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Für eine gesündere Zukunft

Warum wird der eine krank, der andere aber bleibt gesund? Deutschlands größte Gesundheitsstudie möchte diese und viele weitere Fragen zu Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt beantworten.

200.000 Probanden soll die NAKO-Gesundheitsstudie bis zum Jahr 2019 umfassen. Nach dem Zufallsprinzip aus den Melderegistern gezogene Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren können an der Studie teilnehmen. Sie durchlaufen in einem der 18 Studienzentren in ganz Deutschland ein umfangreiches medizinisches Untersuchungsprogramm und werden zu ihren Lebensumständen befragt. Ziel ist, herauszufinden, was Menschen krank macht und was sie gesund bleiben lässt. Denn der individuelle Lebensstil hat einen Einfluss darauf, ob sich Krankheiten wie Krebs, Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, aber auch Rheuma oder Depressionen entwickeln – oder eben nicht. Kennt man die Faktoren, die Krankheiten begünstigen oder eher verhindern, lassen sich Prävention und Früherkennung entscheidend verbessern.


Doch warum ist eine so hohe Probandenzahl überhaupt notwendig? Die Forscher können dadurch auch etwas über die Ursachen seltener Erkrankungen herausfinden. Eine wichtige Rolle spielen dabei die insgesamt etwa 28 Millionen Bioproben, die die Wissenschaftler im Laufe der Studie sammeln werden. Blut-, Urin- oder auch Speichelproben sollen offenlegen, wie sich zum Beispiel der Stoffwechsel oder der Hormonhaushalt verändern, während sich eine Krankheit entwickelt. Das nachfolgende Beispiel soll verdeutlichen, wie das funktionieren kann.

Ein Biomarker für Eierstockkrebs

Allen Teilnehmern der NAKO wird beim ersten Termin eine Blutprobe entnommen. Diese soll unter anderem dazu dienen, potentielle Biomarker zu identifizieren, die schon früh auf schwere Erkrankungen hindeuten. Bestimmte Moleküle im Blut könnten beispielsweise anzeigen, dass eine Person an Krebs erkrankt ist, noch bevor Symptome auftreten, die Anlass für einen Arztbesuch geben. Das würde die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich erhöhen. Denn viele Krebsarten sind vor allem deshalb so schwer zu behandeln, weil sie erst zu einem späten Zeitpunkt entdeckt werden, wenn der Tumor beispielsweise schon Metastasen gebildet hat.


Bei der Suche nach solchen Biomarkern besteht unter anderem folgendes Problem: Ist die Krankheit bereits so weit fortgeschritten, dass sie Symptome verursacht, befinden sich zwar Moleküle im Blut, die man bei gesunden Personen nicht nachweisen kann, sie sind aber meist unspezifisch. Tumoren rufen zum Beispiel oft Entzündungsreaktionen hervor, wodurch Moleküle ins Blut gelangen, die in erster Linie mit der Entzündung zusammenhängen, aber nicht eindeutig auf den Tumor hindeuten.


Bei einer Studie wie der NAKO führt allein die große Teilnehmerzahl dazu, dass sich bei einigen Personen zum Zeitpunkt der Blutabnahme bereits Vorstufen oder frühe Stadien einer Krebserkrankung entwickelt haben. Diese Personen wissen noch nicht, dass sie erkrankt sind oder zu erkranken drohen. In ihrem Blut befinden sich nun möglicherweise Moleküle, die für diesen Zeitpunkt der Erkrankung charakteristisch sind. Bis der Krebs zufällig oder aufgrund von Beschwerden entdeckt wird, vergehen in vielen Fällen aber noch Monate oder sogar Jahre. Im weiteren Verlauf der Studie suchen die Forscher dann in den eingelagerten Blutproben nach Molekülen, die etwa bei allen an Prostatakrebs erkrankten Männern nachweisbar sind, nicht aber bei einer vergleichbaren Gruppe von Männern, die gesund blieben.


Während Prostatakrebs vergleichsweise häufig auftritt, gibt es aber auch Krebserkrankungen, die seltener sind. Dazu zählt Eierstockkrebs. Die NAKOWissenschaftler haben auf der Basis von Krebsstatistiken errechnet, dass unter den 100.000 Frauen, die an der Studie teilnehmen, in den ersten 20 Jahren etwa 600 an dieser Krebsart erkranken werden. Die Zahl der erwarteten Brustkrebsfälle liegt im Vergleich dazu bei 4.000. Einen Biomarker, der dazu dienen soll, den Krebs früh zu erkennen, findet man häufig nur in einem relativ kleinen Zeitfenster, etwa ein bis zwei Jahre vor der Diagnose. In genau diesen Zeitraum muss die Blutentnahme fallen. Einen potentiellen Marker werden die Wissenschaftler deshalb nur bei etwa 40 Frauen finden können.


Für belastbare statistische Analysen ist diese Zahl gerade groß genug. Schließlich ist damit zu rechnen, dass es auch innerhalb der beiden Gruppen, die die Forscher miteinander vergleichen – in diesem Fall Frauen mit und ohne Eierstockkrebs – zu individuellen Abweichungen kommt.

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