Kommunikation und Marketing

Großer Abschiedsbahnhof für DKFZ-Vorstand Otmar D. Wiestler

Nr. 30a | 03.07.2015 | von Sel

Am Donnerstag, den 2. Juli 2015, verabschiedete sich der Vorsitzende des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums, Professor Otmar D. Wiestler, mit einem feierlichen Empfang nach 11 Jahren vom DKFZ. Rund 500 Freunde und Förderer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Mitarbeiter aus dem Haus waren gekommen, um dem wissenschaftlichen Vorstand für seine Arbeit zu danken und für seine zukünftige Herausforderung als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren alles Gute zu wünschen.

von links nach rechts: Prof. Josef Puchta, Dr. Simone Schwanitz, Prof. Otmar D. Wiestler, Bärbel Brumme-Bothe, Prof. Harald zur Hausen
© dkfz.de

In seiner Begrüßungsansprache verglich Wiestlers administrativer Vorstandskollege, Professor Josef Puchta, die gemeinsamen Jahre mit einer "Seilschaft im Alpinismus": Auch hier gehe es zunächst um Zweckgemeinschaften, die dann aber blindes Vertrauen zueinander entwickeln müssten und sich nach der erfolgten Tour wieder auflösten. "Das schließt natürlich nicht aus, dass die alte Seilschaft den einen oder anderen Berg wieder gemeinsam besteigt. "Es waren fabelhafte gemeinsame 11 Jahre, in der wir nicht immer derselben Meinung waren, aber unter dem Strich unglaublich viel erreicht haben."

Ministerialdirektorin Bärbel Brumme Bothe vom Bundesforschungsministerium betonte, dass sie den Abschied Wiestlers vom DKFZ einerseits bedauere, sich andererseits darauf freue, mit ihm als Helmholtz-Präsident zusammen zu arbeiten. "Sie haben als Impulsgeber für die Krebsforschung gewirkt und einen exzellenten Job gemacht," lobte sie Wiestlers Arbeit als Führungskraft, betonte allerdings ausdrücklich, dass dies nur möglich gewesen sei mit der "Unterstützung durch Ihre ausgezeichneten Mitarbeiter."

Insbesondere das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, eine gemeinsame Einrichtung des DKFZ mit dem Universitätsklinikum und der Deutschen Krebshilfe, habe Wiestler als erstes Comprehensive Cancer Center Deutschlands entscheidend geprägt und weiter entwickelt. Erst im vergangenen Jahr habe er den Bund und die Länder Baden-Württemberg und Sachsen davon überzeugt, das NCT in Heidelberg weiter auszubauen sowie den NCT-Partnerstandort in Dresden zu gründen, "und das an Standorten, die ohnehin schon von der Politik sehr großzügig unterstützt werden." Das NCT diente auch als Blaupause für das 2012 ins Leben gerufene Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), in dem sich das DKFZ bundesweit mit Universitätskliniken, Universitäten und Instituten an acht Standorten zusammengeschlossen hat, um Patienten in ganz Deutschland schneller von den Erkenntnissen der Krebsforscher profitieren zu lassen. "Ohne Sie gäbe es das DKTK nicht und vermutlich auch die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung nicht", brachte es die Ministerialdirektorin auf den Punkt. "Sie haben hartnäckig Überzeugungsarbeit bei der Politik geleistet, die schließlich bereit war, 25 Millionen jährlich in die translationale Krebsforschung zu stecken, unterstützt von den Ländern."

Ministerialdirektorin aus dem Baden-Württembergischen Landtag, Dr. Simone Schwanitz, widersprach ihrer Kollegin vom Bund: Nein, zu viel würde der Standort Heidelberg bestimmt nicht bekommen, das Geld sei hier besonders gut angelegt. "Wir haben jedenfalls die 20 Millionen Euro für den Ausbau des NCT-Gebäudes gerne gegeben", betonte sie. "Für Otmar Wiestler war die Position als DKFZ Vorstand mehr als ein Beruf: Es war Leidenschaft!" Mit dieser hätte er es fast immer geschafft, die Geldgeber schließlich von der Bedeutung seiner Pläne zu überzeugen.

