Tabakrauch in Innenräumen enthält zahlreiche giftige und krebserzeugende Substanzen

Passivrauchbedingte akute und chronische Beschwerden und Krankheiten bei Erwachsenen
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Tabakrauch enthält über 4800 Substanzen, die zum Teil erst durch
den Verbrennungsprozess entstehen. Mehr als 90 dieser Verbindungen
sind nachgewiesenermaßen Krebs erregend. Der Nebenstromrauch,
der von der glimmenden Zigarette in den Rauchpausen ausströmt
und 85 Prozent des Zigarettenrauchs in der Raumluft ausmacht,
hat die gleiche Zusammensetzung wie der vom Raucher eingesogene
Hauptstromrauch, enthält aber die flüchtigen Inhaltsstoffe
aufgrund der niedrigeren Verbrennungstemperatur in bis zu hundertfach
höherer Konzentration.
Passivrauchen hat die gleichen gesundheitsschädigenden Wirkungen
wie aktives Rauchen, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß.
Der Rauch schädigt das Erbgut in den Körperzellen und erhöht das
Risiko für die Entstehung von Lungenkrebs. Er verursacht akute und
chronische Krankheiten der Atemwege und verstärkt Asthmaanfälle.
Zudem fördert er die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
beeinträchtigt die Entwicklung von Kindern.

Tabakrauch in Innnenräumen ist eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolge

Konzentrationen toxischer und kanzerogener Substanzen im Haupt- und Nebenstromrauch
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Tabakrauch in Innenräumen wurde von nationalen und internationalen
Expertengremien und Organisationen als Krebs erregend bewertet.
In Deutschland stufte die MAK-Kommission (Senatskommission zur
Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft)
Tabakrauch am Arbeitsplatz bereits 1998 in die
höchste Gefahrenstufe der Kategorie Krebs erzeugender Arbeitsstoffe
ein. Zu den Krebs erregenden Substanzen im Tabakrauch gehören polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Amine,
Nitrosamine, Benzol und weitere organische Verbindungen, sowie anorganische
Stoffe wie Arsen, Cadmium und Chrom. Darüber hinaus finden
sich darin sogar radioaktive Isotope wie Polonium-210. Abbildung 2
macht deutlich, dass diese Giftstoffe im Tabakrauch in Innenräumen
sogar in höheren Konzentrationen vorhanden sind, als im Hauptstromrauch.
Tabakrauch in Innenräumen ist damit ein ausgesprochen
gesundheitsschädlicher Luftschadstoff, der problemlos vermieden werden
kann. Er ist demnach keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung
mit Todesfolge.

Die Ausweisung von Raucher- und Nichtraucherzonen ist unzureichend

Partikelkonzentration von Tabakrauch(PM2,5) in Wagen des italienischen EUROSTAR-Schnellzugs
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Die Aufteilung eines Raumes in gesonderte Raucher- und Nichtraucherbereiche
ist unzureichend: Der Rauch bleibt nicht in der
Raucherzone, sondern breitet sich weit darüber hinaus aus. Selbst in
Zügen, deren Raucherabteile von den Nichtraucherabteilen durch automatische
Schiebetüren getrennt sind, zieht der Rauch in benachbarte
Nichtraucherabteile und verursacht dort eine Belastung an gesundheitsgefährdenden
Luftschadstoffen, die kaum unter den extrem hohen
Konzentrationen dieser Substanzen im Raucherabteil liegt. Der Rauch
erreicht teilweise sogar Nichtraucherabteile, die von den Raucherabteilen
weit entfernt sind (Abb. 3).
Die Passivrauchbelastung in öffentlichen Räumen mit ausgewiesenen
Nichtraucherzonen sinkt durchschnittlich um höchstens 50 Prozent.
Partielle Rauchverbote bewirken daher im Vergleich zu völlig rauchfreien
Einrichtungen nur einen geringen oder gar keinen Gesundheitsschutz.
Dies gilt insbesondere für Gastronomiemitarbeiter und Zugbegleiter
in Fernzügen mit Raucherbereichen. Mittlerweile gilt ein Rauchverbot in Zügen der Deutschen Bahn.

