Tabakabhängigkeit und Tabakentwöhnung

Tabakabhängigkeit

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Je nach Erhebungsinstrument erhält man abweichende Ergebnisse im Hinblick auf die  Häufigkeit des Vorkommens von Tabakabhängigkeit.  Klassifziert man Rauchverhalten nach den  Diagnosekriterien nach ICD-10 F 17.xx (International Classification of Diseases = Internationale Klassifizierung von Krankheiten), können 70 bis 80% aller Raucher in Deutschland als abhängig bezeichnet werden. Legt man statt dessen die Einstufung nach dem Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit zugrunde, erreichen etwa 35% aller befragten Raucher einen Wert von vier oder mehr Punkten und können damit als "deutlich abhängig" bezeichnet werden.

Tabakabhängigkeit geht mit einem Verlust von Kontrolle über das eigene Konsumverhalten einher. Trotz vorhandener Ausstiegsmotivation fällt es vielen Rauchern schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Lediglich 3 - 5% aller selbst initiierten und etwa 30% der durch Beratung oder auch Medikamente unterstützten Aufhörversuche führen zu langfristiger Abstinenz. Dennoch schaffen es die meisten Raucher im Laufe ihres Lebens nach mehreren Aufhörversuchen, auch ohne fremde Hilfe mit dem Rauchen aufzuhören.

Je früher der Rauchausstieg gelingt, desto geringer ist das Risiko für die Entwicklung tabakrauchbedingter Folgeerkrankungen.

Neben der reinen Gewohnheit und sozialen Faktoren spielt die psychotrope Wirkung des Nikotins eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Tabakabhängigkeit. Für die Abhängigkeitsentwicklung ist das komplexe Zusammenspiel psychologischer und neurobiologischer Faktoren maßgeblich.

Tabakentwöhnung

Es gibt vielfältige Angebote zur Tabakentwöhnung, doch nicht jede angebotene Methode ist gleich effektiv. Zu den Anbietern gehören Ärzte und Psychologen, Pädagogen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Eine empfehlenswerte Raucherentwöhnungsmaßnahme zeichnet sich durch eine nachvollziehbare wissenschaftliche Fundierung aus, d.h.

  • wissenschaftliche Studien sollten genügend Belege für deren Wirksamkeit nachgewiesen haben.
  • sie sollte sich im Vergleich mit anderen Verfahren und Methoden als effektiv erwiesen haben.
  • ihre Effektivität sollte sich an den erreichten langfristigen Abstinenzquoten bemessen.
  • diese Abstinenzquoten sollten objektiviert sein.

Zur Feststellung des aktuellen Stands der Raucherentwöhnung in Deutschland und der Struktur der Therapieangebote wurde im Jahr 2007 eine Vollerhebung von Angeboten zur Tabakentwöhnung mit dem Ziel durchgeführt, Unterschiede zwischen den Anbietern und in der Angebotsstruktur zu objektivieren, sowie regionale Unterschiede aufzuzeigen.

Auch die unterstützende Behandlung mit Medikamenten zur Tabakentwöhnung kann von Fall zu Fall sinnvoll sein.

Behandlungsempfehlungen

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) aber auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin haben jeweils Leitlinien zur Behandlung der Tabakabhängigkeit heraus gegeben.

Bereits die Aufforderung zum Rauchverzicht durch Ärzte, Therapeuten, Krankenpflegepersonal oder andere Therapeuten hat einen nachvollziehbaren Effekt sowohl auf die Aufhörmotivation als auch die erreichten Abstinenzraten von Rauchern.

Links zu Behandlungsempfehlungen

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