Legacy Tobacco Documents Library
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Die Tabakindustrie hat der Politik in zahlreichen Ländern seit Jahrzehnten eigene Erkenntnisse über die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens sowie Passivrauchens vorenthalten, wissenschaftlich zweifellos belegte Befunde geleugnet und auf verschiedene Weise versucht, wirksame Tabakkontrollpolitik zu verhindern.
Gerichtliche Abkommen in den USA verpflichteten die Tabakkonzerne dazu, Millionen ehemals streng vertrauliche interne Dokumente öffentlich zugänglich machen. Die meisten davon können heute im Internet kostenlos abgerufen werden. Diese Unterlagen enthalten wichtige Enthüllungen – von der Rolle der Tabakindustrie beim Zigarettenschmuggel bis hin zu ihren Bemühungen, die suchterzeugende Wirkung von Zigaretten zu verstärken – und sie setzten verschiedene gesetzgeberische und regulatorische Maßnahmen in Gang. Im Rahmen der noch laufenden Gerichtsverfahren wird die Tabakindustrie kontinuierlich verpflichtet, diese Sammlungen durch weitere Dokumente zu ergänzen.

RECHERCHESTRATEGIEN FÜR DIE TABAKINDUSTRIEDOKUMENTE

*enthält Aktualisierungen oder Neuerungen

Internetseiten

Eine Sammlung an Forschungsberichten und Veröffentlichungen zu den Tabakindustriedokumenten über den Zeitraum von 1999 bis 2006 hat Norbert Hirschhorn, MD, zusammengestellt. Diese Dokumentensammlung wurde übernommen von der Bibliothek der Universität von Kalifornien in San Francisco (UCSF) und wird ständig aktualisiert:


Die umfangreichste und benutzerfreundlichste Dokumentesammlung ist die „Legacy Tobacco Documents Library“ (LTDL) der Universität von Kalifornien in San Francisco (UCSF). Diese Seite enthält folgende Sammlungen: American Tobacco Documents, Brown & Williamson Documents, Council for Tobacco Research Documents, Lorillard Documents, Philip Morris Documents, RJ Reynolds Documents, Tobacco Institute Documents, DATTA Transcripts, Mangini („Joe Camel“) Documents, UCSF Brown & Williamson Documents und die Sammlung des US Committee on Commerce.


Der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) erhielt die Erlaubnis, seine Dokumente in einem separaten Archiv im englischen Guildford zu führen anstatt sie online verfügbar zu machen. Wer diese Dokumente einsehen möchte, muss sich an Martyn Gilbey bei BAT wenden, um einen Termin zu vereinbaren (Tel. 0044-171-845-1466, Fax: 0044-171-845-2783). Wenn Sie Kopien haben möchten, rechnen Sie mit langen Wartezeiten (mehrere Monate). Von diesen Dokumenten finden sich zwei Millionen Seiten (und im Laufe der nächsten drei Jahre insgesamt über sechs Millionen Seiten) online auf der Webseite „British American Tobacco Documents Archive“ (BATDA) der USCF.


Eine weitere wichtige Informationsquelle ist die Webseite „Tobacco Documents Online“ (TDO). TDO enthält Dokumente von den sieben Tabakindustriedokumenten-Archiven: American Tobacco Company, Brown & Williamson, Council for Tobacco Research, Lorillard, Philip Morris, RJ Reynolds und Tobacco Institute sowie ein Reihe spezieller Sammlungen wie ausgewählte BAT-Dokumente, einige Dokumente des US Committee on Commerce und spezielle Recherchesammlungen.


Außerdem gibt es einige kleinere Spezialsammlungen wie beispielsweise das „Tobacco Documents System“ der Universität Sydney, die sich auf interne Tabakindustriedokumente über Australien, China, Hongkong, Indonesien, Malaysia, Neuseeland, die Philippinen und Thailand konzentrieren.


*Die Internetseite des US Centers for Disease Control bietet eine Auswahl an Dokumenten, die im Zuge von Gerichtsverfahren im US-Bundesstaat Minnesota freigegeben werden mussten.

Tipps für den Einstieg

Am benutzerfreundlichsten für den Einstieg ist die Legacy-Webseite, die eine große Zahl nützlicher Dokumente enthält. Sie bietet dem Nutzer spezielle Hilfeseiten zur Recherche auf dieser Webseite an. Die neun Sammlungen der LTDL kann man gleichzeitig, einzeln oder in beliebiger Kombination durchsuchen. Die Voreinstellung führt den Nutzer zu den sieben Sammlungen der Industriedokumente, die im Rahmen des „Master Settlement Agreement“ veröffentlicht wurden. Wer sich mit dieser Webseite auskennt, wird dann auch andere, schwierigere Seiten leichter verstehen.

