Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Schutz vor Krebs - fast mühelos

Nr. 24k | 22.04.2021 | von jg

Viele Maßnahmen zur Krebsprävention sind unbequem und verlangen Disziplin – ausgewogenes Essen, wenig Alkohol, regelmäßige Bewegung. Dazu bringt nicht jeder die genügende Motivation auf. Aber auch niederschwelligere Möglichkeiten, sich effektiv vor Krebs zu schützen, etwa durch Impfungen, werden längst nicht in vollem Umfang genutzt. Anlässlich der Europäischen Impfwoche vom 26. April bis 2. Mai weist der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums auf das große Schutzpotenzial von Impfungen gegen Krebs hin.

© Tatjana Shepeleva, Shutterstock

Weltweit werden fast ein Fünftel aller Krebserkrankungen von Infektionserregern wie Viren und Bakterien verursacht. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer chronischen Infektion an einem bösartigen Tumor zu erkranken, allerdings wesentlich geringer. Etwa vier von 100 Krebserkrankungen sind hierzulande auf Infektionen zurückzuführen. Zu den wichtigsten Erregern gehören Humane Papillomviren (HPV) und Hepatitis-B-Viren (HBV). Den besten Schutz gegen diese Virusinfektionen und damit gegen ihr krebserregendes Potenzial bieten Impfstoffe.

Teilweise Entwarnung: Nicht jede Infektion führt zu Krebs
Nur ein Bruchteil der mit krebsfördernden Viren infizierten Menschen erkranken tatsächlich an Krebs und das meistens erst nach Jahrzehnten. Die Viren spielen zwar bei der Entstehung bestimmter Krebsarten eine Rolle, doch die Virusinfektion ist nie der alleinige Auslöser für eine Krebserkrankung. Mehrere Faktoren müssen zusammentreffen, damit Krebs entsteht. Dennoch stellen die Viren ein Risiko dar, dem sich dank der Impfung keiner unnötig aussetzen muss.

Impfen bietet den besten Schutz
Humane Papillomviren (HPV) sind die am häufigsten sexuell übertragbaren Viren. Seit 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung gegen die krebserregenden Viren für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Zuvor war sie nur für Mädchen empfohlen. Die Impfung schützt Frauen vor Gebärmutterhalskrebs und – ebenso wie Männer – vor Krebs im Genitalbereich. Beide Geschlechter gleichermaßen werden auch vor weiteren HPV-induzierten Krebsarten geschützt, etwa im Mund- und Rachenraum oder im Darmausgang. Die Impfstoffe gelten als sicher und gut verträglich. Da sie keine aktiven Erreger enthalten, besteht keine Ansteckungs- oder gar Krebsgefahr. Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums: „Obwohl es eine sichere und gut verträgliche Impfung gibt, wird sie zu selten genutzt. Nur 43 Prozent der 15-jährigen Mädchen sind in Deutschland vollständig geimpft." Bei den Jungen ist die Impfquote noch niedriger. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, durch die auch nicht Geimpfte indirekt geschützt wären, wären für beide Geschlechter Impfquoten von 60 bis 70 Prozent erforderlich. Vor diesem Hintergrund widmet sich die 3. Nationale Krebspräventionswoche vom 13. bis 17. September 2021 dem Thema „Impfen gegen Krebs". Die gemeinsame Initiative von DKFZ und Deutscher Krebshilfe möchte Eltern und Jugendliche mit zahlreichen Aktionen motivieren, das Impfangebot wahrzunehmen.

Krebsgefahr auch durch Hepatitis B
Das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit, die Hepatitis B, eine Leberentzündung. Übertragen wird HBV durch intime Kontakte, aber auch durch infiziertes Blut oder Blutprodukte. Das Virus ist wesentlich an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt. Menschen, die an einer chronischen Infektion mit HBV leiden, haben ein hundertfach höheres Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, als nicht infizierte Personen. Eine Hepatitis-B-Infektion gilt auch als möglicher Risikofaktor für Krebs der Gallenwege innerhalb der Leber. Schon seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts die Hepatitis-B-Schutzimpfung als Grundimmunisierung bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Denn während es bei 10 Prozent der erkrankten Erwachsenen zu einem chronischen Krankheitsverlauf kommt, liegt der Anteil bei einer Erkrankung im Säuglings- und Kindesalter bei bis zu 90 Prozent. Die Immunisierung bei Kindern und Jugendlichen sollte möglichst vor der Pubertät erfolgen, spätestens aber bis zum 18. Lebensjahr. Darüber hinaus sollen Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko geimpft werden, zum Beispiel Personen, die im medizinischen Bereich tätig sind, oder Reisende in entsprechende Risikogebiete.

Und was ist mit Hepatitis C?
Auch das Hepatitis-C-Virus (HCV) kann eine Leberentzündung verursachen. Von 100 Patienten mit einer durch HCV hervorgerufenen Zirrhose erkranken zwei bis fünf pro Jahr an Leberkrebs. Gegen das Hepatitis-C-Virus gibt es bisher keine vorbeugende Impfung. Ständig neue Virusvarianten erschweren die Suche nach einem geeigneten Impfstoff. Auch eine schon durchgemachte Hepatitis-C-Infektion stellt keinen sicheren Schutz gegen eine erneute Infektion dar. Die Mehrheit der Hepatitis-C-Infektionen ist heute aber mit Hilfe innovativer, gut verträglicher Medikamente sehr gut behandelbar.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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