Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Richtzenhain-Preis 2016: Akute Leukämien besser behandeln

Nr. 01a2 | 18.01.2017 | von Koh

Nikolas von Bubnoff und Robert Zeiser, Ärzte im Deutschen Krebskonsortium (DKTK) am Universitätsklinikum Freiburg, haben mit ihrer Forschung dazu beigetragen, die Therapie von akuten Leukämien entscheidend zu verbessern. Patienten mit dieser Form von Blutkrebs sind oft auf eine Transplantation von Blutstammzellen angewiesen. In vielen Fällen jedoch richten sich Abwehrzellen des Spenders gegen den Körper des Empfängers. Von Bubnoff und Zeiser fanden einen neuen Weg, um diese gefährliche Immunreaktion zu unterdrücken. So überleben deutlich mehr Patienten die schwere Erkrankung. Dafür werden die beiden Hämatoonkologen mit dem Richtzenhain-Preis des Deutschen Krebsforschungszentrums ausgezeichnet.

Nikolas von Bubnoff (links) und Robert Zeiser. Bildquelle: privat

„Die beiden Preisträger haben systematisch nach der Ursache dieser gefährlichen Immunreaktionen gesucht. Aufbauend auf ihren Erkenntnissen konnten sie gezielt eine neue Therapie entwickeln, die in Zukunft viele Leben retten kann. Das ist Forschung ganz im Sinne des Stifterehepaars Walther und Christine Richtzenhain", begründet Michael Boutros vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der Vorsitzende der Auswahlkommission des Richtzenhain-Preises, die Entscheidung.

Für viele Patienten mit akuten Leukämien ist die Übertragung von Blutstammzellen eines gesunden Spenders die einzige Chance auf Heilung. Bei der Hälfte dieser Stammzell-Empfänger kommt es jedoch zu einer gefährlichen Reaktion von Immunzellen des Spenders, die sich gegen Gewebe des Empfängers richtet. Diese so genannte „Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit" (graft versus host disease, GvHD). die hauptsächlich Haut, Darm und Leber angreift, kann bei etwa 20 Prozent aller Stammzell-Empfänger zum Tode führen.

Entzündliche Immunreaktionen werden oft durch die Aktivität der so genannten Januskinasen angetrieben. Nikolas von Bubnoff und Robert Zeiser hatten diese Enzyme daher im Verdacht, auch die Immunreaktionen der GvHD anzufeuern. Das untersuchten sie zunächst an Mäusen, denen Blutstammzellen übertragen worden waren. Tatsächlich litten die Tiere nach einer Blockade der Januskinasen durch den Wirkstoff Ruxolitinib weniger unter den Symptomen einer GvHD und überlebten länger.

Ruxolitinib ist bereits als Medikament zugelassen. Daher konnten die beiden Freiburger Ärzte rasch prüfen, ob der Wirkstoff auch Patienten hilft, die an einer schweren Form der GvHD leiden. Die Therapie erwies sich als erfolgreich: Mittlerweile wurden 95 GvHD-Patienten, bei denen andere Therapien versagt hatten, mit Ruxolitinib behandelt. Etwa 45 Prozent dieser Patienten gelten als geheilt, bei weiteren 35 Prozent bildeten sich die Symptome zurück.

Aufgrund dieser Beobachtung wurde bei Patienten, deren GvHD weder auf Steroide noch auf andere Therapien anspricht, die Behandlung mit Ruxolitinib in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie aufgenommen. Zudem haben die beiden Forscher prospektive klinische Studien initiiert, die zu einer Zulassung von Ruxolitinib bei der GvHD führen sollen.

Die beiden Preisträger Nikolas von Bubnoff und Robert Zeiser forschen und arbeiten beide am Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation der Klinik für Innere Medizin I an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Beide sind Mitglieder des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung DKTK.

Den Richtzenhain-Preis, der durch die Stiftung des Neurologen Walther Richtzenhain und seiner Frau Christine über das Deutsche Krebsforschungszentrum verliehen wird, erhalten im Jahresrhythmus abwechselnd Doktoranden in Heidelberger Forschungsinstituten bzw., wie in diesem Jahr, Wissenschaftler aus der gesamten Bundesrepublik für Arbeiten auf dem Gebiet der translationalen Krebsforschung. Die translationale Krebsforschung hat das Ziel, erfolgreiche Arbeiten aus dem Labor in die Klinik zu übertragen. Der diesjährige Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Bilder der Preisträger stehen zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/RobertZeiser.jpg
und
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/vonBubnoff.jpg

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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