Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Neuer Sonderforschungsbereich: Wie überwinden Hepatitis-Viren die Immunabwehr?

Nr. 20c | 31.05.2016

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte 12,1 Millionen Euro für einen neuen Sonderforschungsbereich. Die im dem neuen Konsortium organisierten Forscher untersuchen, warum bestimmte Hepatitis-Infektionen chronisch verlaufen und andere dagegen ausheilen. Sprecher ist Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg und Leiter des Forschungsschwerpunkts „Infektionen und Krebs“ am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Professor Dr. Ralf Bartenschlager
© Universitätsklinikum Heidelberg

Die herausragenden Konzepte der Heidelberger Forschungsverbünde überzeugten erneut: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert - zunächst über einen Zeitraum von vier Jahren - einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) an der Medizinischen Fakultät mit 12,1 Millionen Euro. "Dieser Erfolg stärkt Heidelberg als Standort für exzellente medizinische Forschung und bestätigt die großartigen Leistungen unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler", sagt Hans-Georg Kräusslich, Prodekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. "Wir gratulieren allen Beteiligten herzlich!"

Der neue transregionale SFB 179 "Ursachen der Ausheilung bzw. Chronifizierung von Infektionen mit Hepatitisviren" geht am Beispiel der verschiedenen Hepatitis-Formen der Frage nach, was darüber entscheidet, dass Infektionen ausheilen oder einen chronischen Verlauf nehmen. Sprecher ist Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg und Leiter des Forschungsschwerpunkts Infektionen und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Neben weiteren Wissenschaftlern der Universität Heidelberg sind Teams des Universitätsklinikums Freiburg, der TU und LMU München sowie des DKFZ beteiligt. Für die Heidelberger Arbeitsgruppen des neuen SFBs wird in absehbarer Zeit ein neues Gebäude mit modern ausgestatteten Laboren zur Verfügung stehen: Der Forschungsbau für das neue Zentrum für Integrative Infektionsforschung ist ab 2017 bezugsfertig.


Forschung bildet Basis für neue Therapien und Impfungen
 
Die Hepatitis-Formen B und C sind weltweit die am weitesten verbreiteten Infektionskrankheiten mit häufig chronischem Verlauf: Schätzungsweise 250 Millionen Menschen leiden an einer chronischen Hepatitis B, rund 130 Millionen an der etwas selteneren Hepatitis C. Sie tragen ein hohes Risiko, an Leberzirrhose und Leberkrebs zu erkranken. Trotz bedeutender medizinischer Fortschritte in den letzten Jahren besteht noch dringender Forschungs- und Handlungsbedarf bei Prävention und Therapie. Während es einen Impfstoff gegen Hepatitis B-Viren (HBV) gibt, sind chronische Infektionen unheilbar. Bei Hepatitis C Virus (HCV) Infektionen ist es umgekehrt: Dank neuer Medikamente ist eine Heilung möglich, aber es gibt keine Impfung. "Die Vermehrungsstrategien der beiden Viren unterscheiden sich grundsätzlich, darüber ist inzwischen viel bekannt. Wir wissen allerdings nicht, wie sie es jeweils schaffen, die körpereigene Abwehr zu umgehen", sagt Ralf Bartenschlager. "Warum bleibt das Erbgut von HBV in den infizierten Zellen über lange Zeit unangetastet? Warum erkennen bestimmte Immunzellen, die Killerzellen, infizierte Zellen nicht - oder bei der chronischen Hepatitis C erst dann, wenn die Medikamente ansprechen und die Virusvermehrung weitgehend zurückgedrängt wird?"

Diesen und weiteren Fragen wollen die interdisziplinären Teams mit modernsten Techniken und Methoden auf den Grund gehen. "Bisher konzentrierte sich die Forschung hauptsächlich darauf, einzelne Signalwege zu entschlüsseln oder wichtige molekulare Faktoren zu identifizieren. Wenn wir allerdings die generellen Mechanismen verstehen wollen, die darüber entscheiden, ob eine Virus-Infektion bestehen bleibt oder erfolgreich bekämpft wird, brauchen wir einen integrativen Ansatz, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen Viren und Wirtsorganismus von verschiedenen Seiten beleuchtet", so der renommierte Virologe. Das Forschungskonsortium führt daher Experten für Immunologie, Virologie, Leberstoffwechsel und -erkrankungen, Pathologie, Zellbiologie, moderne Bildgebungsverfahren und Bioinformatik zusammen. Ziel ist es, langfristig neue Therapieansätze zu entwickeln, um chronische Verläufe zu heilen bzw. schon im Keim zu ersticken.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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