Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Wertanlagen für die Forschung – die NCT Gewebebank

Mitarbeiter der Gewebe- und Liquidbank des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sammeln und archivieren Proben von Krebspatienten – etwa Gewebe, Blut oder Urin. Das Material stellen sie anschließend der Forschung zur Verfügung.

© NCT

In einem Keller des Pathologischen Instituts der Universität Heidelberg reihen sich Gefrierschränke aneinander. Sie beherbergen ein kostbares Gut: Gewebeproben, die dort als Teil einer Biobank lagern. Die NCT Gewebebank wurde zeitgleich mit dem NCT Heidelberg im Jahr 2004 gegründet. Deren Aufgabe bestehe jedoch nicht nur darin, das Material zu lagern, betont die Leiterin Esther Herpel: „Wir möchten es für die Wissenschaft bereitstellen." Das Gewebe stammt von Krebspatienten, denen es im Rahmen der Therapie oder Diagnose entnommen wurde. Sie sind einverstanden, dass Material, das die Ärzte nicht für diagnostische Zwecke brauchen, für zukünftige Studien zur Verfügung steht. Bis es soweit ist, konservieren es Mitarbeiter der Gewebebank bei minus 80 Grad Celsius.

Zusätzlich zu dem eingefrorenen Material, können Forscher auch auf in Paraffin eingebettetes Gewebe zurückgreifen. „Dabei handelt es sich um Proben, die nach Abschluss aller diagnostischen Prozesse während der Krankenversorgung übrig bleiben", berichtet Herpel. Das zugehörige Archiv des Pathologischen Instituts ist inzwischen gut bestückt: „Im Jahr haben wir circa 60.000 Fälle. Pro Fall lagern hier durchschnittlich vier bis fünf Paraffinblöckchen – und das von Patienten der letzten 30 Jahre. Der Keller ist also gut gefüllt." Doch das Aufheben lohnt sich: Um unterschiedliche Tumorstadien zu erforschen, ist das Paraffin-Archiv eine wertvolle Quelle.

Genauso wertvoll ist auch die Liquidbank, der zweite Pfeiler der NCT Biobank. „Kurz nach der Gründung der Gewebebank haben wir erkannt, dass es auch sinnvoll ist, Flüssigproben wie Plasma, Serum, Vollblut und Urin oder Speichel zu archivieren", sagt Romy Kirsten. Sie koordiniert die Liquidbank, die seit 2011 besteht. Wie in der Gewebebank stehen auch hier die Proben von Krebspatienten für Forschungsanliegen bereit.

Mithilfe solcher umfangreichen Kollektive aus Flüssig und Gewebeproben suchen Wissenschaftler etwa nach genetischen Faktoren von Krebserkrankungen. Oder sie fahnden nach bestimmten Molekülen in den Tumoren, die eine präzise Diagnose ermöglichen. In den vergangenen Jahren hat die Biobank des NCT Heidelberg bereits über 2.500 Projekte mit Probenensembles versorgt. Für Forscher des DKFZ, des Universitätsklinikums Heidelberg sowie der Thoraxklinik sind sämtliche Serviceleistungen der Biobank kostenlos. Die immer größer werdenden Kollektive und die hohe Qualität der Proben seien für das NCT Heidelberg als Schnittstelle zwischen Klinik und Forschung sehr wertvoll, wie beide Wissenschaftlerinnen betonen.


// Janosch Deeg

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