Im Namen des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung erläutert Stefan Endres, Ludwig-Maximilians-Universität München, die Zuerkennung des Preises: „Die Diagnose ‚CUP-Syndrom‘ bedeutete lange Zeit für alle Betroffenen eine sehr ungünstige Prognose. Es ist insbesondere der von Alwin Krämer geleiteten klinischen Forschung zu verdanken, dass nach Jahrzehnten des therapeutischen Stillstands einigen Patientinnen und Patienten jetzt aussichtsreichere Therapien angeboten werden können. Krämers Ergebnisse sind 2025 in die Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Malignomerkrankungen der European Society for Medical Oncology, der ESMO, eingegangen.“
Das CUP-Syndrom
Vom CUP-Syndrom ist bei Krebs die Rede, wenn sich zwar Metastasen nachweisen lassen, aber nicht der Primärtumor, von dem diese Metastasen herrühren. Das kommt bei drei bis fünf Prozent aller Krebserkrankungen vor, was das CUP-Syndrom zur siebthäufigsten Tumorart und leider auch zur vierthäufigsten krebsbedingten Todesursache macht. Jahrzehntelang waren zur Behandlung des CUP-Syndrom nur platinbasierten Chemotherapien etabliert; aber mehr als eine mittlere Überlebenszeit von neun Monaten war damit nicht zu erreichen.
Dank der von Krämer geleiteten internationalen CUPISCO-Studie und der ebenfalls multizentrischen CheCUP-Studie wurde jedoch deutlich, dass personalisierte Medizin der Schlüssel zu wirksameren Therapien ist. CUP-Patienten werden nach diesem neuen Konzept also nicht alle einheitlich therapiert. Vielmehr erhalten sie – passend zum Mutationsprofil ihrer Tumorzellen – ausgewählte Kinasehemmer, Checkpoint-Inhibitoren und/oder ein anti-HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, die sich bei anderen Krebsarten mit entsprechenden Mutationen schon bewährt haben.
Mit dieser Therapiestrategie können bei einem Teil der CUP-Patientinnen und -Patienten in der Erstlinientherapie wie auch bei Rezidivbehandlungen lange anhaltende Remissionen erreicht werden.
Die Ehrung erfolgt im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.
Der Preisträger
Alwin Krämer ist Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Hämatologie/Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und W3-Professor für Molekulare Hämatologie/Onkologie des Universitätsklinikums Heidelberg Forschungsaufenthalte führten den früheren Heisenberg-Stipendiaten vor seiner Berufung unter anderem an die University of Wisconsin in Madison (USA) und an das Institute of Cancer Biology der Danish Cancer Society in Kopenhagen.
Alwin Krämer ist Mitglied und z.T. Vorsitzender von CUP-bezogenen Gremien bei der World CUP Alliance, der European Society for Medical Oncology (ESMO), der World Health Organisation (WHO) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).
2010 erhielt Krämer den Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft Internistischer Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft, 2004 den Vincenz-Czerny-Preis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.
Quelle: Pressemitteilung der Paul-Martini-Stiftung