Sein Vorgänger im Amt, Nobelpreisträger Harald zur Hausen, lobte Wiestlers "Hingabe für das DKFZ und das DKTK und sein besonderes Gespür für das Wissenschaftsmanagement." Er freue sich insbesondere, dass Wiestler auch Projekte voran getrieben und weiter ausgebaut hätte, die schon zu seiner Zeit initiiert wurden, wie etwa die langjährige Partnerschaft mit israelischen Kollegen aus Wissenschaftseinrichtungen wie dem Weizmann-Institut. Auch auf lokaler Ebene sei Wiestler wichtige Kooperationen eingegangen, so etwa die im Jahr 2007 mit dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg geschlossene DKFZ-ZMBH-Allianz mit dem Schwerpunkt auf der Grundlagenforschung im Bereich der molekularen und zellulären Lebenswissenschaften. Unter Wiestlers Führung hätte sich das DKFZ jedoch nicht nur Partnern aus der akademischen Forschung, sondern auch aus der Industrie geöffnet: Mit Siemens und BayerHealthcare ging das DKFZ strategische Allianzen ein, um sowohl die Radiologie als auch die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe voranzutreiben. Ebenfalls kooperiert das DKFZ mittlerweile mit Roche, SAP, Merck und Molecular Health in der Personalisierten Krebsmedizin. "Und er hatte natürlich das Glück, in Josef Puchta einen administrativen Kollegen vorzufinden, mit dem man insbesondere neue Baumaßnahmen in Angriff nehmen kann." So war in Wiestlers Amtszeit das DKFZ-Hochhaus komplett saniert, der Neubau des NCT realisiert und das Radiologische Forschungs- und Entwicklungszentrum in Angriff genommen worden.

Webster Cavenee, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des DKFZ, sprach von einem "bittersweet moment", der dieser Abschied für ihn bedeute. Er hob Wiestlers großes Gespür für Nachwuchstalente hervor, die dazu geführt hätten, dass eine ganze Reihe von "amazing young talents" das DKFZ bereicherten. Zu Wiestlers größten Leistungen in seiner Amtszeit gehörten auf wissenschaftlicher Seite der Ausbau der Forschung zu Krebsstammzellen und Hirntumoren. Auf beiden Gebieten zähle das DKFZ inzwischen zu den führenden Forschungszentren weltweit.

Für Wiestlers Vorgänger als Helmholtz-Präsident, Professor Jürgen Mlynek, war der Abend kein Abschied, sondern ein neuer Anfang: "Das DKFZ verliert Sie, aber Helmholtz gewinnt Sie!" Schon als Vizepräsident für Gesundheit habe Wiestler eine Reihe von Initiativen angestoßen, wie die Nationale Kohorte, das Vorantreiben der Personalisierten Medizin nicht nur in der Krebsforschung oder die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. "Es genügt nicht, zu wissen und zu wollen, man muss es auch tun."

Zum Schluss begab sich Otmar Wiestler selbst ans Rednerpult: „Dies ist ein bewegender Moment für mich," gab der Noch-DKFZ-Vorstand zu, "andererseits soll man immer dann gehen, wenn es am schönsten ist“. Das DKFZ befinde sich derzeit in einer ausgezeichneten Verfassung: Seit 2004 habe sich sein Budget und Raumangebot fast verdoppelt, die Mitarbeiterzahl sei von knapp 2000 auf über 3000 angestiegen. Der 2004 anstehende große Generationswechsel im DKFZ habe ihm die Gelegenheit geboten, viele neue Köpfe ans Zentrum zu holen und damit auch neue Themen wie die Krebsstammzellen oder die Forschung an Hirntumoren zu etablieren. "Ein Lieblingsprojekt für mich war immer das NCT", bekannte Wiestler, das DKTK sei eines mit starken Geburtswehen gewesen, "meine persönlichen Highlights waren die beiden Nobelpreise." Seinem Nachfolger Professor Wolfgang Wick, der an diesem Abend gewählt worden war (siehe PM No. 30), wünschte Wiestler, dass er ebensolche Anrufe aus Stockholm erleben dürfe.

"Auch als Helmholtz-Präsident werde ich mich künftig für das DKFZ einsetzen und gerne tatkräftig dabei helfen, dass das DKFZ weiterhin der Motor der Gesundheitsforschung in Deutschland bleibt“, versprach er. Die Gäste dankten ihrem Freund, Kollegen und Chef mit langem Applaus und stießen beim anschließenden Empfang auf eine großartige Zeit mit Otmar D. Wiestler an.

Ein Foto zur PM kann hier herunter geladen werden:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2015/bilder/abschied-wiestler.jpg

BU: von links nach rechts: Prof. Josef Puchta, Dr. Simone Schwanitz, Prof. Otmar D. Wiestler, Bärbel Brumme-Bothe, Prof. Harald zur Hausen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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