Nr. 49

Dreifacher ERC-Erfolg am Deutschen Krebsforschungszentrum

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Gleich drei Forschende am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erhalten dieses Jahr einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Daniel Kirschenbaum, Lena Kutscher und Michael Scherer überzeugten mit innovativen Forschungsansätzen zu grundlegenden Fragen der Krebsmedizin. Mit den Fördermitteln wollen sie untersuchen, warum bestimmte Hirntumoren bei Jungen häufiger auftreten als bei Mädchen, wie Hirntumoren die Immunabwehr ausbremsen und welche epigenetischen Eigenschaften Krebszellen resistent gegen Medikamente machen.

Die Fördermittel des Europäischen Forschungsrats (ERC) gelten als Ritterschlag für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen. Mit seinen „Starting Grants“ will der ERC exzellenten Nachwuchsforschern den Weg in eine unabhängige Karriere ebnen. Die Förderung ermöglicht ihnen, über einen Zeitraum von fünf Jahren besonders innovative und risikoreiche Forschungsfragen zu verfolgen und wissenschaftliches Neuland zu betreten.

Ein Mann in einem weißen Laborkittel steht in einem modernen Labor. Er trägt eine Brille und schaut direkt in die Kamera. Der Hintergrund zeigt Geräte und Laborelemente, die auf eine wissenschaftliche Umgebung hinweisen.

Daniel Kirschenbaum: Die Immunabwehr gegen Hirntumoren in Raum und Zeit beobachten

Bei soliden Tumoren wie z.B. dem Glioblastom dringen T-Zellen häufig nicht weit genug in den Tumor ein, um die Erkrankung wirksam bekämpfen zu können. Daniel Kirschenbaum möchte mit „VideoTranscriptomics“ sichtbar machen, wann, wo und durch welche Signale die Abwehrzellen aufgehalten werden. Dabei setzt er auf Einzelzell-Analysen, um auch lokal und zeitlich begrenzte Signale zu erfassen. Er verbindet räumliche Genexpressionsanalysen mit einer von ihm entwickelten Methode, die Veränderungen von Immunzellen über die Zeit erfasst, und mit einer Mikroskopietechnik, die T-Zellen im lebenden Gewebe verfolgt. So soll eine Art molekularer Film der Immunreaktion entstehen. Ziel ist es, frühe, bislang übersehene Schaltstellen zu identifizieren, an denen sich die Blockade der T-Zellen lösen und die Wirkung von Immuntherapien verbessern lässt.

Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Weizman Institute of Science (Rehovot, Israel) leitet der Neuropathologe Daniel Kirschenbaum seit Anfang 2025 die Nachwuchsforschungsgruppe Immundynamik und Krebs am DKFZ.

Portrait von Lena Kutscher

Lena Kutscher: Warum erkranken Jungen häufiger an bestimmten Hirntumoren?

Jungen erkranken etwa doppelt so häufig wie Mädchen an Medulloblastomen der Gruppen 3 und 4. Lena Kutscher untersucht im Projekt „MB² – Male bias in medulloblastoma, ob dafür bereits die hormonellen Bedingungen während der vorgeburtlichen Entwicklung entscheidend sind. Erste Daten ihres Teams sprechen dafür, dass Androgene, die männlichen Geschlechtshormone, die Zahl bestimmter Vorläuferzellen im Kleinhirn erhöhen, aus denen später diese Tumoren entstehen können. Mit Mausmodellen, menschlichen Hirnorganoiden und patientenabgeleiteten Tumormodellen will Kutscher klären, wie Hormone Tumorentstehung und -wachstum beeinflussen – und damit die biologischen Ursachen geschlechtsspezifischer Krebsrisiken aufdecken. 

Die Molekularbiologin Lena Kutscher wechselte 2018 von der Rockefeller University ans DKFZ, wo sie seit 2025 die Emmy-Noether Nachwuchsgruppe Entwicklungsbiologische Ursprünge pädiatrischer Krebserkrankungen am Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg leitet.

Portrait von Michael Scherer

Michael Scherer: Warum überleben manche Krebszellen eine Therapie?

Warum sprechen manche Krebszellen auf ein Medikament an, während andere überleben und später einen Rückfall verursachen? Michael Scherer geht mit „EPI-SENSOR“ der Hypothese nach, dass nicht nur Mutationen, sondern bereits vorhandene epigenetische Unterschiede über die Therapieempfindlichkeit entscheiden. Am Beispiel der akuten myeloischen Leukämie (AML) will er DNA-Methylierung, Mutationen, Zellzustand und sogar die aufgenommene Medikamentenmenge erstmals gemeinsam in einzelnen Zellen erfassen. Langfristig sollen daraus DNA-Methylierungssignaturen und ein diagnostisches Verfahren entstehen, mit denen sich vorhersagen lässt, welche Patientinnen und Patienten von einer bestimmten Therapie profitieren könnten.

Nach seinem Postdoc am Centre for Genomic Regulation in Barcelona wechselte Michael Scherer 2024 ans DKFZ, um die Arbeitsgruppe Computational and Single-Cell Epigenomics aufzubauen.

Fotos der neuen ERC Starting Grant-Holder zum Download:

Daniel Kirschenbaum: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Skoe/Pressemitteilungen/2026/Kirschenbaum.jpg 
Quelle: M. Stark/DKFZ

Lena Kutscher: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Skoe/Pressemitteilungen/2026/Lena_Kutscher_F_Arnskoetter.jpg
Quelle: F. Arnskötter/UKHD

Michael Scherer: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Skoe/Pressemitteilungen/2026/Michael_Schrere_ERC_Starting_Grant.jpg
Quelle: K. Gös/DKFZ

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Über das DKFZ

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

  • Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
  • Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
  • Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
  • DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
  • Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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