Prof. Dr. Bettina Rockenbach, Präsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sagte:
„Prävention ist von zentraler Bedeutung, nicht nur für ein möglichst gesundes langes Leben, sondern auch zur Stabilisierung unseres Gesundheitssystems. Prävention ist eine Zukunftsaufgabe, die weit über das Gesundheitswesen hinausgeht und viele Gesellschaftsbereiche betrifft. Wichtige Faktoren, die die Gesundheit wirksam fördern und bestimmte Krankheiten verhindern sind wissenschaftlich gut erforscht – was uns fehlt, ist eine gemeinsame Strategie zur konsequenten Umsetzung. Dies gilt es jetzt anzugehen.“
Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), erklärte: „Rund 40 Prozent aller Krebsneuerkrankungen wären nach heutigem Wissensstand vermeidbar. Leider schaffen wir es nach wie vor nicht, dieses Potenzial zu nutzen. Was jeder Einzelne tun kann, um sein Krebsrisiko zu senken, ist seit langem bekannt – wir scheitern aber daran, dieses Wissen in die Anwendung bringen. Das Nationale Krebspräventionszentrum bauen wir in strategischer Allianz mit der Deutschen Krebshilfe genau mit diesem Ziel auf. Es kann eine Blaupause auch für andere vermeidbare Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz oder Herz-Kreislaufleiden dienen.“
Prof. Dr. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, sagte: „Hinter jeder verhinderten Krebserkrankung steht ein Mensch, dem Leid, belastende Therapien und oft auch existenzielle Ängste erspart bleiben. Prävention bedeutet deshalb weit mehr als die Vermeidung von Krankheit – sie bedeutet mehr Lebensqualität, mehr Lebenszeit und mehr Gesundheit für Millionen Menschen. Dieses Potenzial müssen wir endlich entschlossener nutzen – und dazu brauchen wir die Politik, wir brauchen eine verbindliche politischen Koordination für die Prävention.“
Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, sagte: „Deutschland braucht einen gesundheitsorientierten Kulturwandel, der Prävention über Reparatur stellt – nicht nur in der Gesundheitspolitik, sondern in allen politischen Bereichen. Gesundheit ist nicht nur mitzudenken, sondern sollte als verbindliche Zielgröße für ressortübergreifendes politisches Handeln in allen Politikbereichen verankert werden.“
Die vier Organisationen appellieren an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine wirksame und nachhaltige Präventionspolitik zu schaffen. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen erfordere einen gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel, der Verhältnis- und Verhaltensprävention konsequent zusammendenkt. Davon würden nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung profitieren, sondern auch die Innovations- und Leistungsfähigkeit Deutschlands insgesamt.
Der parlamentarische Abend „Prävention im Mittelpunkt – Maßnahmen für einen gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel“ fand am 8. September 2026 in Berlin statt.
Das gemeinsame Statement ist hier abrufbar.
Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet. www.leopoldina.org
Über den Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat (WR) ist das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland. In ihm entwickeln Politik und Wissenschaft gemeinsam Vorschläge, die das Wissenschaftssystem stärken. Der WR setzt Themen und initiiert Diskussionen, die der Weiterentwicklung der Wissenschaft und Gesellschaft dienen. Durch die Evaluation und Akkreditierung von Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen sichert der Wissenschaftsrat die Qualität und Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems. In der Exzellenzstrategie ist der WR für die Auswahl der Exzellenzuniversitäten verantwortlich und trägt damit zu Innovationen an deutschen Hochschulen und ihrer internationalen Sichtbarkeit bei.