Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Immuntherapie - was ist das?

In den meisten Fällen gelingt es unserem Immunsystem, entartete Zellen so frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen, dass es gar nicht erst zu einer Krebserkrankung kommt. Manche der entarteten Zellen finden aber Wege, sich der körpereigenen Abwehr zu entziehen – und Krebs entsteht. Hier setzt die Immuntherapie an.

1. Wie geht das Immunsystem gegen entartete Zellen vor?

Alle Zellen des Körpers präsentieren auf ihrer Oberfläche Eiweißmoleküle, die widerspiegeln, was in ihrem Innern passiert. Diese Erkennungsmoleküle signalisieren dem Immunsystem zum Beispiel, ob eine Zelle alt oder krank ist. Gewöhnlich zeigen auch Krebszellen über die Eiweiße an ihrer Oberfläche an, dass sie nicht mehr gesund sind. Die Immunabwehr erkennt und zerstört diese Zellen – und verhindert damit ihre unkontrollierte Vermehrung.

2. Warum kann trotzdem Krebs entstehen?

Meist unterscheiden sich die Oberflächenmoleküle der Krebszellen nur geringfügig von denen gesunder Zellen. Zudem können sich Erkennungsmerkmale im Laufe der Zeit verändern oder sogar ganz verschwinden. Auf der Oberfläche einer Krebszelle sind dann keine Eiweiße mehr vorhanden, die dem Immunsystem zeigen, dass es diese Zelle beseitigen muss. Die Krebszelle ist also für die körpereigene Abwehr unsichtbar geworden. Manchen Krebszellen gelingt es auch, die vorhandenen Abwehrreaktionen aktiv zu unterdrücken. Selbst wenn die Zellen vom Immunsystem als entartet erkannt werden, bleibt ein Angriff aus. Die Krebszellen können sich  ungestört weiter vermehren

3. Wodurch unterschiedet sich die Immuntherapie von einer klassischen Behandlung bei Krebs?

Klassische Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Bestrahlung können Krebszellen nicht spezifisch bekämpfen. Meist wird bei einer solchen Therapie auch gesundes Gewebe angegriffen. Die Chemotherapie beispielsweise nimmt alle Zellen ins Visier, die sich häufig teilen und dadurch schnell vermehren. Das sind in erster Linie Krebszellen, aber auch gesunde Zellen, etwa Schleimhautzellen oderHaarfollikel. Mit einer Immuntherapie versuchen Mediziner hingegen, spezifisch nur Krebszellen zu zerstören. Dafür nutzen sie das bestehende Abwehrsystem des Patienten.

4. Welche Strategien gibt es in der Immuntherapie?

Wissenschaftler erforschen unterschiedliche Strategien, um die Immunabwehr gegen den Krebs in die richtigen Bahnen zu lenken. Hier sind einige Beispiele:

  • Therapeutische Antikörper verhindern, dass die Krebszellen die Immunabwehr blockieren. (Mehr dazu im Beitrag "Den Krebs enttarnen")
  • Erkennungsmoleküle, die ausschließlich auf Krebszellen vorkommen, werden dem Patienten geimpft. Das immunsystem bekämpft daraufhin Zellen mit genau diesen Erkennungsmolekülen. (Mehr dazu im Beitrag "Ein Detail verrät den Feind")
  • Immunzellen des Patienten werden im Labor mit einer Bindestelle für spezifische Strukturen des Tumors versehen. Zurück im Körper heften sich die Zellen zielgerichtet an den Tumor und zerstören ihn.

5. Gibt es eine Impfung gegen Krebs?

Eine vorbeugende Schutzimpfung gegen Krebs ist nur dann möglich, wenn Viren die Erkrankung verursachen oder zumindest begünstigen. Dies ist beispielsweise bei Gebärmutterhalskrebs der Fall. Der Schutz vor einer Infektion mit dem Virus schützt dann gleichzeitig vor dieser Krebsart.Forscher arbeiten aber auch intensiv an Impfungen, die bei bereits bestehenden Krebserkrankungen zum Einsatz kommen sollen – auch solche, an denen Viren nicht beteiligt sind. Der Impfstoff verhindert die Erkrankung dann zwar nicht mehr, leitet jedoch die gezielte Abwehr des Immunsystems gegen die Krebszellen ein.

6. Welche Relevanz hat die Immuntherapie heute in der Krebsbehandlung?

Die Immuntherapie hat in einigen Fällen bereits Einzug in die Praxis gehalten. Insbesondere beim schwarzen Hautkrebs, bei Lungenkrebs, bei Leukämie und einer bestimmten Art von Brustkrebs wirken immuntherapeutische Maßnahmen. Doch selbst bei diesen Tumoren ist die Immuntherapie oft nur eine Ergänzung zu den klassischen Behandlungsmethoden wie Bestrahlung und Chemotherapie. Im Jahr 2013 kam die erste therapeutische Prostatakrebs-Impfung auf den europäischen Markt. Viele andere Therapien befinden sich allerdings noch in der Testphase. Umfangreiche klinische Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit und auch die Risiken von Immuntherapeutika zu untersuchen.

7. Welche Nebenwirkungen gibt es?

Bei einer Immuntherapie werden im Idealfall die gesunden Zellen verschont und nur die Krebszellen durch das Immunsystem attackiert. In der Praxis besteht aber die große Gefahr, dass das Immunsystem als Folge der Behandlung über das Ziel hinausschießt. Werden Bremsen und Sicherungen der Immunabwehr entfernt, kann sich diese auch gegen gesunde Zellen richten. Autoimmunreaktionen mit teils lebensbedrohlichen Auswirkungen können die Folge sein.

8. Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?

Bislang spricht oft nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten auf eine Immuntherapie an. Und selbst das gilt nur für wenige Tumorarten. Die Gründe dafür sind noch nicht ausreichend erforscht. Erst wenn die Forscher verstehen, wie Krebszellen und Immunsystem im Detail miteinander kommunizieren, können sie mit größerer Sicherheit vorhersagen, ob für einen Patienten die passende Therapie zur Verfügung steht.

Text: Laura Brockschmidt

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