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Krebsprävention: Diskrepanzen zwischen Wissen und Selbsteinschätzung

Eine lächelnde Frau in einem modernen Büro spricht mit einem Mann, während sie Notizen auf einem Klemmbrett macht. Im Hintergrund sind weitere Personen und Büromöbel sichtbar.

Zwei Befragungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigen: In der Bevölkerung wird das persönliche Krebsrisiko häufig unterschätzt – gleichzeitig bestehen Wissenslücken über Krebsursachen und Krebsrisikofaktoren. Verlässliche und verständliche Informationen sind gefragt.

Nur 12 Prozent der Menschen in Deutschland schätzen ihr persönliches Krebsrisiko als eher oder sehr hoch ein – dabei erhält tatsächlich fast jeder Zweite in Deutschland im Laufe seines Lebens eine Krebsdiagnose. Gleichzeitig fühlen sich 61 Prozent gut oder sehr gut über Krebsvorbeugung und 62 Prozent über Krebsfrüherkennung informiert. Das zeigt eine bevölkerungsrepräsentative Befragung des Deutschen DKFZ mit 1.581 Menschen ab 16 Jahren.

Auch bei der Beurteilung des eigenen Lebensstils zeigt sich eine Diskrepanz: Zwei Drittel der Befragten bewerten ihre Lebensweise als gesund oder sehr gesund, gleichzeitig berichtet ein erheblicher Anteil von Bewegungsmangel, Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum oder Tabakkonsum.

„Information ist wichtig, aber nicht ausreichend, um Verhaltensänderungen zu bewirken. Viele Menschen fühlen sich gut informiert und halten ihre Lebensweise für gesund – gleichzeitig unterschätzen sie offenbar Risiken in ihrem Lebensstil. Für wirksame Prävention reicht es deshalb vermutlich nicht, allgemeines Wissen zu vermitteln. Entscheidend ist, den Bezug zum eigenen Risiko und zum eigenen Verhalten herzustellen“, betont Ursula Will, Autorin der Studie. 

Wie gut Menschen einzelne Krebsrisikofaktoren kennen, untersuchte die CLARO-Studie. Dafür wurden 1.232 Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart befragt. Die überwiegende Mehrzahl erkannten Rauchen, Passivrauchen, Bewegungsmangel und Sonnenbrände als Krebsrisiken. Andere wissenschaftlich belegte Risikofaktoren waren dagegen deutlich weniger bekannt. Auch verschiedene Falschinformationen zur Krebsentstehung –beispielsweise die Nutzung von Plastiktrinkflaschen, Deosprays oder der Konsum genetisch modifizierter Lebensmittel als Krebsursache – wurden von den meisten Befragten nicht als solche erkannt.

Bei der Suche nach Informationen spielen unterschiedliche Quellen eine Rolle. In der CLARO-Studie waren Suchmaschinen im Internet die am häufigsten genutzte Informationsquelle, gefolgt von Gesundheitsfachkräften. In der bevölkerungsrepräsentativen Befragung wurden Ärztinnen und Ärzte am häufigsten als bevorzugte Ansprechpartner für Informationen genannt. Für die Bewertung von Gesundheitsinformationen waren insbesondere deren Vertrauenswürdigkeit und fachliche Überprüfung durch Expertinnen und Experten wichtig.

„Wir zeigen, dass Menschen bei Gesundheitsinformationen großen Wert auf wissenschaftliche Expertise und vertrauenswürdige Institutionen legen“, sagt Florian Herbolsheimer, einer der Leiter der CLARO-Studie. „Umso wichtiger ist es, qualitätsgesicherte Informationsangebote sichtbarer zu machen und ihren Zugang sowie ihre Vermittlung weiter zu verbessern“, ergänzt Mona Illmann, Erstautorin der Studie.

In der CLARO-Studie fühlte sich jede zweite befragte Person durch die Vielzahl an teils widersprüchlichen Informationen und Empfehlungen zur Krebsvorbeugung verunsichert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine solche wahrgenommene Informationsüberforderung mit einer geringeren Kenntnis tatsächlicher Krebsrisikofaktoren einhergeht.

Beide Befragungen zeigen übereinstimmend: Zwischen dem Gefühl, gut informiert zu sein, dem Wissen über konkrete Krebsrisiken und der Einschätzung des eigenen Risikos bestehen oft Diskrepanzen. Umso wichtiger ist es, dass Menschen einfach erkennen können, ob Informationen wissenschaftlich belegt, vertrauenswürdig und für die eigenen Lebensrealität relevant sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die persönliche Beratung durch Ärztinnen und Ärzte. 

Publikationen:
Gaisser A, Will U (2026) Krebsprävention in der deutschen Bevölkerung: Risikowahrnehmung, Einstellung, Lebensstil und Informationsbedarf. Forum 5/2026. DOI: 10.1007/s12312-026-01616-4

Illmann M, Steindorf K, Haussmann A and Herbolsheimer F (2026) Cancer prevention in Germany: awareness, beliefs, and information-seeking behaviors in a population-based survey. Front. Public Health, 2026; DOI: 10.3389/fpubh.2026.1868556

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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