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Hoffnung für Menschen mit erblichem Krebsrisiko

Nr. 22c | 30.04.2019 | von Koh

Ein neues Konsortium forscht für Menschen, die aufgrund seltener Störungen der Erbgutreparatur ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Forschungsverbund mit zwei Millionen Euro. Mit beteiligt sind Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und vom Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ.

Arbeiten die Erbgut-Reparatursysteme der Zelle nicht korrekt, so kann dies zu schweren Krankheitsbildern führen.
© Apers0n, Wikipedia

Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen Menschen machen, deren Körper aufgrund einer genetischen Veränderung Schäden am Erbgut nicht ausreichend reparieren kann. Solche Schäden treten häufig auf und werden bei Gesunden unbemerkt korrigiert. Menschen, bei denen diese Korrektur nicht funktioniert, haben ein drastisch erhöhtes Krebsrisiko – oft erkranken sie sogar mehrfach hintereinander an Krebs. Besonders dramatisch ist dies, weil gängige Krebstherapien oft viele lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Patienten mit Erbgut-Reparatur-Defekten benötigen daher spezifische Krebstherapien.

Um bessere Behandlungsstrategien für Personen mit gestörter Erbgut-Reparatur zu entwickeln, haben Patientenvertreter, Psychosomatiker, Ärzte und Forscher aus Düsseldorf, Hannover, Heidelberg und Würzburg das Konsortium „Translationale Forschung für Personen mit abnormer DNA-Reparatur" gegründet. Der Verbund wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als zwei Millionen Euro für drei Jahre gefördert und besteht aus neun Einzelprojekten. Alle Beteiligten beleuchten gemeinsam die zahlreichen Aspekte, die mit dem erhöhten Krebsrisiko in Zusammenhang stehen, das von DNA-Reparaturdefekten ausgeht.

Ziele des Verbundes sind unter anderem, den betroffenen Familien, betreuenden Ärzten sowie den Wissenschaftlern eine Internet-basierte Plattform zu bieten, über die Informationen verbreitet, Daten eingegeben und Beratungen angeboten werden können. Das Konsortium arbeitet darüber hinaus daran, die psychosoziale Unterstützung für Patienten und deren Familien zu verbessern und die Mechanismen der Krankheitsentstehung weiter zu erforschen.

Ziel ist es, Krebserkrankungen mit verschiedenen Verfahren früher, sicherer und schonender zu erkennen. Für eine bessere Krebsdiagnose und zur Entwicklung neuer Therapiestrategien werden Tumore auf der Basis von genetischen Profilen charakterisiert und Tiermodelle etabliert. Außerdem sollen gezielte Hilfsangebote für Betroffene bereitgestellt werden. Betroffene können sich aktiv im Rahmen des Konsortiums einbringen und sich hierfür registrieren unter fit@krebs-praedisposition.de.

Radiologen um Sebastian Bickelhaupt vom DKFZ wollen untersuchen, ob für Betroffene mit einem hohen Risiko, bereits in frühen Lebensjahren an Krebs zu erkranken, eine sichere und schonende Früherkennung von Tumoren durch hochmoderne Ganzkörper-MRT möglich ist.

Till Milde, KiTZ und DKFZ, will neuartige Gewebemodelle (so genannte Xenograft-Modelle) aus Tumoren züchten, um daran neue Medikamente für betroffene Kinder zu prüfen. Stefan Pfister und Kristian Pajtler, ebenfalls KiTZ und DKFZ, führen bioinformatische Analysen der genetischen und epigenetischen Profile von Patienten mit Erbgut-Reparatur-Defekten durch.

Syndrome mit abnormer Erbgut-Reparatur sind eine Gruppe von seltenen Erkrankungen, bei denen alle Betroffenen ein erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Das Konsortium widmet sich elf dieser Erkrankungen: Ataxia-telangiectasia, Bloom Syndrom, konstitutionelle Mismatch Reparatur Defizienz, DNA Ligase IV Syndrom, Dyskeratosis congenita, Fanconi Anämie, Li Fraumeni Syndrom, Nijmegen Breakage Syndrom, Rothmund-Thomson Syndrom, Werner Syndrom und Xeroderma pigmentosum.

Weitere Informationen unter www.krebs-praedisposition.de 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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