Lüftungsanlagen beseitigen Schadstoffe nicht vollständig

Schadstoffbelastung durch Stickoxide (rote Linie) und Kohlenmonoxid (schwarze Linie) in einem geschlossenen Raum von 30 m³ bei einer Luftaustauschrate von 2 (60 m³/Stunde) nach dem Rauchen von 10 Zigaretten, einem Rauchstopp von 60 Minuten und dem erneuten Rauchen von 10 Zigaretten.
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Die Schadstoffe aus dem Tabakrauch verteilen sich nicht nur in der
Raumluft, sondern setzen sich auch an den Wänden, auf dem
Boden, in Teppichen und Polstermöbeln fest, von wo sie wieder in die
Raumluft abgegeben werden. Die gesundheitsgefährdenden Substanzen
verweilen lange in der Raumluft. Selbst intensive Belüftung kann die
Schadstoffbelastung nach dem Rauchen von beispielsweise zehn Zigaretten
innerhalb einer Stunde nicht vollständig beseitigen. (Abb. 4)
In Räumen, in denen häufig geraucht wird, verbleiben selbst bei extremen
Lüftungsstärken schädliche Verbindungen in der Raumluft.
Ventilationssysteme, deren Einrichtung, Betrieb und Wartung dem
Betreiber zudem beträchtliche Kosten verursachen, können somit keine
schadstofffreie und damit auch keine gesundheitlich unbedenkliche
Innenraumluft garantieren.

Rauchfreie Arbeitsplätze schützen die Gesundheit

Rauchfreie Arbeitsplätze tragen zur Verringerung des Tabakkonsums
bei. In Australien wird der Beitrag rauchfreier Arbeitsplätze zum
Rückgang des Tabakkonsums zwischen den Jahren 1988 und 1995 auf
22 Prozent beziffert, in den USA für die Jahre 1988 bis 1994 auf
13 Prozent. In Kalifornien bedingen rauchfreie Arbeitsplätze eine Verminderung
des Zigarettenkonsums um schätzungsweise 150 Millionen
Zigarettenschachteln pro Jahr. Vollkommen rauchfreie Arbeitsplätze
reduzieren den Tabakkonsum der Mitarbeiter, verglichen mit nur teilweise
rauchfreien Arbeitsplätzen, um das Doppelte. Starke Raucher
verringern ihren Konsum besonders deutlich. In einer rauchfreien
Umgebung versuchen zudem mehr rauchende Mitarbeiter mit dem
Rauchen aufzuhören und für erfolgreiche Ex-Raucher steigt die Wahrscheinlichkeit,
langfristig abstinent zu bleiben. Ein rauchfreier
Arbeitsplatz ist demnach eine der wirkungsvollsten Maßnahmen des
Gesundheitsschutzes.

Rauchfreie Arbeitsplätze schränken nicht die persönliche Freiheit von Rauchern ein

Rauchern steht „ein autonomer Bereich privater Lebensgestaltung“
zu, in dem sie ihre „Individualität entwickeln und wahren“ können
(BVerf. GE 79,256,268). Dieses Grundrecht der Raucher wird durch
rauchfreie Arbeitsplätze nicht verletzt, da weder ihre Privatsphäre
beschränkt noch „zentrale Voraussetzungen“ für ihre personale Entfaltung
in der Öffentlichkeit in Frage gestellt werden. Die „engere persönliche
Lebenssphäre und die Erhaltung ihrer Grundbedingungen“
(BVerf. GE 54,148,153) der Raucher sind von Rauchverboten am
Arbeitsplatz nicht betroffen. Damit berühren rauchfreie Arbeitsplätze
nicht die elementaren Bedingungen des Personenseins.

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