Suchstrategie für Anfänger

Die Benutzung der Dokumentesammlungen lässt sich am besten an einem Beispiel erklären. Nehmen wir an, Sie möchten die Marketingpläne der Tabakindustrie in China recherchieren. Gehen Sie dazu auf die Legacy-Webseite und klicken auf „Search the Collections“. Dann wählen Sie alle verfügbaren Dokumentesammlungen aus (klicken Sie dazu auf das Kästchen „Check All“) und geben „China“ als Suchbegriff ein. Diese Suche ergibt 7341 Dokumente – eindeutig viel zu viele, um alle anzusehen. Daher schränken Sie die Suche weiter ein und führen unter „Advanced Search“ eine erweiterte Suche durch: Dort geben Sie als zweites Suchkriterium den Begriff „marketing“ ein. Diese Suche ergibt 429 Dokumente. Das ist schon besser, aber immer noch eine recht unhandliche Menge. Nun möchten Sie zum Beispiel als Erstes etwas über Sportsponsoring herausfinden. Nehmen Sie das Wort „sports“ als weiteres Suchkriterium auf, so dass die Suche jetzt nach „China“, „marketing“, „sports“ erfolgt. Dieser Suchlauf ergibt 36 gefundene Dokumente, darunter ein „Marlboro Bar Program“ von 2000, einen „Business Planning Competitive Review“ von 1994 und einen „Marketing Services Plan“ von 1991. Die LTDL-Webseite ermöglicht darüber hinaus mehrere verschiedene Suchstrategien beispielsweise nach Titel, Autor, Schlüsselwort und Datum. Im Unterschied zu den Webseiten der Industrie verfolgt die LTDL recherchierende Benutzer nicht zurück.

Suchtipps und -taktiken

Es ist ratsam, bei der Dokumenterecherche einen Notizblock zur Hand zu haben, um die Kodenamen besonderer Projekte, Namen und Titel von Mitarbeitern sowie andere interessante Begriffe zu notieren, die bei späteren Recherchen hilfreich sein könnten. Außerdem ist es sinnvoll, Suchbegriffe, Datum der Suche und Anzahl der Treffer zu protokollieren, um nachvollziehen zu können, was, wann und wo bereits recherchiert wurde. So entwickelt man eine Methodik für eine systematische und nachvollziehbare Recherche.

PLATZHALTER:

Mit Platzhaltern („Wildcards“) kann man nach Wortvarianten und Wörtern in der Mehrzahl suchen. Das System der LTDL verwendet einen Stern (*) als Jokerzeichen. Wenn man zum Beispiel smok* als Suchbegriff eingibt, wird der Datenbestand nach smoke, smokes, smoker usw. durchforstet.

SCHLAGWÖRTER:

Neben speziellen Suchbegriffen kann man auch allgemeine Schlüsselwörter bei der Recherche verwenden:

  • „Memo“ für schriftliche Korrespondenz zwischen Mitarbeitern eines Unternehmens
  • „Plan“ zum Finden landesweiter Marketingpläne
  • „Letter“ für schriftliche Korrespondenz, in der Regel mit betriebsexternen Personen
  • „Publication“ für Artikel in Zeitschriften oder anderen Periodika
  • „Article“ steht in der Regel für einen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel
  • „Telex“ als brancheninternes Wort für E-Mail sowie Fernschreiben nach Übersee
  • „Confidential“ für vertrauliche Informationen. Um besonders streng vertrauliche Informationen aufzufinden, können Sie ausprobieren, ob das zusätzliche Anfügen der Begriffe „attorney work product“ oder nur „work product“ weitere Dokumente aufspürt. Einige besonders sensible Dokumente wurden mit dieser Bezeichnung versehen, um sie vor dem öffentlichen Zugriff zu schützen.

