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Prince Mahidol Award für Ralf Bartenschlager

Nr. 54c | 21.11.2019

Die thailändische Prince Mahidol Award-Stiftung ehrt den Heidelberger Virologen für seine erfolgreiche Forschung zum Hepatitis C-Virus. Der Preis wird am 30. Januar 2020 in Anwesenheit einer Prinzessin des thailändischen Königshauses in Bangkok verliehen.

Prof. Dr. Ralf Bartenschlager
© Tobias Schwerdt / DKFZ

Ralf Bartenschlager, der als Virologe am Universitätsklinikum Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum forscht, wird eine weitere große Ehre zuteil: Die thailändische Prince Mahidol Award Stiftung wählte den Wissenschaftler zum diesjährigen Preisträger einer Auszeichnung, die nach Seiner Königlichen Hoheit Prinz Mahidol von Songkla benannt wurde. Bartenschlager erhält den mit 100.000 US-Dollar dotierten Preis im Bereich Medizin für seine Forschung zum Hepatitis C-Virus.

Die Preisverleihung findet am 30. Januar 2020 im Großen Palast in Bangkok statt. Dort wird die Präsidentin der Stiftung, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, dem Preisträger eine Medaille und eine Urkunde überreichen. Prinz Mahidol von Songkla, der Großvater des jetzigen Königs von Thailand, modernisierte das medizinische Versorgungs- und Bildungssystem in Thailand. Die Bevölkerung schätzt ihn deshalb als Vater der modernen Medizin und des öffentlichen Gesundheitswesens. Ihm zu Ehren wurden 1992 die Prince Mahidol Award Stiftung gegründet und ein gleichnamiger Preis eingeführt, der exzellente Leistungen in den Kategorien Medizin und Öffentliches Gesundheitswesen honoriert.
 
Entscheidende Schritte zur Entwicklung von Medikamenten gegen weltweit verbreitete Infektion

In seiner Forschung hat sich Ralf Bartenschlager schon kurz nach der erstmaligen Entdeckung des Hepatitis C-Virus mit den wesentlichen Eigenschaften der viralen Proteine und deren Nutzung für eine antivirale Therapie beschäftigt. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, erstmals ein reproduzierbares Zellkultursystem auf der Basis eines sogenannten Minigenoms und später ein vollständiges Vermehrungssystem für dieses Virus in Zellkulturen zu entwickeln. Seine Entdeckungen zu den molekularen Eigenschaften und zum Vermehrungszyklus des Hepatitis C-Virus haben dem Forschungsfeld eine neue Richtung gegeben und Angriffsflächen für die Entwicklung von antiviralen Medikamenten gelegt. Das erste Medikament gegen Hepatitis C wurde 2014 zugelassen, inzwischen führt die Therapie bei 95 Prozent der Patienten zu einer vollständigen Heilung der Infektion.
 
„Ich freue mich außerordentlich und bin dankbar für diese Auszeichnung, die auch eine Anerkennung für meine Mitarbeiter und Kollegen auf dem Feld der Hepatitisforschung ist“, sagte Ralf Bartenschlager in einer ersten Stellungnahme. Aus seiner Sicht gibt es weiterhin großen Forschungsbedarf: „Auch wenn es mittlerweile sehr wirkungsvolle Medikamente gibt, ist Hepatitis C eine schleichende Krankheit, denn viele Menschen sind infiziert, ohne es zu wissen. Es ist dringend notwendig, einen Impfstoff zu entwickeln, der vor der Infektion schützt.“ Infektionen mit Hepatitisviren sind ein globales Problem: „Weltweit sind etwa 230 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis B-Virus und 75 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Chronisch heißt, dass das Virus sich in den Leberzellen dauerhaft einnistet, was zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann“, so Bartenschlager.

Von Heidelberg über Basel und Mainz zurück an den Neckar

Ralf Bartenschlager studierte Biologie an der Universität Heidelberg. Nach Diplom (1987) und Promotion (1990) in Heidelberg am Zentrum für Molekulare Biologie ging er bis 1993 als Postdoc zu Hoffmann-La Roche in Basel, Schweiz. Hier begann er seine wissenschaftlichen Arbeiten am Hepatitis C-Virus. Zurück in Deutschland habilitierte er sich 1999 im Fachbereich Virologie an der Universität Mainz und wurde dort 2000 zum Professor für Molekulare Virologie berufen. 2002 erhielt Bartenschlager eine Chica und Heinz Schaller Stiftungsprofessur für Molekulare Virologie an der Universität Heidelberg. Im Universitätsklinikum ist er seit dieser Zeit Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie. Seit Anfang 2014 leitet er parallel die Abteilung „Virus-assoziierte Karzinogenese“ am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und ist Sprecher des dortigen Forschungsschwerpunktes „Infektion, Entzündung und Krebs“.
Im Jahr 2013 wurde Bartenschlager mit dem Lautenschläger-Forschungspreis und 2015 mit dem Robert-Koch-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2016 erhielt er den Lasker~DeBakey Clinical Medical Research Award. Seit 2013 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Er ist außerdem Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereiches (SFB/Transregio 179) „Determinanten und Dynamik der Elimination versus Persistenz bei Hepatitis-Virus-Infektionen“.

Homepage der Prince Mahidol Award Stiftung: https://www.princemahidolaward.org
Mehr über die Arbeit von Prof. Dr. Ralf Bartenschlager auf den Seiten des UKHD und des DKFZ
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/zentrum-fuer-infektiologie/molecular-virology/about-us/research-teams/ag-bartenschlager
https://www.dkfz.de/de/virus-assoziierte-karzinogenese/groups/AGBartenschlager/index.html

„Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg“

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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