Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Impfen gegen Krebs

Kann man sich gegen Krebs genauso schützen wie gegen Mumps oder Masern? Wenn von Impfungen gegen Krebs die Rede ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn es gibt sowohl vorbeugende als auch therapeutische Ansätze.

Eine Impfung gegen Krebs klingt nach der perfekten Strategie im Kampf gegen diese bedrohliche Krankheit: Ein kleiner Piks und das Problem ist gelöst. Obgleich dies für die meisten Krebserkrankungen auf lange Zeit vermutlich nur ein Traum bleiben wird, ist eine vorbeugende Impfung gegen bestimmte Krebsarten schon heute möglich – wenn diese durch Viren ausgelöst werden. Professor Harald zur Hausen, Nobelpreisträger und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), wies mit seiner Arbeitsgruppe nach, dass humane Papillomviren (HPV) an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten beteiligt sind. Inzwischen stehen Impfstoffe gegen einige Typen dieses Virus zur Verfügung: Das Risiko einer Erkrankung sinkt durch die Impfung beträchtlich.

Spuren des Virus entdecken

Angelika Riemer und Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
© Schwerdt/DKFZ

Hat das Virus allerdings die Zellen bereits infiziert, bleibt eine Schutzimpfung wirkungslos. Solchen Patienten möchte Privatdozentin Dr. Angelika Riemer helfen. Die Leiterin der DKFZ-Nachwuchsgruppe „Immuntherapie und -prävention“ arbeitet an einem HPV-Impfstoff, der nach Ausbruch der Krankheit zum Einsatz kommen kann. „Durch die therapeutische Impfung soll das Immunsystem in einer Weise stimuliert werden, dass es die infizierten Krebszellen erkennt und abtötet“, erklärt Riemer. Dazu müssen die Immunzellen allerdings verräterische Spuren des Virus entdecken. „Die infizierten Zellen präsentieren auf ihrer Oberfläche Bruchstücke des Virus, das in ihnen steckt. Welche Bruchstücke das sind, können wir mit Hilfe einer neu entwickelten Methode herausfinden.“ Bei den Virusbestandteilen, die hier im Fokus stehen, handelt es sich um kurze Eiweißabschnitte. Mit diesen möchte die Immunologin zukünftig Killerzellen gezielt gegen virusinfizierte, entartete Zellen aktivieren.

Die Eiweiße, aus denen das Virus zusammengesetzt ist, sind bekannt. Welche Bruchstücke aber von den infizierten Zellen präsentiert werden, hängt vom Immunsystem des Patienten ab, genauer gesagt von seinen HLA-Molekülen (Human Leukocyte Antigen) auf der Zelloberfläche: Es gibt sie in Tausenden Varianten, welche jeweils unterschiedliche Bruchstücke präsentieren. Jeder Mensch verfügt über eine ganz individuelle Zusammensetzung von HLA-Molekülen. Angelika Riemer sucht deshalb mit ihrem Team nach Fragmenten des Virus, die Tumorzellen unterschiedlicher Patienten besonders häufig präsentieren. Die Forscherin hat ein Ziel vor Augen: „Wir wollen einen therapeutischen HPV-Impfstoff entwickeln, der unabhängig vom HLA-Typ einsetzbar ist.“ Möglichst viele Erkrankte sollen so von dem Impfstoff profitieren. Mit einer therapeutischen Impfung stünde dann eine neue Therapieform gegen HPV-bedingte Krebsarten zur Verfügung.

Text: Frank Bernard

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