Diagnosekriterien für Tabakabhängigkeit nach ICD-10 und DSM-IV

Abhängiges Rauchen ist als "Psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen" klassifiziert. In beiden relevanten diagnostischen Klassifikations-Systemen - der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Diagnostischen und Statistischen Manual (DSM-IV) der American Psychiatric Association findet sich das Syndrom "Tabakabhängigkeit" bzw. "Nikotinabhängigkeit". International ist das DSM-IV gebräuchlich, in Deutschland wird in der Regel nach ICD-10 kodiert.
Unter ICD-10, F 17.2 werden sechs Kriterien aufgestellt, von denen drei in den letzten 12 Monaten in Erscheinung getreten sein müssen, damit die Diagnose "Tabakabhängigkeit" gestellt werden kann:

  • Starker Wunsch oder Zwang, Tabak zu konsumieren.
  • Eingeschränkte Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums.
  • Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Beendigung des Konsums, sowie Konsum, um die Entzugserscheinungen zu mildern.
  • Toleranzentwicklung: Um eine gleichbleibende Wirkung zu erzielen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  • Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Konsums.
  • Anhaltender Konsum trotz des Nachweises von Folgeschäden.

Im DSM IV finden sich - anders formuliert - dieselben Kriterien und als zusätzliches Kriterium "hoher Zeitaufwand für den Konsum". Dort werden auch diagnostische Kriterien für ein Nikotinentzugssyndrom beschrieben. Diese umfassen Symptome wie:

  • depressive/dysphorische Stimmung
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit oder Aggressivität
  • Nervosität, Unruhe und Besorgnis
  • verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • verlangsamter Puls
  • gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme

Ein weiteres Kriterium besteht darin, dass diese Symptome Leiden in sozialen, beruflichen oder anderen Funktionsbereichen verursachen und nicht anderweitig durch medizinische oder psychische Krankheitsfaktoren erklärbar sind.

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