Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Einfache Maßnahmen steigern Teilnahmerate an der Darmkrebsvorsorge

Nr. 23 | 07.04.2021

Tests auf verborgenes Blut im Stuhl sind zentraler Bestandteil der Darmkrebsvorsorge. Doch im europäischen Vergleich hinkt Deutschland bei den Teilnahmeraten an dieser wichtigen Untersuchung zur Krebsfrüherkennung weit hinterher. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun systematisch analysiert, welche Maßnahmen dazu beitragen, die Teilnahmeraten am Stuhltest zu steigern – damit mehr Menschen von der lebensrettenden Untersuchung profitieren können.

© Schwerdt/DKFZ

Seit 2019 erhalten alle Krankenversicherten in Deutschland ab dem Alter von 50 Jahren alle fünf Jahre ein persönliches Einladungsschreiben. Darin wird ihnen angeboten, zur Früherkennung von Darmkrebs einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl wahrzunehmen. Alternativ können Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren erstmalig eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

„Der regelmäßig durchgeführte Stuhltest ist ein wichtiger Bestandteil der Darmkrebs-Vorsorge für Menschen, die sich nicht für eine Darmspiegelung als primäre Vorsorge-Untersuchung entscheiden", sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Sie können den Test zwischen 50 und 54 Jahren jährlich, danach alle zwei Jahre durchführen. Doch bislang nehmen in Deutschland nur etwa 10 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen das Testangebot wahr. „Damit hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weit hinterher", beklagt Brenner.

In Deutschland ist die Teilnahme am Stuhltest umständlich: Der Test muss in der Arztpraxis besorgt, zu Hause durchgeführt und wieder in der Praxis abgeben werden, schließlich kann man bei einem erneuten Arzttermin das Ergebnis abfragen. „Das sind zu viele Hürden, um eine breite Nutzung des Angebots zu erreichen", so Brenner.

Doch wie könnte das Einladungsverfahren verbessert werden, damit mehr Menschen den unter Umständen lebendrettenden Test wahrnehmen? Mit einer systematischen Analyse aller veröffentlichter Studien zu dieser Fragestellung haben Laura Gruner und Kollegen aus der Abteilung von Hermann Brenner dies nun untersucht. Das Team wertete 34 internationale Studien daraufhin aus, welche zusätzlichen Maßnahmen zu einer höheren Teilnahmerate am Stuhltest führen.

Am erfolgreichsten war es, den Berechtigten den Test einfach per Post ins Haus zu schicken. Damit ließ sich die Teilnahmerate um bis zu 20 Prozentpunkte steigern. Eine Vorankündigung der Zusendung verbesserte die Teilnahmerate um weitere 3 bis 11 Prozentpunkte, ein Erinnerungsschreiben per Brief oder E-Mail um 9 bis 16 Prozentpunkte. Andere Maßnahmen, etwa verschiedene Infomaterialien oder finanzielle Anreize, führten zu uneinheitlichen Resultaten.

Kombinationen der wirksamen Maßnahmen konnten die Teilnahmeraten teilweise noch weiter steigern, im Falle einer niederländischen Studie sogar auf über 64 Prozent. Hier wurden vorab geschickte Infomaterialien, Postzustellung des Tests und eines frankierten Rückumschlags sowie Erinnerungsschreiben kombiniert.

„Mit diesen relativ einfachen Maßnahmen, die viele unserer europäischen Nachbarländer längst umgesetzt haben, könnten wir deutlich mehr Menschen motivieren, sich an der Darmkrebsfrüherkennung zu beteiligen. Das wäre ein wichtiger erster Schritt für eine bessere Darmkrebsprävention und kann für viele Menschen einen Gewinn an Lebensjahren bedeuten", sagt Michael Baumann, der Vorstandsvorsitzende des DKFZ.

„Es wird allerhöchste Zeit, dass wir in Deutschland das Einladungsverfahren zur Darmkrebsvorsorge flächendeckend verbessern", so Brenner. Gemeinsam mit der AOK Baden-Württemberg konnte der DKFZ-Forscher bereits letztes Jahr in einem Modellversuch zeigen: Die Versicherten nehmen das Angebot dreimal so oft an, wenn sie den Test per Post erhielten und zurückschicken konnten. Brenner erläutert: „Es könnte sogar ausreichen, den Berechtigten eine niederschwellige Option zur Anforderung des Tests zur Verfügung zu stellen. Damit ließen sich Kosten sparen und ungenutzte Test vermeiden. Mit unserer Studie in Baden-Württemberg konnten wir zeigen, dass dieses Angebot annähernd so erfolgreich ist wie der unangeforderte Versand der Tests an alle Berechtigten."

Laura F. Gruner, Efrat L. Amitay, Thomas Heisser, Feng Guo, Tobias Niedermaier, Anton Gies, Michael Hoffmeister, Hermann Brenner: The Effects of Different Invitation Schemes on the Use of Fecal Occult Blood Tests for Colorectal Cancer Screening: Systematic Review of Randomized Controlled Trials Cancers 2021, DOI: https://doi.org/10.3390/cancers13071520

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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