Gesundheitschance HPV-Impfung

Nur wenig Menschen assoziieren eine Infektion mit Krebs. Dennoch gilt ein Kausalzusammenhang zwischen dem Auftreten von Krebserkrankungen und verschiedenen Infektionen mit Erregern wie Helicobacter pylori, Hepatitis B Virus und Humanes Papillomavirus (HPV) als wissenschaftlich bewiesen. Schätzungsweise sind etwa vier Prozent aller Krebserkrankungen in Deutschland auf Infektionen zurückzuführen. Einige dieser Infektionen können wirksam durch Impfung verhindert werden: Die Hepatitis B Impfung gegen Hepatitis B Virus-Infektionen sowie die HPV Impfung gegen HPV Infektionen.

Der Krankheitsauslöser: humane Papillomviren

Humane Papillomviren, von denen es mehr als 200 verschiedene Typen gibt, infizieren Haut und Schleimhäute. Häufig bleiben diese Infektionen unerkannt oder sie rufen gutartige Warzen hervor, die meist nach einiger Zeit von selbst wieder verschwinden. Es gibt jedoch auch krebserzeugende Papillomviren, die in den Hautzellen überdauern und Jahre später zu Veränderungen an der Schleimhaut führen können.

Humane Papillomviren werden in der Regel beim ungeschützten Geschlechtsverkehr weitergegeben. Besonders häufig treten Infektionen in den Schleimhautzellen des Gebärmutterhalses, des Schambereichs sowie der Scheide der Frau auf, bei Männern ist der Penis betroffen. Darüber hinaus finden sich sehr oft bei Personen, die Analverkehr praktizieren, chronische HPV-Infektionen und Krebsvorstufen (Neoplasien) in der Analschleimhaut. Zudem kann es beim Oralverkehr zu einer HPV-Infektion im Mund- und Rachenraum kommen.

Vermehrt sich das Virus nach der Infektion, kann es die Gene der betroffenen Schleimhautzellen schädigen. Meist bleibt die Infektion unerkannt, nur bei einem kleinen Teil entwickeln sich Symptome. Überdauern die HP-Viren für mehrere Jahre in der Zelle, können sie die Bildung von Krebsvorstufen auslösen. In seltenen Fällen entwickeln sich diese Vorstufen anschließend weiter zu einer Krebserkrankung.

Mehr als die Hälfte der sexuell aktiven Männer und Frauen steckt sich während ihres Lebens mit HP-Viren an – allerdings bleiben schwerwiegenden Symptomen meist aus.

Krebsarten, die mit HPV-Infektionen in Zusammenhang stehen

Eine Infektion mit HPV kann die Ursache für verschiedene Krebsarten beim Menschen sein, wie beispielsweise Gebärmutterhalskrebs, Peniskarzinom, Analkrebs sowie Krebs im Mundhöhlen- und Rachenbereich.

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom): Beim Gebärmutterhalskrebs sind praktisch alle Fälle (99 Prozent) auf HVP- Infektionen zurückzuführen. Diese Viren sind zwar nicht die alleinige Ursache, aber eine der Voraussetzungen für die Krebserkrankung. Besteht eine HPV-Infektion, können weitere Faktoren wie Rauchen, die Einnahme der Pille, eine HIV-Infektion oder eine Immunschwäche sowie die gleichzeitige Infektion mit Chlamydien das Risiko für die Krebsentstehung erhöhen.

Analkrebs: Rund 90 Prozent der Vorstufen von Analkrebs enthalten HPV und bei über 80 Prozent der Fälle von Analkrebs lassen sich HP-Viren nachweisen, zumeist HPV 16, deutlich seltener HPV 18.

Vulvakarzinom: Bis zu 55 Prozent dieser Tumore enthalten HP-Viren, zumeist vom Typ HPV 16.

Peniskarzinom: Etwa die Hälfte der Peniskarzinome wird durch HPV ausgelöst, wobei zumeist HPV 16 vorliegt; gelegentlich werden auch HPV 6 oder 11 nachgewiesen.

Krebs im Mund-Rachenraum: Die Hauptrisikofaktoren für Krebs im Mund- und Rachenraum sind Rauchen und Alkoholkonsum; bei einem Teil dieser Tumoren liegt aber auch eine HPV-Infektion vor. So enthält Mundhöhlenkrebs zu etwa 24 Prozent HPV-DNA, der Rachenkrebs bis zu rund 35 Prozent. Am häufigsten liegen Infektionen mit HPV 16 vor, etwas seltener ist HPV 18; zudem wurden in diesen Tumorarten andere HPV-Typen nachgewiesen.

HPV-Infektionen sind vermeidbar: durch eine Impfung

Seit 2006 sind Impfstoffe gegen die wichtigsten HPV-Stämme verfügbar, mit denen sich eine Infektion mit HPV verhindern lässt, sofern die Impfung frühzeitig durchgeführt wird.  

In Deutschland sind derzeit drei Impfstoffe gegen HPV zugelassen, die alle vor einer Erstinfektion mit den beiden krebsauslösenden Viren HPV 16 und 18 schützen. Einer der Impfstoffe bietet zudem als Vierfach-Impfstoff Schutz gegen eine Ansteckung mit HPV 6 und 11, die Genitalwarzen hervorrufen, ein anderer schützt gegen insgesamt neun Typen von HP-Viren (6,11,16,18,31,33,45,52 und 58), die für insgesamt etwa 75 bis 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich sind.

Voraussetzung für einen effektiven Impfschutz ist, dass die Impfung vor einer ersten Ansteckung mit den HP-Viren erfolgt. Die derzeit in Deutschland zugelassenen Impfstoffe können Krebsvorstufen im Gebärmutterhalsbereich sowie im Analkanal bei Frauen und Männern verhindern; einer der Impfstoffe wirkt ebenso zuverlässig gegen Genitalwarzen. Zusätzlich schützt die Impfung möglicherweise auch vor Tumoren im Mundhöhlen- und Rachenbereich, sofern die Ursache eine HPV-Infektion ist.

Wer sollte sich impfen lassen?

Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch Institut die HPV Impfung in Deutschland. Gegenwärtig besteht in Deutschland eine generelle HPV Impfempfehlung für Mädchen und Jungen im Alter von 9-14 Jahren. Spätestens bis zum Alter von 17 Jahren sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden.

Wie wird geimpft?

Die aktuelle HPV Impfempfehlung sieht grundsätzlich ein Impfschema mit zwei Dosen im Abstand von mindestens fünf und  höchstens 13 Monaten bei Mädchen und Jungen im Alter von 9-14 Jahren vor. Bei Nachholimpfungen (Alter >14 Jahre) ist ein drei-Dosen-Impfschema erforderlich.

Wie lange wirkt die Impfung?

Wie lange der Impfschutz anhält, ist aufgrund der kurzen Zeit seit Einführung der HPV-Impfung noch nicht genau bekannt. In Studien hielt der Impfschutz bis zu neun Jahre an; man geht davon aus, dass der Schutz aber wesentlich länger anhält.

 

 

Zur weiteren Vertiefung dienen die nachstehend aufgeführten Veröffentlichungen des Deutschen Krebsforschungszentrums, die als PDF-Datei heruntergeladen werden können.

Schutz vor Gebärmutterhalskrebs: Immunabwehr im Körper

© dkfz.de

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