Nr. 50

Krebs verhindern: Expertinnen und Experten legen konkrete Maßnahmen vor - Politik jetzt am Zug

Krebspräventionsgipfel

Deutsche Krebshilfe und Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) stellen Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels vor.

 

Wie lässt sich die Krebsprävention in Deutschland wirksam stärken? Konkrete Maßnahmen und Ideen liefert der gerade veröffentlichte Ergebnisbericht des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels von Deutscher Krebshilfe und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ). Rund 50 Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft hatten im Juni 2026 am Gipfel teilgenommen und ihre Expertise eingebracht. Die politischen Signale zur Stärkung der Prävention stimmen zuversichtlich.

 

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrums

„Wir wissen heute so viel wie nie zuvor darüber, wie Krebs verhindert werden kann. Aber wir schaffen es noch nicht, dieses Wissen umzusetzen“, so Prof. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. „Die Ergebnisse des Krebspräventionsgipfels zeigen sehr konkret, an welchen Stellen politisches Handeln erforderlich ist. Jetzt müssen die politischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um dieses Wissen konsequent in die Praxis zu überführen,“ ergänzt Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). 

Krebsprävention stärken – Gipfel erarbeitet Maßnahmen

Im Mittelpunkt des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels standen sechs zentrale Handlungsfelder. Die beteiligten Expert:innen empfehlen unter anderem, Prävention politisch ressortübergreifend stärker zu verankern, die Erfahrungen erfolgreicher Modellprojekte bundesweit nutzbar zu machen, Schulen stärker in den Blick zu nehmen, lokale Präventionsstrukturen auszubauen und den volkswirtschaftlichen Nutzen von Prävention systematisch sichtbar zu machen.

Ein starker Hebel sind zudem Maßnahmen, die es den Menschen leichter machen, sich gesundheitsbewusst zu verhalten – die so genannte Verhältnisprävention. Hier sehen viele Fachleute erheblichen politischen Nachholbedarf. Beispielsweise werden Tabak und Alkohol in Deutschland deutlich geringer besteuert als in anderen europäischen Ländern, in denen sich höhere Steuern als Lenkungsmaßnahme bewährt haben. Bei der Veranstaltung fand Prof. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung deutliche Worte: Tabak verursache allein im Gesundheitswesen Kosten von 30 Milliarden Euro pro Jahr, welche in Form von Steuererhöhungen auf Rauchende umgelegt werden müssten. Gleichzeitig erinnerte er an das Potenzial der Krebsprävention. Vier von zehn Krebserkrankungen könnten durch kluge Prävention verhindert werden – diese Zahl sieht er als Verpflichtung. 

Politik signalisiert größere Offenheit für Prävention

Beim Gipfel wurde deutlich, dass Krebsprävention auf wachsendes politisches Interesse stößt. Johannes Wagner, MdB Bündnis90/ Die Grünen kündigte die Gründung eines fraktionsübergreifenden ‚Parlamentskreis Prävention‘ an, um Prävention auf parlamentarischer Ebene zu stärken – was Ende Juni 2026 bereits in die Tat umgesetzt wurde. Kurze Zeit später startete das Bundesgesundheitsministerium eine Präventionsoffensive. 

Dies sehen die Veranstalter als wichtige Signale. Zugleich betonen sie, dass die Herausforderungen im Bereich der Krebsprävention nicht durch einzelne Projekte oder Modellvorhaben gelöst werden können. „Jetzt braucht es den politischen Willen, Prävention konsequent und langfristig zu stärken. Wir erwarten, dass die neue Offenheit für das Thema auch unter der neuen Führung im Bundesgesundheitsministerium in konkrete Entscheidungen mündet“, sagt Schmutzler. 

Prävention ist eine Investition in Gesundheit und Zukunft

Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen gelten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als vermeidbar. Gleichzeitig stehen die Gesundheitssysteme zunehmend unter finanziellem Druck. „Die Kosten im Gesundheitssystem explodieren – gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Prävention zu stärken“, sagt Baumann. „Wer Prävention fördert, senkt nicht nur das Risiko für Krebs und viele weitere nichtübertragbare Krankheiten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitswesen und die sozialen Sicherungssysteme. Wir brauchen eine Präventionsdekade, die Präventionskonzepte systematisch wissenschaftlich weiterentwickelt und in die Anwendung überführt.“

Mit dem Nationalen Krebspräventionsgipfel wollen Deutsche Krebshilfe und DKFZ den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik weiter stärken. Die beim Gipfel erarbeiteten Maßnahmen sollen in politische Entscheidungsprozesse auf Bundes- und Länderebene eingebracht werden.

Weitere Informationen sowie die Ergebnisse des 2. Nationalen Krebspräventionsgipfels finden Sie hier.

Über den Nationalen Krebspräventionsgipfel
Der Nationale Krebspräventionsgipfel wurde 2025 vom DKZF und der Deutschen Krebshilfe initiiert mit dem Ziel, eine langfristige und tragfähige Krebspräventionsstrategie für Deutschland zu entwickeln. Der Gipfel findet einmal jährlich statt, um die Umsetzung und Wirkung der Handlungsempfehlungen unabhängig zu überprüfen, kontinuierlich weiterzuentwickeln und dabei an den jeweils aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen.

Beim 2. Nationalen Krebspräventionsgipfel von Deutscher Krebshilfe und DKFZ am 10. Juni 2026 kamen rund 50 Entscheider:innen aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft im Tagesspiegel-Verlagshaus in Berlin zusammen und entwickelten die im Vorjahr erarbeiteten Handlungsempfehlungen für die Politik weiter. Best-Practice-Beispiele aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens dienten als Grundlage, um übertragbare Erfolgsfaktoren zu identifizieren und daraus konkrete Handlungspfade für Bund und Länder zu entwickeln.

Über das Nationale Krebspräventionszentrum 
Das Nationale Krebspräventionszentrum wurde 2019 vom DKFZ und der Deutschen Krebshilfe im Rahmen einer langfristig angelegten strategischen Partnerschaft initiiert. Es bündelt die Forschungsaktivitäten des DKFZ unter einem Dach und vereint Forschung, Aus- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Politikberatung und Outreach. Das Nationale Krebspräventionszentrum ist damit eine zentrale Einrichtung für die Weiterentwicklung und den Ausbau der Krebsprävention in Deutschland. Die Deutsche Krebshilfe fördert den Aufbau des Nationalen Krebspräventionszentrums mit 25 Millionen Euro.

Weitere Informationen unter: www.krebspraevention.de

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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