Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Der ganze Körper auf einen Blick: neuartiges PET-CT im DKFZ

Nr. 42r | 23.07.2021 | von Koh

Schnellere Aufnahmen mit besserer Bildauflösung bei geringerer Strahlenbelastung: Das soll das vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) neu erworbene PET-CT leisten, das nun vom Hersteller offiziell übergeben wurde. Das Kombigerät, das den ganzen Körper vom Kopf bis zum Oberschenkel auf einmal ins Visier nehmen kann, soll die Krebsdiagnostik und die Therapie-Verlaufskontrolle von Studienpatienten verbessern. Außerdem lassen sich durch die neuen Möglichkeiten der dynamischen Bildgebung viele Fragen beantworten, die bei der Individualisierung von Krebstherapien und bei der Entwicklung neuer Behandlungsformen anfallen.

Letzte Vorbereitungen, dann kann das neue PET-CT im DKFZ in Betrieb genommen werden
© DKFZ

Ab dem 23. Juli, dem Termin der Übergabe durch den Hersteller Siemens Healthineers, ist das DKFZ offizieller Besitzer des neuen PET-CT Geräts Biograph Vision Quadra. Ein PET-CT vereint die Positronen-Emissions-Tomographie, ein nuklearmedizinisches Verfahren, und die auf Röntgenstrahlen beruhende Computertomographie in einem Gerät. Die Informationen aus beiden Aufnahmetechniken, die sich sinnvoll ergänzen, werden in einem Bild fusioniert.

Das Besondere des neu erworbenen PET-CT des DKFZ ist sein großes Gesichtsfeld und seine höhere Empfindlichkeit: „Wir können nun fast 110 cm auf einmal in den Blick nehmen. Das reicht bei den meisten Personen aus, um Aufnahmen vom Scheitel bis zum Oberschenkel zu machen. So kann vom Kopf über den Thorax bis zum Rumpf der gesamte Bereich des Körpers, in dem häufig Krebsmetastasen auftreten, auf einmal untersucht werden – in nur fünf Minuten," sagt Heinz-Peter-Schlemmer, Leiter der Radiologie und Sprecher des Forschungsschwerpunktes Bildgebung und Radiologie im DKFZ. Mit der Vorgängerversion des PET-CT hätte für eine solche Aufnahme eine halbe Stunde veranschlagt werden müssen.

Aufgrund der höheren Empfindlichkeit kann die Strahlenbelastung für den Patienten niedriger gehalten werden. „Das ist besonders wichtig für Untersuchungen an Kindern und für Patienten, bei denen wiederholte PET-CT-Untersuchungen erforderlich sind. Die Verlaufskontrolle bei Krebserkrankungen ist von grundlegender Bedeutung und erfordert präzise Untersuchung mit möglichst geringer Strahlenbelastung", so Schlemmer. Die höhere Empfindlichkeit erlaubt es zudem, kleinere Befunde zu entdecken. Die PET-CT-Diagnostik kann am DKFZ dann mit Spezialaufnahmen an einem PET-MRT ergänzt werden, das räumlich direkt benachbart zur Verfügung steht.

Als besonders vielversprechend bewerten die Ärztinnen und Ärzte im DKFZ die Möglichkeit, mit dem neuen Gerät dynamische Messungen durchzuführen: „Wir können im Minutentakt Messungen aufzeichnen. Das ist ideal, um die Pharmakokinetik neuer Therapeutika zu bestimmen", erklärt Antonia Dimitrakopoulou-Strauss, Nuklearmedizinerin am DKFZ. Denn neben den Untersuchungen von Studienpatienten zur Krebsdiagnostik oder zum Therapieverlauf ist der neue Biograph Vision Quadra für viele Forschungsprojekte eingeplant: So wollen die Wissenschaftler beispielsweise herausfinden, wie sich neue Radiopharmaka, also Wirkstoffe, die mit einer radioaktiven Substanz gekoppelt sind, im Körper verteilen. Werden sie sofort wieder ausgeschieden oder sammeln sie sich in ausreichender Menge im Tumor an, um dort ihre Wirksamkeit entfalten zu können?

„Krebstherapien werden immer individueller. Das heißt, dass wir in Zukunft immer häufiger für einzelne Patienten prüfen werden, ob ein bestimmtes Therapeutikum geeignet ist. Mit dem neuen PET-CT können wir beispielsweise vorab ermitteln, wie aussichtsreich eine Immuntherapie für einen bestimmten Patienten ist: Der Fortschritt in der Radiopharmazie wird es ermöglichen, innovative Medikamente radioaktiv zu markieren und wir schauen nach, ob sie sich am Tumor oder an den Metastasen nachweisen lassen", sagt Dimitrakopoulou-Strauss und fasst zusammen: „Mit dem neuen Gerät können wir in Zukunft viele Fragen besser beantworten, die bei der Individualisierung von Krebstherapien zu klären sind. Auch bei der Entwicklung neuer Therapien kann das Gerät wertvolle Hilfe leisten."

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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