Die Gerichte haben sämtliche Dokumente auf jeder Seite mit einer eindeutigen Kennnummer („Bates Number“) versehen. Diese Kennnummern sind in der Regel senkrecht in der linken unteren Ecke jedes Dokuments aufgestempelt. Notieren Sie die Kennnummern von wichtigen Dokumenten als Verweise und um sie leichter wiederzufinden.
Für viele ihrer Kampagnen, internen Studien und Forschungsprojekte verwenden die Unternehmen Kodenamen und Akronyme, zum Beispiel „Project 16“, „Operation Downunder“ und „FUBYAS“ (eine Abkürzung von RJ Reynolds für „First Unbranded Young Adult Smokers“). Diese Kodenamen und Akronyme können Ihnen dabei helfen, die Recherche auf ein bestimmtes Projekt einzugrenzen und viele dafür irrelevante Dokumente auszuschließen.

Notieren Sie sich Name und Titel von Mitarbeitern, die in den von Ihnen gefundenen Dokumenten genannt werden. Oft wird ein leitender Mitarbeiter mit den politischen Aufgaben und/oder Marketingaktivitäten eines Unternehmens in einem bestimmten Teil der Welt betraut. Eine Suche nach Dokumenten, die von dieser Person verfasst sind, kann einen wahren Schatz an Informationen über die Aktionen der Industrie in einem bestimmten Land zu Tage bringen. Außerdem berichten diese Führungskräfte üblicherweise regelmäßig an ihre Zentrale über die Aktivitäten ihrer Abteilungen. Diese Berichte können eine äußerst ergiebige Informationsquelle sein.

Speichern der Dokumente für eine spätere Verwendung

Dokumente können auf der LTDL-Seite für eine spätere Verwendung auf zwei Arten gespeichert werden: Zum einen bietet die Webseite eine Webadresse an, die man mit einem Lesezeichen versehen kann („bookmark“). Verwenden Sie diese URL, die einen permanenten Link zu dem Dokument herstellt, wenn Sie ein Dokument in einer Veröffentlichung zitieren. Zum anderen gibt es die Option „Add to Bookbag“. Die in dieser „Büchertasche“ gespeicherten Dokumente können per E-Mail verschickt oder für den späteren Gebrauch heruntergeladen werden. Um ein Dokument zu speichern, klicken Sie auf den PDF-Link und wählen Sie „Speichern unter“ aus dem Menü.

Weitere Hilfe

Die Suchanweisungen auf jeder Webseite enthalten grundlegende Informationen, die jeder Nutzer vor einer Dokumentenrecherche lesen sollte. Hier finden sich essentielle Hinweise, beispielsweise über das richtige Format der Suchbegriffe. Lesen Sie diese Anweisungen unbedingt, bevor Sie fortfahren! Die darin angebotenen Beispiele können als erster Schritt bei der Lösung von Problemen dienen.

Vielleicht können Sie auch Unterstützung von anderen erfahrenen Rechercheuren bekommen, indem Sie sich den Web-Diskussionslisten zum Thema Tabakindustriedokumente „doc-talk“ und „intldoc-talk“ anschließen. Unter http://www.smokescreen.org kann man sich für diese Listen anmelden.

Technische Anforderungen

Internet-Zugangsgeschwindigkeit: Modem und Telefonleitung mit einer Leistungsübertragung von 28,8 kbps (Bandbreite) sollten für die Ansicht der Dokumente in einer einigermaßen akzeptablen Zeit ausreichen. Bei dieser Geschwindigkeit sollte eine durchschnittliche Textseite in fünf bis sieben Sekunden geladen sein, ein 50-seitiges Dokument dürfte allerdings sechs bis acht Minuten Ladezeit brauchen. Schnellere Internetzugänge (wie DSL, ISDN, Satelliten- oder Mobildienste) bieten kürzere Download-Zeiten, kosten aber mehr.
Verarbeitungsgeschwindigkeit: Um die Dokumente ansehen zu können, sollte der Computer über mindestens 32 MB RAM verfügen. RAM-Upgrades sind bei den meisten Computern relativ leicht möglich.

Framework Convention on Tobacco Control
Rue Henri-Christiné 5, Case Postale 567, CH-1211 Genève, Switzerland
Telefon: 41-22-321-0011 / 1-202-352-3284
Fax: 41-22-329-1127
E-mail: fca@globalink.org

Adapted and updated with permission from the 2000 World Conference on Tobacco Or Health fact sheets. June 2005

Die Recherchestrategien für die Tabakindustriedokumente der Framework Convention Alliance on Tobacco Control wurden im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg von Stefanie von Kalckreuth aus dem Englischen übersetzt. Ergänzungen wurden entsprechend (*) kenntlich gemacht.

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