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Altern und Krebs

© DKFZ/Bohm und Nonnen

1. Was versteht man unter Altern?

Altern ist keine Krankheit. Zumindest sehen das die meisten Wissenschaftler so. Auch wenn viele mit dem Begriff Altern in erster Linie körperlichen und geistigen Verfall in Verbindung bringen, beschreibt er zunächst nur folgenden Vorgang: Ein Organismus durchläuft im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Auch die Pubertät ist nach dieser Definition eine Stufe des Alterns. Allerdings geht das Altern beim Menschen – und praktisch allen höheren Organismen – damit einher, dass die Fähigkeit des Körpers, zu regenerieren und sich an Umwelteinflüsse anzupassen, nachlässt. Altern wird somit vom Verlust körperlicher Funktionen begleitet und führt dadurch früher oder später zum Tod des Organismus.

2. Wie altert der Mensch?

 Der Alterungsprozess ist noch nicht im Detail verstanden. Fest steht jedoch: Wie eine Maschine, die sich in Betrieb befindet, nehmen auch Zellen und Organe im Laufe der Zeit zwangsläufig Schaden. Beispielsweise entstehen bei der Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zellen immer auch extrem reaktionsfreudige Moleküle, die die umgebenden Strukturen schädigen. Ist bei einer schwer geschädigten Zelle dann eine Reparatur nicht mehr möglich, muss sie durch eine neue ersetzt werden. Hier spielen die Stammzellen eine wichtige Rolle. Sie können zeitlebens neue Zellen hervorbringen, doch auch sie altern. Auch in ihrem Erbgut sammeln sich über die Jahre Schäden an. Das führt schließlich dazu, dass die Fähigkeit der Organe, sich zu regenerieren, im Laufe der Zeit nachlässt – der Organismus altert. Dieser Prozess lässt sich möglicherweise verlangsamen. Dass er sich komplett stoppen oder sogar umkehren lässt, halten viele Forscher jedoch für unwahrscheinlich.

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3. Warum altert der Mensch?

Es gibt unzählige Theorien zur Frage nach dem Warum. Altert der Mensch und stirbt schließlich, um dem eigenen Nachwuchs die begrenzten Ressourcen zu überlassen? Ist deshalb das Altern womöglich genetisch programmiert? Oder ist es doch nur ein notwendiges Übel? Beide Ansätze finden Befürworter. Zwei Aspekte sind hier möglicherweise von Bedeutung: Ein Lebewesen verfügt nicht über unbegrenzte Ressourcen und auch wenn es nicht altert, ist es nicht unsterblich. Tiere können etwa verhungern oder gefressen werden. Ein Rotkehlchen wird zum Beispiel praktisch nie so alt, dass sich bei ihm Symptome des Alterns zeigen. Für den Vogel lohnt es sich somit auch nicht, den Körper unter hohem Energieaufwand für eine Lebensphase instand zu halten, die er doch nicht erreichen  wird. So lautet zumindest eine weit verbreitete Theorie. Seine Energie investiert das Tier stattdessen darin, möglichst viele gesunde Nachkommen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Auch in der Evolution des Menschen hat sicher eine ähnliche Form der „Kosten-Nutzen-Rechnung“ stattgefunden. Ob dieser Aspekt jedoch allein das Phänomen des Alterns erklären kann, ist fraglich.

4. Ist Krebs eine Krankheit des Alters?

Fast alle Krebsarten treten bei älteren Menschen häufiger auf als bei jüngeren – wenngleich es Ausnahmen gibt. Einer Krebserkrankung liegen immer Veränderungen des Erbguts zugrunde. Entweder ist die DNA selbst geschädigt, oder eine fehlgesteuerte Regulation führt dazu, dass Gene zu selten oder zu häufig abgelesen werden. Solche Veränderungen können ganz unterschiedliche Ursachen haben: Manche chemische Substanzen oder auch UV-Strahlung können das Erbgut schädigen. Es kommt aber auch regelmäßig zu Fehlern, wenn eine Zelle ihre DNA vor einer Teilung für die beiden Tochterzellen kopiert. Selten, aber dennoch regelmäßig, gelingt es dann nicht, den Schaden zu reparieren. Die Folge: Je länger ein Mensch lebt, desto mehr verändert sich sein Erbgut. Damit steigt im Alter die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken.

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5. „Altern vs . Krebs“

Altern könnte auch der Preis dafür sein, dass ein Mensch nicht so häufig an Krebs erkrankt. In einer Zelle, die DNA-Schäden angehäuft hat, muss eine Entscheidung darüber fallen, ob sie aus dem Verkehr gezogen wird oder weiter ihren Dienst tun darf. Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Tumorsuppressorgene. Mit ihrer Hilfe setzt die Zelle Programme in Gang, über die sie sich selbst unschädlich macht, bevor sie zu einer Krebszelle wird. Experimente mit Mäusen zeigten, dass sich die Zellen länger teilen konnten, wenn die Forscher diese Programme ausschalteten. Die Organe blieben länger funktionstüchtig und die Tiere lebten länger. Doch der Preis für die verlängerte Jugend ist hoch: Ohne absichernde Mechanismen steigt das Krebsrisiko enorm.

// Frank Bernard

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