Die Fördermittel des Europäischen Forschungsrats (ERC) gelten als Ritterschlag für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen. Mit seinen „Starting Grants“ will der ERC exzellenten Nachwuchsforschern den Weg in eine unabhängige Karriere ebnen. Die Förderung ermöglicht ihnen, über einen Zeitraum von fünf Jahren besonders innovative und risikoreiche Forschungsfragen zu verfolgen und wissenschaftliches Neuland zu betreten.
Dreifacher ERC-Erfolg am Deutschen Krebsforschungszentrum
Gleich drei Forschende am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erhalten dieses Jahr einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Daniel Kirschenbaum, Lena Kutscher und Michael Scherer überzeugten mit innovativen Forschungsansätzen zu grundlegenden Fragen der Krebsmedizin. Mit den Fördermitteln wollen sie untersuchen, warum bestimmte Hirntumoren bei Jungen häufiger auftreten als bei Mädchen, wie Hirntumoren die Immunabwehr ausbremsen und welche epigenetischen Eigenschaften Krebszellen resistent gegen Medikamente machen.
Daniel Kirschenbaum: Die Immunabwehr gegen Hirntumoren in Raum und Zeit beobachten
Bei soliden Tumoren wie z.B. dem Glioblastom dringen T-Zellen häufig nicht weit genug in den Tumor ein, um die Erkrankung wirksam bekämpfen zu können. Daniel Kirschenbaum möchte mit „VideoTranscriptomics“ sichtbar machen, wann, wo und durch welche Signale die Abwehrzellen aufgehalten werden. Dabei setzt er auf Einzelzell-Analysen, um auch lokal und zeitlich begrenzte Signale zu erfassen. Er verbindet räumliche Genexpressionsanalysen mit einer von ihm entwickelten Methode, die Veränderungen von Immunzellen über die Zeit erfasst, und mit einer Mikroskopietechnik, die T-Zellen im lebenden Gewebe verfolgt. So soll eine Art molekularer Film der Immunreaktion entstehen. Ziel ist es, frühe, bislang übersehene Schaltstellen zu identifizieren, an denen sich die Blockade der T-Zellen lösen und die Wirkung von Immuntherapien verbessern lässt.
Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Weizman Institute of Science (Rehovot, Israel) leitet der Neuropathologe Daniel Kirschenbaum seit Anfang 2025 die Nachwuchsforschungsgruppe Immundynamik und Krebs am DKFZ.