über 12 Wochen mit der Möglichkeit, im Falle einer Abstinenz die Anwendung um weitere 12 Wochen zu verlängern. Die Behandlung mit Vareniclin sollte in Zusammenarbeit mit einem Arzt erfolgen.

Vareniclin ist ein partieller Nikotin-Agonist und besetzt den alpha4beta2-Nikotin-Rezeptor. Die Hersteller geben an, dass es die belohnenden Eigenschaften des Nikotins imitiert, indem es die Dopaminausschüttung im Nucleus Accumbens im Gehirn steigert. Durch diese indirekte Stimulation bewirkt Vareniclin nikotinähnliche Effekte, die zur Milderung der Entzugssymptomatik führen sollen. Zusätzlich soll es im Falle einer Wiederaufnahme des Rauchens die Nikotinwirkung blockieren, da seine Bindungsfähigkeit an den genannten Nikotin-Rezeptor höher ist als die von Nikotin. Der Wirkstoff hält also den Rezeptor besetzt, so dass im Fall des Rauchens das Nikotion nicht dort andocken kann.

Die Wirksamkeit von Vareniclin zur Verminderung des Rauchverlangens wurde in sechs wissenschaftlichen Studien im Vergleich zu Placebo und zu Bupropion untersucht. Fünf der sechs Studien waren randomisierte kontrollierte Studien. Die Studienergebnisse zeigten, dass Vareniclin gegenüber Placebo die Aufhörraten verdreifachte. In zwei der fünf Studien wurde Vareniclin zusätzlich mit Bupropion verglichen. Gegenüber Bupropion wurde nahezu die Verdopplung der Erfolgsraten festgestellt. Nach 12 Wochen betrugen die Abstinenzquoten unter Vareniclin 44 Prozent, unter Bupropion 30 Prozent und in der Placebobehandlung 17 bzw. 18 Prozent. Nach einem Jahr sanken die Quoten auf 21 bzw. 22 Prozent (Vareniclin), 14 bzw. 16 Prozent (Bupropion) und 8 bzw. 10 Prozent (Placebo).

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Flatulenz, Schlaflosigkeit, abnorme Träume und Veränderungen der Geschmackswahrnehmung.

Vareniclin löst häufig unerwünschte Nebenwirkungen aus und führt beispielsweise zu Schlafstörungen und abnormen Träumen. Auch Konzentrationsstörungen, innere Unruhe bis hin zu Gereiztheit und Aggressivität sind im Zusammenhang mit der Einnahme des Medikamentes zur Raucherentwöhnung beschrieben. Außerdem hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA Sicherheitsbedenken angemeldet, da es im Zusammenhang mit der Einnahme von Vareniclin in Einzelfällen zu schweren depressiven Episoden und der Entwicklung von Selbsttötungsabsichten und Selbtstötungsversuchen gekommen ist. Auch wegen der aggressionssteigernden Wirkung wurden von der FDA Warnhinweise ausgegeben. Vor dem Einsatz von Vareniclin sollte eine sorgfältige Nutzen- und Risikoabschätzung durch einen Arzt erfolgen. Grundsätzlich sollte Nikotinersatztpräparaten gegenüber Vareniclin der Vorzug gegeben werden, gegebenenfalls ist Vareniclin als Medikament zweiter Wahl einzusetzen.


Hinweise zur Anwendung, zur Wirkweise und zu Nebenwirkungen stehen auf folgenden Seiten zur Verfügung:

Informationen zum Thema

nach oben