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Takeda Oncology Forschungspreis 2018 an Rocio Sotillo

Nr. 53 | 18.10.2018 | von Koh

Bei einer bestimmten Form von Lungenkrebs kommt es im Erbgut oft „versehentlich“ zur Fusion zweier Gene. Diese Tumoren sprechen gut auf ein zielgerichtetes Medikament an, das den Krebszellen die Wachstumsgrundlage entzieht. Von der krebstreibenden Genfusion existieren mehrere molekulare Varianten. Rocio Sotillo vom Deutschen Krebsforschungszentrum und vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) hat herausgefunden, dass eine bestimmte Variante mit einer aggressiveren Erkrankung in Verbindung steht, die außerdem rasch Resistenzen gegen das Medikament ausbildet. Für diese Ergebnisse erhielt die Wissenschaftlerin nun den mit 30.000 Euro dotierten Takeda Oncology Forschungspreis 2018.

Rocio Sotillo
© Jutta Jung/DKFZ

Im Erbgut des „nicht-kleinzelligen Lungenkrebs“, abgekürzt NSCLC, dem häufigsten bösartigen Tumor der Lunge, finden Forscher oft charakteristische krebstreibende Veränderungen. Einige dieser Mutationen zeigen an, dass die Erkrankung mit einem spezifisch wirksamen Medikament zielgerichtet behandelt werden kann.

Die Mutation mit dem sperrigen Namen EML4-ALK entsteht durch einen falsch reparierten Bruch des DNA-Strangs, der das ALK-Gen versehentlich direkt an das Gen EML4 koppelt. Die Zelle produziert dadurch große Mengen der krebsfördernden Kinase ALK.

In diesen Fällen können Ärzte das Krebswachstum mit Hemmstoffen gegen ALK aufhalten. Doch leider entwickeln die Tumorzellen oft Resistenzen gegen diese Medikamente. Wie es auf molekularer Ebene dazu kommt, ist noch wenig bekannt. „Wir wissen, dass nicht alle EML4-ALK-Fusionen identisch sind. Sie unterscheiden sich je nach Anteil des fusionierten EML4-Gens“, erklärt Rocio Sotillo vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Wissenschaftlerin vermutet, dass diese Differenzen für die unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung verantwortlich sind.

Um das herauszufinden, haben Sotillo und ihr Team mithilfe der Genschere CRISPR-Cas drei der wichtigsten EML4-ALK-Fusionsvarianten in den Lungen von Mäusen erzeugt. An diesen Tieren entdeckten die Forscher, dass eine der Varianten, „Nr. 3“, ein besonders hohes Potenzial hat, Krebs auszulösen: Krebszellen der Variante Nr. 3 entwickeln außerdem rasch Resistenzen gegen ALK-Inhibitoren und breiten sich früher metastatisch aus.

Sotillo und ihr Team wollen nun auch menschliche Lungenkrebszellen in der Kulturschale mit den verschiedenen EML4-ALK Varianten ausstatten und prüfen, ob die Variante Nr. 3 auch beim Menschen zu besonders aggressiven Tumoren führt. „Wir haben nun Modelle zur Verfügung, an denen wir hervorragend verschiedene Medikamente und Medikamentenkombinationen prüfen können, damit wir endlich Patienten mit Lungenkrebs besser helfen können“, sagt die Krebsforscherin.

Um herausragende Forschung auf dem Gebiet der EML4-ALK-fusionierten Lungentumoren zu fördern, hat das Unternehmen Takeda Oncology einen hochkarätigen Forschungspreis ausgeschrieben. Das Projekt von Sotillo, das bedeutende klinische Verbesserungen bei der personalisierten Therapie des NSCLC verspricht, erzielte den mit 30.000 Euro dotierten ersten Platz.

Nach ihrem Studium der Pharmazie promovierte Sotillo 2002 am Spanish National Cancer Center in Madrid. Anschließend forschte sie von 2003 bis 2010 am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sowie von 2010 bis 2015 am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Monterotondo. Seit 2015 leitet Sotillo im DKFZ die Abteilung „Molekulare Grundlagen Thorakaler Tumoren“.

Der Preis wurde am 29. September 2018 bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Wien verliehen.

Ein Bild von Rocio Sotillo steht zur Verfügung unter:
https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Sotillo-Rocio-1.jpg

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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