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Paul-Martini-Preis: Forschung für bessere Prognosen von Menschen mit Metastasen bei unbekanntem Primärtumor

Ein Mann mit Brille und kurzem Haar trägt einen blauen Anzug und ein hellblaues Hemd. Er steht vor einem verschwommenen, hellen Hintergrund und blickt neutral in die Kamera.

Alwin Krämer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Universitätsklinikum Heidelberg erhält den Paul-Martini-Preis 2026. Der Arzt und Wissenschaftler wird ausgezeichnet für seine Forschung, die die Therapie von Patienten mit Metastasen bei unbekanntem Primärtumor, englisch CUP-Syndrom (für Cancer of Unknown Primary) verbessern kann. Der Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung, Berlin, für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittel¬forschung verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.

Im Namen des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung erläutert Stefan Endres, Ludwig-Maximilians-Universität München, die Zuerkennung des Preises: „Die Diagnose ‚CUP-Syndrom‘ bedeutete lange Zeit für alle Betroffenen eine sehr ungünstige Prognose. Es ist insbesondere der von Alwin Krämer geleiteten klinischen Forschung zu verdanken, dass nach Jahrzehnten des therapeutischen Stillstands einigen Patientinnen und Patienten jetzt aussichtsreichere Therapien angeboten werden können. Krämers Ergebnisse sind 2025 in die Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Malignomerkrankungen der European Society for Medical Oncology, der ESMO, eingegangen.“ 

Das CUP-Syndrom

Vom CUP-Syndrom ist bei Krebs die Rede, wenn sich zwar Metastasen nachweisen lassen, aber nicht der Primärtumor, von dem diese Metastasen herrühren. Das kommt bei drei bis fünf Prozent aller Krebserkrankungen vor, was das CUP-Syndrom zur siebthäufigsten Tumorart und leider auch zur vierthäufigsten krebsbedingten Todesursache macht. Jahrzehntelang waren zur Behandlung des CUP-Syndrom nur platinbasierten Chemotherapien etabliert; aber mehr als eine mittlere Überlebenszeit von neun Monaten war damit nicht zu erreichen. 

Dank der von Krämer geleiteten internationalen CUPISCO-Studie und der ebenfalls multizentrischen CheCUP-Studie wurde jedoch deutlich, dass personalisierte Medizin der Schlüssel zu wirksameren Therapien ist. CUP-Patienten werden nach diesem neuen Konzept also nicht alle einheitlich therapiert. Vielmehr erhalten sie – passend zum Mutationsprofil ihrer Tumorzellen – ausgewählte Kinasehemmer, Checkpoint-Inhibitoren und/oder ein anti-HER2-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, die sich bei anderen Krebsarten mit entsprechenden Mutationen schon bewährt haben.

Mit dieser Therapiestrategie können bei einem Teil der CUP-Patientinnen und -Patienten in der Erstlinientherapie wie auch bei Rezidivbehandlungen lange anhaltende Remissionen erreicht werden. 

Die Ehrung erfolgt im Rahmen des Jahres­kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.

Der Preisträger

Alwin Krämer ist Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Hämatologie/Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und W3-Professor für Molekulare Hämatologie/Onkologie des Universitätsklinikums Heidelberg Forschungsaufenthalte führten den früheren Heisenberg-Stipendiaten vor seiner Berufung unter anderem an die University of Wisconsin in Madison (USA) und an das Institute of Cancer Biology der Danish Cancer Society in Kopenhagen.

Alwin Krämer ist Mitglied und z.T. Vorsitzender von CUP-bezogenen Gremien bei der World CUP Alliance, der European Society for Medical Oncology (ESMO), der World Health Organisation (WHO) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). 

2010 erhielt Krämer den Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft Internistischer Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft, 2004 den Vincenz-Czerny-Preis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.

Quelle: Pressemitteilung der Paul-Martini-Stiftung

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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