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Fettleibigkeit in ländlichen Regionen nimmt weltweit zu

Nr. 22c2 | 09.05.2019 | von Koh

Eine aktuelle Untersuchung der weltweiten Entwicklung des Body Mass Index (BMI) hat ergeben, dass Fettleibigkeit in ländlichen Regionen stärker ansteigt als in den Städten. Bislang galt vor allem das weltweite Wachstum der städtischen Bevölkerung als Ursache der steigenden Fettleibigkeit. An der in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie waren auch Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum beteiligt. Die Federführung lag beim Imperial College London.

© Bill Branson, National Cancer Institute, Wikipedia

An der neuen Studie waren weltweit über tausend Wissenschaftler beteiligt. Die Forscher ermittelten, dass zwischen 1985 und 2017 der BMI bei Frauen im Durchschnitt um 2,0 kg/m2, bei Männern um 2,2 kg/m2 angestiegen ist. Das entspricht einer Gewichtszunahme von fünf bis sechs Kilo pro Mensch. Der aus Körpergröße und Gewicht berechnete Body Mass Index* gilt als international anerkannte Vergleichsgröße.

Über die Hälfte dieses weltweiten Anstiegs ging auf das Konto der Gewichtszunahme von Menschen in ländlichen Regionen. Die Forscher fanden eine BMI-Steigerung von 2,1 kg/m2 bei Frauen und Männern in ländlichen Regionen. Dem gegenüber stand ein Anstieg von nur 1,3 kg/m2 (Frauen) und 1,6 kg/m2 (Männer) bei den Stadtbewohnern.

Diese Trends haben in den letzten drei Jahrzehnten zu markanten Veränderungen in der geografischen Verteilung des BMI geführt. 1985 noch hatten städtische Männer und Frauen in über drei Vierteln der analysierten Länder einen höheren BMI als ihre Landsleute in ländlichen Regionen. Im Laufe der Zeit hat sich die Kluft zwischen BMI in der Stadt und auf dem Land in vielen dieser Länder verringert oder sogar umgekehrt.

„Die Ergebnisse stellen die gängige Annahme in Frage, dass der weltweite Zuwachs der städtischen Bevölkerung die Hauptursache für den weltweiten Anstieg der Fettleibigkeit ist", erklärt Hermann Brenner vom DKFZ, der Daten aus Deutschland zur Studie beigetragen hat. „Das neue Ergebnis bedeutet, dass wir nun neu darüber nachdenken müssen, wie das globale Gesundheitsproblem der Adipositas gelöst werden kann."

„Die Diskussionen um die öffentliche Gesundheit konzentrieren sich tendenziell mehr auf die negativen Aspekte des Lebens in Städten", wird Studienleiter Majid Ezzati in einer Meldung des Imperial College zitiert. „Tatsächlich bieten die Städte eine Fülle von Möglichkeiten für eine bessere Ernährung, mehr körperliche Bewegung und Erholung sowie eine insgesamt verbesserte Gesundheit. All dies ist in ländlichen Gebieten oft schwerer zu finden."

* Body-Mass-Index, BMI: Körpergewicht [kg] dividiert durch Körpergröße [m] im Quadrat.

NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC): "Rising rural body-mass index is the main driver of the global obesity epidemic in adults" Nature 2019, DOI: 10.1038/s41586-019-1171-x

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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